Nur mit Ach und Krach bestätigt: Für Fed-Chef Bernanke beginnt die zweite Amtszeit stürmisch. Sie wird ein Balanceakt bleiben.
Am Ende waren alle erleichtert. Nach europäischer Zeit am späten Donnerstagabend bestätigte der Senat mit der komfortablen Mehrheit von 70 zu 30 Stimmen Ben Bernanke für eine zweite Amtszeit als Präsident der Notenbank Federal Reserve.
Schüchtern aber intelligent: Fed-Chef Ben Bernanke. (© Foto: Reuters)
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In seinem Glückwunsch lobte Präsident Barack Obama die "Weisheit und die Führungsqualitäten" Bernankes. Der Kurs des Dollars stieg, die Aktienkurse an der Wall Street erholten sich und das Gold wurde billiger - alles Indizien des Vertrauens. In der wichtigsten Notenbank der Welt stehen die Zeichen auf Kontinuität, und das ist nach der Krise allemal Anlass zur Erleichterung.
Man kann die Dinge aber auch aus einer anderen Perspektive sehen. Ben Bernanke wurde mit dem schlechtesten Ergebnis in der 97-jährigen Geschichte der Federal Reserve bestätigt. Ähnlich umstritten war lediglich der legendäre Paul Volcker im Jahr 1983, und der bekam immerhin noch 84 Stimmen. In seiner eigenen Partei, den Republikanern, ist Bernankes Mehrheit mit 22 zu 18 Stimmen sogar noch knapper.
Verbindender Zorn auf Wall Street
Die Tatsache, dass der Chef der Federal Reserve auf so viel Opposition im eigenen Land stößt, wird in den kommenden vier Jahren Konsequenzen haben, man weiß nur noch nicht welche: Wird er politischem Druck nachgeben und ein schwacher Fed-Chef werden? Oder wird er im Gegenteil in Rechnung stellen, dass Unabhängigkeit sein wichtigstes Kapital ist und deshalb die Zinsen noch etwas früher erhöhen als notwendig? Im einen Fall würde er Inflation riskieren, im zweiten den Rückfall in eine neue Rezession.
Um was es geht, lässt sich am besten anhand der Äußerungen von Bernanke-Gegnern zeigen. "Unser nächster Fed-Chef muss einen sauberen Bruch mit der gescheiterten Politik der Vergangenheit repräsentieren," erklärte zum Beispiel die linke demokratische Senatorin Barbara Boxer aus Kalifornien kurz vor der Abstimmung. "Es wird Zeit, dass Main Street einen Fürsprecher in der Fed bekommt."
"Main Street", wörtlich: "Hauptstraße", ist das Synonym für das einfache, durchschnittliche Amerika. Wo deutsche Politiker von "Normalbürgern" oder von den "Menschen draußen im Lande" sprechen, da führen ihre amerikanischen Kollegen "Main Street" an.
"Main Street" steht immer im Gegensatz zu Wall Street und zur Regierung in Washington. Der Zorn auf die Wall Street eint linke Demokraten und rechte Republikaner. Ben Bernanke symbolisiert Washington ebenso wie Wall Street und ist daher der ideale Blitzableiter für den derzeit grassierenden Volkszorn. Dies erklärt zum Teil das Abstimmungsergebnis vom Donnerstag.
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