Sie sollen herausgedrängt werden, doch kampflos wollen die verbliebenen HRE-Aktionäre das Feld nicht räumen. Bei der letzten Hauptversammlung brodelt es gewaltig - und auch Brüssel macht Ärger.

Es ist der vorerst letzte Showdown in der schier unendlichen Causa Hypo Real Estate (HRE). Die letzten verbliebenen Aktionäre der Krisenbank treffen sich am Montag zur Hauptversammlung - es wird die letzte sein. Denn bei dem Treffen in München will der Bund die letzten Anteilseigner aus dem Unternehmen drängen - um die HRE dann von der Börse zu nehmen.

Hypo Real Estate, Foto: AP

Auf der letzten Hauptversammlung der Hypo Real Estate wird es noch einmal heiß hergehen. (© Foto: AP)

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Es droht viel Ärger in München - auch wenn Vorstandschef Axel Wieandt betont, um die systemrelevante Pfandbriefbank vor dem Zusammenbruch zu retten, gebe es keine Alternative. "Wir sind uns selbstverständlich der Tatsache bewusst, dass viele von Ihnen es vorziehen würden, wenn sie Aktionäre der Gesellschaft bleiben könnten", sagte er. Dennoch gebe es keine Alternative zur vollständigen Verstaatlichung. Aktionärsschützer kritisierten das als "kalte Enteignung". Die wenigen hundert nach München gekommenen Aktionäre unterbrachen Wieandts Rede immer wieder mit Buhrufen und Pfiffen.

Der staatliche Rettungsfonds Soffin hat 90 Prozent der HRE-Anteile übernommen und hat damit in diesem Fall die notwendige Mehrheit, um die noch verbliebenen Aktionäre gegen Zahlung einer Abfindung von 1,30 Euro je Anteil zwangsweise ausschließen.

Zwei Dutzend Gegenanträge

Aktionärsschützer und Kleinanleger haben zwei Dutzend Gegenanträge eingereicht. Sie halten die Abfindung für zu niedrig und fordern ein Vorkaufsrecht, wenn die Bank in einigen Jahren an die Börse zurückkehren sollte. "Wir wollen keine Almosen, wir wollen fair behandelt werden", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und kündigte Klagen an. Die Enteignung sei unnötig. Die Anleger seien vom alten Management getäuscht und heute vom Bund "um ihren wahren Anteil betrogen" worden.

Wieandt sagte, seit einem Jahr könne die Hypo Real Estate nur mit den Liquiditätshilfen des Bundes und eines Bankenkonsortiums "die Zahlungsunfähigkeit vermeiden". Durch die Rückführung des Geschäfts und Zinsänderungen nehme die HRE derzeit nur noch Bürgschaften über 78 Milliarden Euro in Anspruch. Aber die Fortführung des Konzerns sei auf absehbare Zeit nur mit Hilfe von außen möglich. Bis 2011 seien weitere Milliardenverluste absehbar.

Allein Abschreibungen auf Forderungen und Wertpapiere vor allem aus der Immobilienfinanzierung verursachten von 2009 bis 2011 einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro. Dazu kämen Kosten von 1,5 Milliarden Euro für die Hilfen des Bundes. "Wir gehen weiterhin nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren können", sagte Wieandt.

Die meisten HRE-Aktionäre hatten schon im Frühjahr das freiwillige Übernahmeangebot des Bankenrettungsfonds Soffin angenommen und 1,39 Euro je Aktie erhalten. Zu den verbliebenen Aktionären gehört der US-Investor Christopher Flowers. Er hatte im Sommer 2008 für eine Milliarde Euro ein Viertel der HRE-Anteile gekauft und würde jetzt noch rund 40 Millionen Euro bekommen. Ohne die staatlichen Finanzspritzen wäre die HRE allerdings schon längst Pleite.

Brüssel drängt auf deutlichere Schrumpfung

Unterdessen stört sich die EU-Kommission an der geplanten Aufspaltung der HRE. "Die Verhandlungen über den vorgelegten Umstrukturierungsplan und die Auflagen für die staatlichen Beihilfen verlaufen mit der EU wenig konstruktiv", heißt einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge im Umfeld der Bank. Ein Sprecher der HRE wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf das laufende Verfahren der EU-Prüfung.

Die EU-Kommission verlange, dass nach der Aufspaltung die gute Kernbank weitere Verkäufe tätige und beispielsweise auch gute Teile der irischen Depfa abstoße, heißt es in dem Bericht. Die Unternehmensleitung halte jedoch eine Bilanzsumme zwischen 170 Milliarden und 200 Milliarden Euro nach der Sanierung für notwendig, um die Refinanzierung maßgeblich auf Pfandbriefe stützen zu können.

Für Brüssel ist das jedoch zu wenig. Als Kompensation für erhaltene staatliche Beihilfen verlange die EU von Banken wie der WestLB üblicherweise eine Reduktion der Bilanzsumme um 30 bis 50 Prozent, schreibt die Zeitung weiter. Nicht zuletzt dafür habe die Bundesregierung das Instrument der Bad Bank geschaffen. Nun aber scheine sich am Beispiel der HRE zu zeigen, dass die EU-Kommission die Auflage zur Bilanzschrumpfung über Bad Banks nicht als erfüllt ansieht.

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(sueddeutsche.de/AP/ddp-bay/tob/pak)