Die Finanzaufsicht Bafin will kurzfristige Kapitalanlage-Produkte der deutschen Lebensversicherer stärker kontrollieren. Mit einer Sammelverfügung an alle Unternehmen der Branche will die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) verhindern, dass solche Sparverträge zu Lasten der übrigen Lebensversicherten gehen. Sogenannte Kapitalisierungsprodukte spielen eine immer größere Rolle für die Lebensversicherer, die damit sinkende Zuflüsse in normale Policen kompensieren.

Anzeige

Nach Angaben des Branchenverbandes GDV hatten sie 2009 ein Volumen von acht Milliarden Euro, das ist ein Viertel des Gesamtvolumens in Policen gegen Einmalbeitrag. Die Versicherer müssen für solche Kapitalisierungsprodukte deshalb vom vierten Quartal an ein eigenes Sicherungsvermögen einrichten, wenn diese mehr als drei Prozent ihrer Anlagen beanspruchen. Zudem müssen sie - ähnlich wie Banken - der Bafin monatlich nachweisen, dass sie immer genügend Liquidität zur Verfügung haben, um notfalls auch größere Abflüsse aus diesen Produkten bewältigen zu können, ohne die Reserven antasten zu müssen.

Viele Versicherer hatten die kurzfristig kündbaren Policen gegen Einmalbeitrag eingeführt, um den Abfluss der Mittel etwa aus auslaufenden Lebensversicherungen zu verhindern. Einige nutzten sie auch, um neue Kunden mit hohen Zinsen zu locken. Gerade in der Finanzkrise hatten viele Anleger darin ihr Geld angelegt, weil die Versicherer ihnen höhere Renditen boten als Banken. Die Bafin ermahnt sie in dem Schreiben nun, die Anreize dafür durch Stornoabschläge, geringere Überschussbeteiligungen als bei anderen Verträgen und die Einführung von Maximalbeträgen zu drosseln.

GDV-Geschäftsführer Peter Schwark sieht die Lage weniger dramatisch: Die Kapitalisierungsverträge stellten kein großes Risiko dar. Auch das Liquiditätsrisiko sei zu vernachlässigen. Ein Ende des Booms mit den ungewöhnlichen Verträgen erwartet Schwark nicht. "Wir gehen davon aus, dass diese in diesem Jahr auf einem hohen Niveau bleiben." Im vergangenen Jahr hatten die Policen mit Einmalbeiträgen unerwartet einen Zuwachs von sieben Prozent erbracht, obwohl das Geschäft mit klassischen Lebens- und Rentenversicherungen eingebrochen war.

Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4

  1. Weniger ist mehr
  2. IWF hält Yuan für überbewertet
  3. HRE hat 73 Milliarden in PIIGS-Staaten
  4. Sie lesen jetzt Bafin untersucht Lebensversicherungen
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/stl/mel)