Von Martin Hesse

Finanzinvestoren galten als Heimsuchung für Unternehmen, jetzt leiden die Firmenaufkäufer selbst unter den Folgen der Krise.

Schön war die Zeit, wird sich manch ein Finanzinvestor heute denken. Schön war die Zeit, als wir noch als Heuschrecken beschimpft wurden; als wir selbst als biblische Plage wahrgenommen wurden. Sicher, angenehm war es für die Chefs der Beteiligungsgesellschaften KKR, Carlyle, Permira, Blackstone und anderer nicht, als sie als Abgraser angeprangert wurden. Doch trösteten damals nicht Traumrenditen über Hass und Häme hinweg? Waren die goldenen Jahre nicht allemal besser zu ertragen als das, was die Investoren jetzt durchmachen?

Finanzinvestoren: Die Plagen der Heuschrecken , AP

Finanzinvestoren, von Franz Müntefering als "Heuschrecken" gegeißelt, fallen über Unternehmen her, um sie dann gewinnbringend zu zerlegen. (© Foto: AP)

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Jetzt nämlich scheint es, als würden die Heuschrecken selbst von einer höheren Macht namens Markt mit Plagen biblischen Ausmaßes überzogen. Warum nur? Sollen sie etwa die übernommenen Firmen aus ihrem Griff entlassen, wie einst die Ägypter das Volk Israel? Nur zu gerne würden viele Firmenjäger ihre Beute wieder loswerden, allein es will sie keiner haben. So werden die Heuschrecken von Plagen heimgesucht, zehn an der Zahl sind es, wie im zweiten Buch Mose.

Als erstes ließ der Markt die Kreditblase platzen. Im Sommer 2007, als der US-Immobilienmarkt implodierte, blieben Banken plötzlich auf Großkrediten sitzen, mit denen sie bis dahin die gigantischen Einkäufe von Blackstone und Co. finanziert und die sie dann an mutige Investoren weitergereicht hatten. Jetzt stoppten die Banken das Firmenroulette, auf Pump finanzierte Milliardenübernahmen waren nicht mehr möglich. Den letzten großen Coup schaffte Blackstone-Gründer Stephen Schwarzman mit dem Kauf der Hotelkette Hilton. Andere Deals platzten kurz vor Abschluss.

Ruf nach Regulierung

Die Heuschrecken aber scherte das nicht, sie würden eben eine Zeitlang etwas kleinere Pflanzen verfrühstücken, um im Bild zu bleiben. Bald jedoch kam die zweite Plage über sie. Unternehmen machten ihnen immer häufiger die Nahrung streitig. Hatten Finanzinvestoren diese strategischen Käufer dank üppiger Schuldenfinanzierung bis zur Kreditkrise meist überboten, zogen sie nun selbst im Bieterkampf um mittelgroße Firmen oft genug den Kürzeren.

Gleichzeitig setzte den Finanzinvestoren eine weitere Seuche zu. Schon im Zuge der Heuschreckendebatte war der Ruf nach Regulierung laut geworden. Erst in der Finanzkrise fand er quer durch das politische Spektrum Gehör. In USA und Großbritannien verloren Firmenkäufer Steuervorteile, auch Deutschland schränkte die Spielräume der Investoren ein. Die Heuschrecken ihrerseits gelobten, mehr Transparenz zu schaffen.

Ab September aber überzog der Markt die Finanzinvestoren mit immer verheerenderen Plagen, die das Thema Regulierung als Luxusproblem erscheinen ließen. Waren bis zur Pleite von Lehman Brothers noch kleinere Käufe möglich, weigerten sich danach - das war die vierte Plage - Firmenbesitzer immer häufiger, ihr Eigentum abzugeben. Weil sie nicht mehr die Mondpreise der Vorjahre erzielen können, bleiben Familienunternehmer und Konzerne lieber auf ihren Firmen sitzen und warten auf bessere Zeiten. Gerade mal 16 Übernahmen im Wert von 70 Millionen Euro zählte die Unternehmensberatung Ernst & Young im vierten Quartal in Deutschland.

Auf bessere Zeiten aber wollen oder können die Geldgeber der Beteiligungsfonds nicht warten. Und so sind ausgerechnet sie zur fünften Heimsuchung für die Branche geworden. In den Boomjahren 2004 bis 2007 hatten Pensionsfonds, Stiftungen und andere vermögende Investoren den Beteiligungsfonds kontinuierlich höhere Investitionszusagen gegeben. Das war möglich, weil sie regelmäßig hohe Ausschüttungen aus erfolgreichen Fonds erhielten und dieses Geld reinvestieren konnten. Jetzt rufen die Fonds zwar weiter das Geld ihrer Anleger ab, schütten aber weniger aus. Die Investoren ziehen jedoch Geld aus Aktien und anderen riskanten Anlageklassen ab und wollen nicht, dass Investitionen in Beteiligungsfonds dadurch zu viel Gewicht in ihren Portfolios bekommen. Zwei der größten Firmenkäufer, Permira und TPG, sind ihren Geldgebern entgegengekommen, sie dürfen ihre Kapitalzusagen reduzieren. Das ist aus Heuschrecken-Sicht weniger schlimm, solange es sowieso kaum Firmen zu kaufen gibt.

Angeödet von den ausgedörrten Weiden in Europa und Amerika wandten sich die Heuschrecken seit 2007 verstärkt saftigeren Gefilden in Asien, Osteuropa und dem Mittleren Osten zu. Doch als die Finanz- und Wirtschaftskrise auch diese aufstrebenden Märkte infizierte - die sechste Plage - boten diese Rückzugsräume Finanzinvestoren immer weniger Nahrung. Zumal ihnen dort die jeweiligen Staatsfonds, vulgo Staatsheuschrecken, Konkurrenz machten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Finanzinvestoren die Unternehmen nicht mehr loswerden.

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