Neue Finanzierungsideen lassen sich nicht aus dem Hut zaubern. Wer bauen oder kaufen will, muss vorher sparen. Doch bei der Eigenkapitalhöhe ist Spielraum vorhanden, meint Matthias Dous von Genworth Financial aus Köln. Interview: Peter Horn

SZ: Die in Deutschland übliche Finanzierung gilt als wenig beweglich, aber sicher. Was vermissen Sie?

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Dous: Die Produktvielfalt. In einem mit mehr als 2000 Banken und anderen Finanzdienstleistern stark fragmentierten Finanzierungsmarkt in Deutschland sind neue Konzepte und ein diversifizierteres Produktportfolio seitens der darlehensgebenden Institute gefragt, um neue Kunden zu gewinnen. Die Konsumenten suchen nach mehr Flexibilität bei der Finanzierung der eigenen vier Wände. Finanzierungen mit geringem Eigenkapitalanteil sind nicht in der deutschen Bankenlandschaft etabliert.

SZ: Welchen Schluss ziehen Sie aus der kürzlich von Ihnen veröffentlichten Studie zum Immobilienmarkt?

Dous: Sie hat ergeben, dass nahezu 90 Prozent der Repräsentativgruppe angaben, dass sie die eigenen vier Wände dem Wohnen zur Miete vorziehen. Vielen sind Immobilienfinanzierungen mit geringem Eigenkapitaleinsatz, den hochauslaufenden Finanzierungen, gar nicht bewusst.

SZ: Wege zu mehr Flexibilität?

Dous: Der hohe Eigenkapitalanteil kann gesenkt werden, jedoch muss die Reduzierung der Eigenkapitalquote natürlich mit strikten Risikomanagementgrundsätzen einhergehen. Hochauslaufende Finanzierungen bergen ein höheres Risiko. Daher müssen besondere Anforderungen an die Kreditvergabepraxis der Banken gerichtet werden.

SZ: Wie sehen verantwortbare Lösungen aus?

Dous: Diese sind gekoppelt an eine umsichtige Kreditvergabepraxis auf Darlehensgeberseite. So wird sichergestellt, dass Kredite im hochauslaufenden Finanzierungsbereich nur an solche Antragsteller vergeben werden, die aufgrund ihrer guten Bonität jederzeit den finanziellen Verpflichtungen aus dem Darlehen nachkommen können.

SZ: Wie bewerten Sie den Aspekt Finanzierung von Wohneigentum in inflationärem Umfeld?

Dous: Die gegenwärtige Inflationsrate hat einen Höchststand erreicht. Für das kommende Jahr erwarten Experten eine Inflationsrate von drei Prozent. In einem derart inflationären Umfeld verstärkt sich natürlich die Flucht in Sachwerte.

SZ: Welchen Hintergrund hat ihr Auftritt beim Europakongress der EU-Bausparkassenvereinigung kürzlich in Prag?

Dous: Uns liegt das Thema Wohneigentum am Herzen. Die Bausparkassen sind nicht die einzigen Vertreter der deutschen Wohnimmobilien-Finanzierungslandschaft, mit denen wir seit geraumer Zeit in Kontakt stehen. Wir arbeiten segmentübergreifend. Jedoch sind die Bausparkassen als traditionelle Hausbaufinanzierer für uns wichtige Partner.

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(SZ vom 7. 12. 2007)