Finanzindustrie Klamme Kunden machen Deutsche Bank reich

"Beachtliche Profitabiltität": Die Deutsche Bank macht 2009 deutlich mehr Gewinn als erwartet. Doch das Ergebnis verdient keinen Jubel.

Die Deutsche Bank hat die Krise nicht nur weit hinter sich gelassen - mittlerweile profitiert sie mächtig von ihr: Vor allem die Anleiheflut klammer Staaten und Firmen bescherte dem Institut satte Erträge.

Mit den Anleihen beschaffen sich die Schuldner Geld auf Kapitalmarkt - darunter eben auch Regierungen, die zur Finanzierung ihrer Notprogramme entsprechende Papiere herausgaben. Kreditinstitute wie die Deutsche Bank sind dann bei der Ausgabe und Platzierung solcher Anleihen behilflich. Es gilt eben das alte Monopoly-Prinzip: Am Ende gewinnt immer die Bank.

Im vergangenen Jahr verdiente Deutschlands größtes Geldhaus fünf Milliarden Euro. 2008 hatte das Institut noch einen Verlust von fast vier Milliarden Euro eingefahren. Damit schaffte es mehr als von Analysten erwartet. 2008 hatte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Finanzmärkte weltweit erschüttert.

Der neue Supergewinn wird getragen von einem dicken Plus im Investmentbanking. Wie gehabt scheffelten vor allem die Spezialisten in London Geld. In dem vergleichsweise riskanten Kerngeschäft erzielte das Institut im vergangenen Jahr mit 3,5 Milliarden Euro rund zwei Drittel des gesamten Vorsteuergewinns. Alle anderen Sparten waren zwar auch profitabel, schrieben aber keine Milliardengewinne.

In dem von der Bank als stabil bezeichneten Privatkundengeschäft halbierte sich sogar das Ergebnis auf 458 Millionen Euro. Hier schlugen Abfindungszahlungen und die Zurückhaltung vieler Kunden bei Wertpapiergeschäften negativ zu Buche.

Experten-Erwartungen übertroffen

Vor allem das vierte Quartal fiel für Bank-Chef Josef Ackermann unerwartet gut aus - seine Firma machte einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro. Experten hatten im Schnitt lediglich mit 650 Millionen Euro gerechnet. Allerdings half der Deutschen Bank eine üppige Steuergutschrift aus den Vereinigten Staaten: Verlustvorträge konnten nun dank einer kräftigen Verbesserung der Ertragslage bilanziert werden. Das Ergebnis vor Steuern lagen indes unter den Erwartungen - das führte dazu, dass die Analysten die Zahlen der Bank insgesamt mit Zurückhaltung aufnahmen.

Bank-Chef Ackermann geriet angesichts dieser Zahlen geradezu ins Schwelgen: "Die Deutsche Bank hat im Jahr 2009 eine Menge erreicht: Wir haben bei deutlich vermindertem Risiko und mit kleinerer Bilanzsumme eine beachtliche Profitabilität erzielt."

Und: "Auf Grund unserer Finanzstärke und unserer strategischen Positionierung sind wir für die Chancen und Herausforderungen 2010 bestens gerüstet."

Vom guten Ergebnis sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Ausschüttung an die Anteilseigner wird um 50 Prozent auf 75 Cent je Anteil erhöht.

Das Institut stärkte seine Eigenkapitalbasis deutlich: Die Kernkapitalquote - das Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten - lag Ende Dezember bei 12,6 (Vorjahr: 10,1) Prozent.

Scharfer Gegenwind

Gegenwind für das laufende Jahr erwartet die Bank mit ihren weltweit 77.053 (2008: 80.456) Mitarbeitern durch neue Regularien für die Branche.

Zudem sei die Krise noch nicht vorbei. "Wir erkennen einen klaren Trend zur Erholung der Wirtschaft und zur Stabilisierung der Finanzmärkte, auch wenn die Bewältigung der jüngsten Krise noch andauert", sagte Ackermann.

Für ausfallgefährdete Kredite legte die Bank deutlich mehr Geld zurück als im Vorjahr: Die Risikovorsorge stieg von 1,1 Milliarden Euro auf 2,6 Milliarden Euro.

Die von Ackermann ausgegebene - und oft kritisierte - Zielgröße einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern verfehlte die Bank: Sie betrug für das vergangene Jahr 15 Prozent.

Unglücklich wirkt Ackermann nicht.

Auf der Streckbank der großen Krise

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