Finanzdesaster bei der IKB Folgenlose Misswirtschaft

Aufklärung unerwünscht: Der ehemalige IKB-Chef Stefan Ortseifen muss wohl nicht mit einer Schadenersatzklage rechnen. Warum die Bank ihren Ex-Vorstand verschont.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

20 Monate ist es nun schon her, dass die in Düsseldorf ansässige Mittelstandsbank IKB wegen fragwürdiger Engagements im US-Hypothekenmarkt beinahe pleite gegangen wäre und ihren damaligen Vorstandsvorsitzenden Stefan Ortseifen deshalb gefeuert hat. Aber von Schadenersatzforderungen für das Missmanagement, das früher geherrscht haben soll, und für die finanziellen Folgen des Desasters ist der Ex-Chef bis heute verschont geblieben.

Vermutlich wird sich daran so schnell nichts ändern. Ortseifen hat das Glück, so paradox es klingen mag, dass die IKB für die vermeintlichen Mängel und Fehler während seiner Amtszeit mit 1,8 Milliarden Euro haften soll. So viel Geld verlangt der US-Versicherer Financial Guarantee Insurance Company (FGIC) von der IKB. Bei der FGIC hat sich die Düsseldorfer Bank vor einigen Jahren gegen mögliche Ausfälle bei Geschäften mit US-Immobilienkrediten abgesichert. Die FGIC sieht sich im Nachhinein getäuscht, weil die IKB damals bereits von Risiken gewusst, dies aber verschwiegen habe. Die Bank bestreitet das.

Kühle Rechner

In der IKB wird nach Angaben aus Finanzkreisen nun ganz kühl gerechnet. Was nütze es, wenn man Ortseifen verklage und einige Millionen Euro heraushole, dadurch aber mögliche Missstände nachträglich bei Gericht bekannt würden und die FGIC mit diesen Erkenntnissen anschließend ihre Milliarden-Forderung durchsetzen könne. Das könne die Bank ruinieren. Und das erkläre, warum die IKB trotz der vielen in einem Untersuchungsbericht der Wirtschaftsprüfgesellschaft PwC aufgelisteten Mängel während Ortseifens Amtszeit nicht gegen den Ex-Chef vorgehe, mit einer Ausnahme: Die Bank fordert Tantiemen in Höhe von 805.000 zurück. Die IKB teilt dazu mit, sie habe Schadenersatzansprüche gegen ehemalige Verantwortliche zunächst zurückgestellt, "im Interesse des Unternehmens".

Ein IKB-Manager sagt, Ortseifen und dessen ehemalige Vorstandkollegen könnten froh sein. Würde man die früheren Manager verklagen, dann wären sie, "wenn sie Pech haben, bis ans Ende ihres Lebens nicht mehr froh". Schließlich habe das Desaster die Bank und deren Hauptgesellschafter mehrere Milliarden Euro gekostet. Die IKB hat zwar für ihre Vorstände eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abgeschlossen, im Fachjargon D&O genannt. Die Deckungssumme liegt jedoch lediglich im zweistelligen Millionenbereich, also irgendwo zwischen zehn und 90 Millionen Euro. Auch kann der Versicherungsschutz abgelehnt werden, wenn grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz in Rede stehen.

Kontrolleure in der Klemme

Der Aufsichtsrat, der für Schadenersatzklagen gegen Ex-Vorstände zuständig wäre, steckt in der Zwickmühle. Sollten die Kontrolleure berechtigte Forderungen verzögern oder verfallen lassen, riskieren sie, selbst zu haften. Das lässt sich aus der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) ableiten.

Andererseits soll der Milliardenklage aus den USA nicht Vorschub geleistet werden. Zu den Kontrolleuren der IKB gehörte in jener Zeit, als die Bank fast pleite ging und die PwC anschließend im Auftrag des neuen Vorstands und in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat die Gründe für das Desaster erforschte, einer der wichtigsten Mitarbeiter von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an: Jörg Asmussen, damals Abteilungsleiter Finanzmarktpolitik und heute Staatssekretär.

Der frühere IKB-Chef Ortseifen äußert sich dazu nicht, aber er beharrt darauf, keine Fehler gemacht zu haben. Er klagt beim Landgericht Düsseldorf gegen seine fristlose Kündigung.