Ein Maler-Paar kann nicht mit weißen Wänden leben und hängt deshalb im großen Format einfarbige Bilder auf: Trivial, meckern die einen. Gelungen, finden die anderen.
Ursula E. und Martin Benad haben sich auf Farbgestaltung spezialisiert und Bücher geschrieben wie "Illusionsmalerei heute" oder "Himmel und Meer". Ihr frischestes Werk heißt "Farbe mobil" und zeigt, wie ein Raum mit großen Farbbildern ein neues Gesicht bekommt.
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sueddeutsche.de: Was ist so schlimm an einer weißen Wand?
Martin Benad: Eine weiße Wand blendet das Auge und erzeugt graue Nachbilder. Zugleich wird das Sehvermögen permanent unterfordert. Das ist als würden Sie jeden Tag Weißbrot essen: langweilig. Farbkontraste regen dagegen das Auge an und somit auch den Menschen.
sueddeutsche.de: Aber dann kann man doch gleich die ganze Wand farbig anstreichen?
Martin Benad: Natürlich, aber wenn man zum Beispiel umzieht, ist die ganze Arbeit verloren und man muss in der neuen Wohnung wieder von vorn anfangen. Wenn Sie aber statt dessen "Farbe mobil" aufhängen, können sie damit problemlos hin- und herziehen.
sueddeutsche.de: Farbe mobil? Meinen Sie damit die großen farbigen Objekte?
Martin Benad: Meine Frau und ich haben diesen Begriff für diese Art Farbgestaltung gefunden. Er bedeutet: Farbe in einen Raum hineintragen, um dort zu wirken. Wenn der Bewohner eine andere Wirkung wünscht, kann er es einfach abhängen und raustragen.
sueddeutsche.de: Aber Fotografien, Aquarelle oder Gemälde beleben die Wand doch auch und können ganz einfach ausgetauscht werden.
Martin Benad: Impressionen von Monet oder Grafiken von Beuys sind natürlich sehr schön - aber nur dort, wo sie passen. In einem langen Gang zum Beispiel werden sie im Vorbeigehen eher beiläufig registriert und entfalten ihre Wirkung kaum. Will man aber aus dem Raum das Beste herausholen, ist Farbe großflächig notwendig. Farbe braucht also Platz und den räumen wir ihr ein.
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