Experten Rentenerhöhung fällt niedriger aus als erwartet

  • Wegen einer Korrektur der Beschäftigenstatistik müssen sich die 20 Millionen Rentner in Deutschland 2015 mit einer deutlich niedrigeren Rentenerhöhung begnügen.
  • Experten rechnen damit, dass durch diesen statistischen Einmaleffekt der Aufschlag bei den Renten um etwa einen Prozentpunkt niedriger ausfallen wird.
  • 2016 wird die Rentenerhöhung entsprechend höher ausfallen.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Die 20 Millionen Rentner in Deutschland müssen sich 2015 mit einer deutlich niedrigeren Rentenerhöhung begnügen als zunächst erwartet. Dies ist auf eine Korrektur der Beschäftigtenstatistik zurückzuführen, die wiederum die Höhe der Rentenanpassung beeinflusst.

Rentenexperten rechnen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung damit, dass durch diesen statistischen Einmaleffekt der Aufschlag bei den Renten im nächsten Jahr um etwa einen Prozentpunkt niedriger ausfallen wird. Angenommen die Rentenerhöhung würde im Westen und Osten zwei Prozent betragen, käme nur ein Aufschlag von einem Prozent heraus. Bei einer Rente von 1000 Euro würde das Plus also statt 20 Euro nur zehn Euro betragen. Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums versicherte aber, dass angesichts der derzeit niedrigen Inflation noch eine "reale Erhöhung" herausspringen wird. Die Kaufkraft der Rentner würde damit also noch steigen.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte weitgehend unbemerkt zum 30. Juni 2013 drei große Gruppen in die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten neu aufgenommen. Dazu zählen knapp 300 000 Menschen mit einer Behinderung, die zum Beispiel in Werkstätten arbeiten. Hinzu kommen mehr als 30 000 Personen, die in Einrichtungen der Jugendhilfe oder etwa Berufsbildungswerken beschäftigt sind, sowie knapp 80.000 meist junge Leute, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten. Dabei handelt es sich überwiegend um Beschäftigte aus dem Niedriglohnbereich - und das schlägt sich in der nächsten und übernächsten Rentenanpassung nieder.

Folgen für die Rentenkasse

Wie kräftig eine Rentenerhöhung ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Löhne und Gehälter pro Arbeitnehmer nach den sogenannten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR-Löhne) im Vergleich zum Vorjahr verändert haben. Den Ausschlag für 2015 gibt dabei der Vergleich der Einkommen von 2014 zu 2013. Da 2014 diese Geringverdiener neu in der Statistik hinzukommen, verringert dies den Lohnfaktor in der Rentenformel, was sich im Geldbeutel der 20 Millionen Ruheständler zunächst negativ bemerkbar macht. 2016 kehrt sich dies jedoch um. Die Rentenerhöhung wird dann entsprechend höher ausfallen, so dass unterm Strich die Rentner durch die statistischen Einmaleffekte nach den zwei Jahren weder besser noch schlechter gestellt sind.

Das Ganze hat aber auch Folgen für die Rentenkasse: Muss die Rentenversicherung wegen der weniger kräftigen Rentenerhöhung weniger Geld ausgeben, ließe sich der Beitragssatz 2015 stärker senken, während 2016 die Ausgaben spürbar steigen. Der DGB fürchtet deshalb, dass die Bundesregierung den Beitrag 2015 zu tief ansetzt und ihn womöglich 2018 schon wieder deutlich anheben muss.