Für die Politik hätte das bedeutet: Nicht verstehen, nur zahlen. Doch soweit wollte sich die Vorzeigedemokratie nicht fesseln lassen. Auch Paulson untersteht der parlamentarischen Kontrolle - in welcher Form auch immer das Rettungspaket nun durchgehen wird.

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Was Wunder, dass Paulsons ebenso eiliges wie rüdes Vorgehen, die mächtigen Verluste an den Finanzmärkten, die vielen Bankenzusammenbrüche und die Angst der Institute voreinander selbst bei jenen ein Gefühl von Bedrohung auslösen, die sich nie mit Finanzmärkten beschäftigen. Zum ersten Mal scheint selbst das Sparbuch unsicher zu sein.

Was ist da los? Was erleben wir da eigentlich? Ist das die größte Finanzkrise der Geschichte?

Die Antwort heißt: Keiner weiß es. Selbst Wirtschaftshistoriker tun sich schwer, die aktuellen Geschehnisse in die an Krisen reiche Wirtschaftsgeschichte einzuordnen.

Nach welchem Maßstab auch? Geht es um die Volumina, übertrifft die aktuelle Krise alle historischen Werte. Geht es um die Zahl der Bankzusammenbrüche, dann wiegen die 9000 kollabierten Banken der Weltwirschaftskrise schwerer. Geht es um die Größe der zusammengebrochenen Institute, dann ist die aktuelle Krise wuchtiger.

Damals wurde die Politik zum Handeln gezwungen - heute ist es genauso. 1933 wurde beispielsweise im Rahmen des Glass-Steagall Acts beschlossen, dass die Heißsporne in den Wertpapierabteilungen nie wieder das Geld von Privatkunden verzocken sollten. Die Bankenwelt wurde in Geschäftsbanken und Investmenthäuser aufgespalten. Wer spekulieren wollte, sollte sich das Geld auf den Kapitalmärkten beschaffen und nicht von den Konten holen.

Ausgerechnet jetzt wurde diese Regel wieder außer Kraft gesetzt, damit die Banken zur Sicherung des Geschäftsbetriebes auf Kundengelder zurückgreifen können. Allerdings nur vorübergehend.

Aktuell setzt die Politik wieder alles dran, das Bankgeschäft sicherer zu machen. Sie wird dabei vor allem die Dynamik der Finanzindustrie zu bremsen versuchen.

Doch anders als in anderen Branchen, wo der Fokus auf die Sicherheit tatsächlich Produkte sicherer gemacht hat, schafft sich die Finanzwelt immer neue Schlupflöcher. Darum ist nur eines sicher - die nächste Krise. Immerhin haben wir uns an die Billion nun gewöhnt - und bis zur Billiarde ist noch etwas Zeit.

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(sueddeutsche.de/bgr)