Von Martin Hesse

Der Finanzinvestor KKR übernimmt an einem Tag zwei Unternehmen und eröffnet die Firmenjagd. Parole: Es geht auch ohne neue Schulden.

Seit einer Weile wirbt die Rudolf Wild GmbH mit einem "erweiterten Portfolio an Farben aus natürlichen Quellen und färbenden Lebensmitteln". So will das Familienunternehmen aus Eppelheim ihren Kunden Appetit auf mehr machen. Auch Banane, Mango, Mandarine, Erdbeere, Rote Johannisbeere, Holunder und Limette befinden sich nunmehr im Sortiment. Angebissen hat nun jemand anderes: Der Finanzinvestor KKR steigt bei Wild ein. Am gleichen Tag kündigten die Amerikaner außerdem an, den britischen Zoo-Händler Pets at Home zu kaufen. KKR setzt damit ein Zeichen, dass die Beteiligungsgesellschaften die Krise allmählich überwinden. Die Jagd auf Firmen ist wieder eröffnet.

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KKR gehört zu den größten Beteiligungsgesellschaften der Welt. (© SZ-Grafik)

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35 Prozent zu Beginn

Bei Wild, einem der weltweit größten Anbieter natürlicher Zusatzstoffe für Lebensmittel, wird sich KKR zunächst mit 35 Prozent beteiligen. Wie teuer der Einstieg ist, wollten beide Seiten nicht verraten. Wild veröffentlicht auch keine Zahlen zu Umsatz und Gewinn. Von der Größe her könnte die Firma jedoch schon heute ein Kandidat für den MDax sein, dem Börsensegment für mittelgroße Unternehmen. Und dort wollen Wild und KKR mittelfristig auch hin. "Ziel ist es, das Unternehmen börsenfähig zu machen, aber das dürfte einige Jahre dauern", sagte Johannes Huth, Europachef von KKR der Süddeutschen Zeitung.

Etwas ähnliches hat KKR vor einigen Jahren schon einmal gemacht, als sich der Investor an der Licht-Firma Zumtobel beteiligte und sie gemeinsam mit der Eigentümerfamilie an die Börse brachte. Wild-Eigentümer Hans-Peter Wild hatte seinen 2500 Mitarbeitern vor zwei Jahren einen Börsengang in Aussicht gestellt, dann kam die Finanzkrise dazwischen. Mit KKR will sich der Unternehmer nun zunächst neue Geldquellen erschließen, die verschiedenen Teile des Konzerns stärker zusammenführen und weiter wachsen. "Wild hat großes Potential, organisch zu wachsen, aber wir würden auch Zukäufe unterstützen, wenn sich die Möglichkeit bietet", sagt Huth. KKR wolle die bisherige Strategie mit dem bestehenden Management fortführen. Bekannt ist Wild vor allem durch ihre Markenartikel Capri-Sonne, Caps und Libella. Dieser Bereich bleibt vollständig in der Hand von Hans-Peter Wild.

Willige Banken

KKR investiert nach eigenen Angaben nur eigenes Geld in die Firma und nimmt keine Schulden dafür auf. Vor der Finanzkrise finanzierten Beteiligungsgesellschaften ihre Übernahmen in der Regel überwiegend mit Krediten und luden diese den gekauften Unternehmen auf.

Experten rechnen damit, dass sich Finanzinvestoren künftig wieder häufiger auf reine Eigenkapitalinvestitionen einlassen und auch Minderheitsbeteiligungen eingehen müssen, um mit attraktiven Firmen ins Geschäft zu kommen. Das dürfte vor allem für Familienunternehmen gelten, die verstärkt in den Fokus von Finanzinvestoren geraten. "KKR ist sehr an größeren Familienunternehmen interessiert", sagt KKR-Manager Huth.

Doch die Banken sind offenbar auch wieder dazu bereit, Übernahmen mit Schulden zu finanzieren. So sollen sie für eine Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland bis zu vier Milliarden Euro an Krediten anbieten, heißt es in Finanzkreisen. So könnte ein Kaufpreis von etwa fünf Milliarden Euro für KDG zustande kommen. Der Kabelnetzbetreiber prüft derzeit parallel einen Börsengang und einen Verkauf an Investoren. Interesse zeigen offenbar die Beteiligungsgesellschaften CVC, Carlyle, Advent, BC Partners und Apax. Allerdings befindet sich der Verkaufsprozess in einem frühen Stadium. BC Partners prüft dem Vernehmen nach eine gemeinsame Offerte mit dem US-Finanzinvestor Apollo. Beide haben gerade das Kabelunternehmen Unitymedia an den US-Unternehmer John Malone verkauft.

Als mögliches Ziel für Finanzinvestoren gilt auch die Hörgerätesparte von Siemens. Auch KKR sowie Permira sollen an dem Geschäftsbereich interessiert sein. Allerdings hat sich Siemens nach eigenen Angaben noch nicht auf einen Verkauf festgelegt. Interesse hatten Finanzinvestoren auch an dem Generikahersteller Ratiopharm gezeigt, hier soll jedoch nur noch die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT im Rennen sein, als Favoriten gelten Wettbewerber von Ratiopharm wie Teva und Pfizer.

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(SZ vom 28.01.2010/mel)