Der mächtige Alessandro Profumo ist weg, nun soll Federico Ghizzoni bei Unicredit die Europastrategie seines Vorgängers fortführen. Doch die Macht soll künftig besser verteilt werden.
Acht Tage hatte sich Dieter Rampl Zeit genommen, um nach dem turbulenten Abgang Alessandro Profumos einen geeigneten Nachfolger zu benennen. An diesem Donnerstag wird er dem Aufsichtsrat in Warschau einen Mann präsentieren, mit dem offenbar alle leben können. Wie es übereinstimmend in Aktionärskreisen heißt, soll Federico Ghizzoni Unicredit führen, eine der größten europäischen Banken. Dass er im Aufsichtsrat noch durchfallen könnte, gilt als unwahrscheinlich.
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Federico Ghizzoni (links) soll der neue Unicredit-Chef werden. (© ASSOCIATED PRESS)
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Der Ort für die Wahl des neuen Chefs ist nicht ohne Symbolik: Ghizzoni, der einst das Geschäft in Polen leitete und zuletzt Osteuropa-Chef war, soll für die Fortsetzung des pan-europäischen Kurses der Unicredit-Gruppe stehen. Bereits in den vergangenen Tagen war durchgesickert, dass Rampl eine interne Lösung favorisiert. Damit war klar, dass es auf einen von vier Stellvertretern Profumos hinauslaufen dürfte. Neben Ghizzoni sind dies Sergio Ermotti, zuständig für das Investmentbanking und für große Firmenkunden, Privatkundenchef Roberto Nicastro sowie Paolo Fiorentino, der für das globale Bankgeschäft verantwortlich ist.
Unicredit ändert zugleich die Führungsstruktur und wird neben dem Vorstandschef (CEO) einen Generaldirektor einsetzen, möglicherweise sogar zwei. Während der CEO sich vor allem um Strategie, Kommunikation und regulatorische Fragen kümmern soll, steuert der Generaldirektor das operative Geschäft. Somit würden wohl einer oder sogar zwei der bisherigen Stellvertreter Profumos ebenfalls in die neue Führung eingebunden.
Die neue Struktur soll verhindern, dass noch einmal ein Chef eine solche Macht auf sich vereinigen kann wie Profumo, der die Bank 13 Jahre lang geführt hatte. Er war letztlich gefallen, weil er nach Auffassung des Aufsichtsrates um Rampl gegen die Regeln guter Unternehmensführung verstieß. Zuletzt hatte sich ein heftiger Streit um den Aufstieg Libyens zum größten Einzelaktionär entzündet. Profumo soll Rampl darüber zunächst nicht informiert haben. Vor allem die Vertreter der norditalienischen Sparkassenstiftungen, die zusammen rund elf Prozent an Unicredit halten und der Lega Nord nahestehen, hatten zuletzt Front gegen Profumo gemacht.
Der 55-jährige Ghizzoni, in Piacenza geboren, ist in Italien verwurzelt und hat dort seine Banker-Laufbahn 1980 bei Unicredit begonnen. Später ging er für die Bank nach Singapur, ehe er eine starke Rolle in der Osteuropastrategie des Konzerns spielte und zum Vize-Chef aufstieg.
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(sueddeutsche.de/aum/hgn)
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