SZ: Wie lange haben Sie Zeit, um Pro Sieben Sat 1 wieder auf Kurs zu bringen?

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Rockenhäuser: Wir sind zeitlich nicht limitiert. Meines Wissens nach ist das Unternehmen auf einem guten Weg, 2009 wieder an die erfolgreichen Jahre der Vergangenheit anzuschließen.

SZ: Ist eine Zerschlagung der Sendergruppe vom Tisch?

Rockenhäuser: Das würde aus Aktionärssicht überhaupt keinen Sinn machen.

SZ: Was wollen Sie sonst tun, um Pro Sieben Sat 1 wieder nach vorne zu bringen?

Rockenhäuser: Pro Sieben Sat 1 hat mit dem Zukauf der skandinavischen Senderfamilie SBS und der damit verbundenen Internationalisierung einen wichtigen Schritt getan, um weiter zu wachsen und bei der Konsolidierung in Europa eine führende Rolle zu übernehmen. Darüber hinaus können wir zwischen den Sendern Synergien heben. Etwa wenn wir hochwertige Shows produzieren oder einkaufen und in mehreren Gesellschaften verwerten. Uri Geller ist ein Beispiel, wo das schon funktioniert hat.

SZ: Müssen Veränderungen wie bei Hugo Boss und Pro Sieben Sat 1 immer damit einhergehen, dass Sie ein neues Management installieren?

Rockenhäuser: Bei Guillaume de Posch war es die persönliche Entscheidung eines Managers, den wir extrem schätzen. Bei Hugo Boss hat es nie eine echte Zusammenarbeit zwischen Hauptaktionär und Vorstandschef gegeben. Wenn sich ein Chef sperrt, mit dem Haupteigentümer zusammenzuarbeiten, gibt es ein Problem. Wir sind sehr glücklich, dass wir jetzt mit Claus-Dietrich Lahrs einen Experten an Bord haben, der für die internationale Ausrichtung des Konzerns steht.

SZ: Haben Sie schon einen Nachfolger für Guillaume de Posch?

Rockenhäuser: Das ist die alleinige Aufgabe des Aufsichtsrats. Ich gehe davon aus, dass das Kontrollgremium eine überzeugende Lösung präsentieren wird.

SZ: Woran liegt es, dass Finanzinvestoren in ihren Firmen ständig die Chefs austauschen?

Rockenhäuser: Das hat viel damit zu tun, dass es einen neuen Eigentümer gibt, weniger damit, wer der neue Eigentümer ist. Ein Eigentümerwechsel kann - muss aber nicht - eine natürliche Zäsur sein, die auch einen Managementwechsel nach sich zieht. Im Übrigen: Wenn wir so vorgingen wie Schaeffler bei Conti, würden alle über uns herfallen. Wir machen keine feindlichen Übernahmen.

SZ: Ist die Unternehmensführung bei Firmen im Besitz von Beteiligungsgesellschaften besser als in anderen?

Rockenhäuser: Wenn es darum geht, ein Unternehmen von einer Wachstumsphase in die nächste zu bringen, wenn man schnelle Entscheidungswege braucht, haben wir riesige Vorteile. Ich bezweifle, dass das deutsche Aufsichtsratssystem mit vier Sitzungen im Jahr effizient ist.

SZ: Bietet die aktuelle Schwäche börsennotierter Unternehmen Chancen für Finanzinvestoren wie Permira?

Rockenhäuser: Die Marktlage auf den Aktienmärkten bietet sicher Chancen, die Marktlage an den Kreditmärkten ist schon deutlich schwieriger. Und ohne Letztere geht es nicht.

SZ: Ihnen fehlt also Munition.

Rockenhäuser: Wir sind mit genügend Kapital ausgestattet. Aber die Fremdfinanzierung ist derzeit ab einer gewissen Größenordnung schwierig. Deshalb werden wir insgesamt in diesem Jahr weniger Übernahmen durch Beteiligungsfirmen als im vergangenen Jahr sehen. Aber solche Zyklen sind normal. Immerhin haben wir in den vergangenen Wochen mit Marazzi in Italien und NDS in England zwei große Transaktionen gemacht beziehungsweise eingeleitet.

SZ: Hat Permira ein Problem, wenn sich die Situation nicht bessert?

Rockenhäuser: Nein. Aber warum sollten Banken nicht irgendwann wieder Kredite geben? Damit verdienen sie doch ihr Geld. Die Krise ist ja nicht durch Exzesse bei Übernahmen ausgelöst worden, sondern im Immobiliensektor.

SZ: Aber die Gewinne der vergangenen Jahre sind doch passé.

Rockenhäuser: Die Renditeanforderungen haben sich seit 1985 nicht geändert. Wir befinden uns mit unseren Renditeanforderungen im Übrigen in bester Gesellschaft - nämlich mit erfolgreichen mittelständischen Unternehmen.

SZ: Andere große Finanzinvestoren weichen auf neue Strategien aus, sie kaufen beispielsweise Problemkredite auf. Warum macht Permira das nicht?

Rockenhäuser: Wir glauben, wir sind gute unternehmerische Investoren. Aber große Spreizschritte in andere Richtungen machen wir nicht.

SZ: Ist das in der aktuellen Phase ein Nachteil?

Rockenhäuser: Ich glaube, es ist ein Vorteil. Aber es gibt nicht nur einen Weg nach Rom, andere Firmen, die es anders machen, sind auch erfolgreich.

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(SZ vom 2.9.2008/kim/jkr)