Sollte die EZB die Rolle einer Ratingagentur übernehmen und selbst Noten für die Kreditwürdigkeit der Euro-Mitglieder vergeben? Diese Vorstellung ist absurd.
Endlich versucht jemand, die Macht der Ratingagenturen zu brechen. Er heißt Ewald Nowotny, ist Präsident der Österreichischen Notenbank sowie Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB).
Wie glaubwürdig wäre eine gute EZB-Note für Griechenland vor dem Hintergrund, dass ein Kollaps des Landes den Euro zerrütten würde? (© Foto: dpa)
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Seine Idee: Die EZB bewertet selbst die Kreditwürdigkeit von Staaten und verringert so den Einfluss der drei weltweit dominierenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch. Es sei unerträglich, dass, wie jetzt in Griechenland, das Schicksal ganz Europas in der Hand einer Ratingagentur liege.
Da möchte man spontan applaudieren, hatten doch die Ratingagenturen schon die Risiken amerikanischer Ramschhypotheken unterschätzt und so zu der Finanzkrise beigetragen.
Doch eine solche Analyse greift zu kurz. Schließlich hat die EZB selbst Europas Schicksal in die Hand der Bonitätswächter gelegt. Aus freien Stücken entschied die Notenbank, nur solchen Ländern Geld zu geben, die als Sicherheit Staatsanleihen mit dem Gütesiegel mindestens einer Ratingagentur bieten.
Man kann argumentieren, die EZB habe keine Wahl, weil es derzeit kein anderes Maß für die Bonität eines Landes gibt. Doch zu folgern, die EZB sollte besser selbst die Noten verteilen, ist falsch.
Die Notenbank ist in dieser Frage alles andere als unabhängig. Wie glaubwürdig wäre eine gute EZB-Note für Griechenland vor dem Hintergrund, dass ein Kollaps des Landes den Euro zerrütten würde, den zu schützen der Auftrag der Zentralbank ist? Der große Einfluss der Ratingagenturen ist problematisch, weil Noten den Herdentrieb der Anleger verstärken können.
Mehr Wettbewerb wäre wünschenswert. Ihnen ausgerechnet die EZB als Konkurrenten zur Seite zu stellen, wäre ein Irrweg.
(SZ vom 04.03.2010/hgn)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Leider folgt der Kommentar dem Grundsatz, "if you don`t know facts state principles". Wenn dem so ist, bleibt nur die Frage, was denn die facts sind. Hier hilft der Blick ins Gesetz: Dort steht, daß derjenige, der Kredit gibt, vorher die Bonität seines Schuldners zu prüfen hat. Unzweifelhaft betreibt die EZB in unterschiedlichen Formen das Kreditgeschäft. De facto hat die EZB aber die Beurteilung von Kreditnehmern -und das ist ureigenste Kompetenz im Bankgeschäft- an die Rating-Agenturen übertragen. Leider gibt es noch nicht einmal einen Vertrag zwischen EZB und Rating-Agenturen. Da die EZB als stillschweigender Out-Sourcer keinen Cent für die Leistung der Rating-Agenturen bezahlt, verfügt sie natürlich über keine Kontrollrechte für die Qualität des Ratings. Was aber der EZB Recht ist, kann dann den Banken nicht verwehrt werden, folglich können auch diese Ratings für ihr Krediturteil übnernehmen. So effizient dieses Out-Sourcing auch immer ist, es fehlt an der Verantwortlichkeit. Leider haben dieses grundlegende Versäumnis Notenbanken und Aufseher organisiert. Folglich ist zuerst die Verantwortung von Notenbanken und Aufsehern zu bestimmen und danach sind die Vor- und Nachteile des vertragslosen Auslagerns von Kern-Kompetenzen -hier an Rating-Agenturen- zu beurteilen.
Leider führen Sie, Herr Hesse, keine sachlichem Begründungen an, weshalb nicht eine europäische Institution das "Rating" übernehmen soll. Die notwendige Unabhängigkeit? Die kann man sehr wohl schaffen - wenn man es will. Und Europa wäre dazu in der Lage! Man will es aber eben nicht.
Mit dem derzeitigen System überlässt man den Amerikaner die finianzielle Macht. Wäre die Erde ein großes Unternehmen, dann hätten die Rating-Unternehmen die Aufgabe der "Controller". Als "CEO" würden sich die US-Amerikaner betrachten. Nun haben die amerikanischen Rating-Agenturen eindrucksvoll ihre völlige Unfähigkeit bewiesen. In einem Unternehmen würde dies die sofortige Kündigung nach sich ziehen.
Europa sollte sich die Freiheit nehmen, über eigene Belange selbst zu richten und zu bestimmen. Eine entsprechende europäische Ratingstelle wäre ein guter Schritt!