Von Martin Heese

Die Finanzinvestoren geben sich bei ihrem Gipfeltreffen in München selbstkritisch, ihre Gegner rufen die alten Parolen. Miteinander gesprochen haben beide Seiten wieder nicht.

Es dämmert an der Münchner Freiheit, als die Hinrichtung beginnt. Eine einsame Geige spielt einen Trauermarsch von Schubert, ein paar Passanten bleiben neugierig stehen. Plötzlich knallt es leise, kurz darauf sinkt der Verurteilte zu Boden, hingestreckt von einer Champagnerdusche. Es ist eine Person im Anzug, mit einer Heuschreckenmaske auf dem Kopf. "Rette mich, ich habe Unrecht getan", fleht sie, gerichtet von der Protestorganisation Attac. Im Hintergrund läuft auf einer Leinwand ein Video, auf dem ein Heuschrecken-ähnliches Tier ein anderes Insekt aussaugt.

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Die Beteiligungsbranche steckt in einer Krise. Und das hat sie ihren Kritikern ein Stück näher gebracht. (© Foto: DDP)

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Ein paar Kilometer weiter nördlich, am Rande der Stadt, betreiben zur gleichen Zeit jene Finanzinvestoren Nabelschau, gegen die sich der plakative Protest von Attac richtet. "Super Return", Super-Gewinn, nennen sie ihren Weltgipfel. Auf die "Champagner-Gespräche" zum Zustand der Beteiligungsbranche spielen die Protestler an. "Die Investoren benutzen die Unternehmen, um ihre Gewinne zu erhöhen, ohne die Interessen der Arbeitnehmer und der Gesellschaft angemessen zu berücksichtigen", sagt Attac-Aktivist Tilman Bergt. Mit ähnlichen Aussagen, weniger drastisch inszeniert, protestierte am Morgen auch die Gewerkschaft Verdi gegen die vermeintliche Geldgier der Firmenkäufer.

Die alte Heuschreckendebatte

Die Parolen und Bilder der Kritiker sind noch die gleichen wie vor drei Jahren, als der damalige SPD-Chef Franz Müntefering die Heuschreckendebatte anzettelte. Für die Finanzinvestoren selbst hat sich die Welt in den vergangenen zwölf Monaten drastisch verändert. Seit unter den Banken eine Kreditkrise wütet, tun sich die Firmenkäufer schwer, ihre Übernahmen wie gewohnt mit Schulden zu finanzieren. Zugleich können sie ihre Firmen nicht mehr zu so hohen Preisen weiterverkaufen, wie noch vor einem Jahr. Die Branche steckt in einer Krise. Und das hat sie ihren Kritikern ein Stück näher gebracht, wenn auch beide Seiten nach wie vor in Parallelwelten leben.

Ort des Investoren-Gipfels ist das Kongresszentrum MOC, so gesichtslos wie es die Kritiker den Finanzinvestoren gerne vorwerfen. Drinnen schieben sich um die tausend geschäftsmäßig gekleidete Konferenzteilnehmer an ein paar drögen Informationsständen vorbei, lauschen Vorträgen und sinnieren über die Zukunft ihrer Branche. Von Champagnerlaune ist hier keine Spur. Selbst zwei Formel-Eins-Autos, die ein Sponsor zur Volksbelustigung herangekarrt hat, stoßen auf wenig Interesse. Riskiert mal ein Kongressteilnehmer ein simuliertes Rennen, landet er meist schnell im Kiesbett.

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