Um die Mehrzahl der europäischen Banken steht es schlecht - und drei Jahre nach dem spektakulären Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers ist die quälende Frage wieder da: Müssen strauchelnde Banken vom Staat gerettet werden? Tatsache ist, dass die Wirtschaft längst nicht alle Banken braucht, die es gibt.
Die Börse lässt es ahnen: Um die Mehrzahl der europäischen Banken steht es schlecht. Um einige Finanzhäuser steht es sogar so schlecht, dass die Aktionäre offenkundig jede Hoffnung haben fahren lassen, dass die Unternehmen jemals wieder gesunden. Das gilt leider auch für die Commerzbank, aber beileibe nicht für sie allein.
Bild vergrößern
Die Frankfurter Skyline - rechts der Commerzbank Tower: Um die Mehrzahl der europäischen Banken steht es schlecht - das gilt auch für die Commerzbank, aber beileibe nicht für sie allein. (© REUTERS)
Anzeige
Drei Jahre nach dem spektakulären Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers ist sie wieder da, die quälende Frage: Müssen strauchelnde Banken vom Staat gerettet werden? Oder sollten die Regierungen im Fall der Fälle Problembanken nicht besser pleitegehen lassen?
Das argumentative Feld ist unübersichtlich zwischen Populisten und Verniedlichern. Die Demonstranten vor den Geldhäusern sehen in der Macht der Banker die Wurzel allen Übels, von der sozialen Ungerechtigkeit bis zur Euro-Krise. Sie würden sie lieber heute als morgen abschaffen. So mancher Lobbyist hält die schlingernden Geldinstitute dagegen vor allem für Opfer politischer Fehlentscheidungen und warnt for den konjunkturellen Folgen einer Kreditklemme, die sich einstellt, wenn die Banken ihren Job nicht mehr erfüllen.
Wer genau hinschaut, erkennt aber schnell: Das Bankensystem ist längst zur Last geworden für die sogenannte Realwirtschaft, also die vielen Unternehmer und Privatleute, die investieren und sparen wollen. Viele Kreditinstitute erfüllen längst nicht mehr ihre ureigene Aufgabe, nämlich die Unternehmen zu finanzieren und so die Wirtschaft am Laufen zu halten. Und das hat einen einfachen Grund: Es ist für sie nicht mehr profitabel, weil sich ihre Kunden - insbesondere große Unternehmen - inzwischen am Kapitalmarkt günstiger Geld beschaffen können als die Banken selbst, denen Anleger nur noch Geld leihen, wenn sie dafür solide Sicherheiten bekommen. Zudem leidet das traditionelle Brot-und-Butter-Geschäft der Banken unter dem gewaltigen Kostenapparat, den viele Institute aufgebaut haben.
Bitte auf eigenes Risiko
Als Ausweg aus der Zwickmühle haben etliche Häuser das Investmentbanking entdeckt - inklusive Eigenhandel. Hier locken hohe Erträge, aber auch gewaltige Risiken. Berüchtigstes Beispiel sind die deutschen Landesbanken: Statt die regionale Wirtschaft zu fördern, haben sie sich in Spekulationsgeschäfte gestürzt. Die Gewinne hätten sie gern behalten. Die gigantischen Verluste, die tatsächlich aufliefen, haben die Banker dagegen weitergereicht an den Staat. Letztlich musste der Steuerzahler haften, als die Wette auf Subprime-Kredite für einkommensschwache Amerikaner, die sich ein Eigenheim leisten wollten, gründlich schief ging.
Die Altlasten sind längst noch nicht entsorgt, da kommen schon neue Belastungen hinzu. Auf griechische Staatsanleihen wurden Abschreibungen notwendig, dabei sind die maroden Investments in Gewerbeimmobilien und strukturierte Wertpapiere noch nicht vollständig verarbeitet. Längst sind auch andere Staatsanleihen ins Rutschen gekommen. Obendrein trübt die schwache Konjunktur die Ertragsaussichten. Die Politik fordert deshalb mehr Eigenkapital, damit sich die Banken selbst vor einer möglichen Pleite bewahren. Doch die Anleger werden sich weigern, allen Banken die nötigen Extra-Milliarden zuzuschanzen.
Warum aber sollte der Staat Geldhäuser auffangen, denen der Markt keine Chance mehr gibt? Die Regierungen sollten sich weigern, notleidende Banken und damit ihre Aktionäre und Kreditgeber aufzufangen. Wer es nicht aus eigener Kraft schafft, wird verstaatlicht. Die Banker müssen die Risiken ihrer Geschäfte endlich wieder selbst tragen. Dann haben sich Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent und mehr bald erledigt. Und das Bankensystem schrumpft auf eine Größe, die der Realwirtschaft angemessen ist. Wer spekulieren will, darf dies tun, aber bitte auf eigenes Risiko.
Sport-Scheck-Chef Stefan Herzog über die EM, neue Geschäfte und den Gesellschafter Otto. Wirtschaft Jetzt lesen ...
- Kreditinstitute in Bedrängnis Furcht um die Commerzbank 23.11.2011
- Sorge um Kreditinstitute Aktien der Commerzbank brechen dramatisch ein 22.11.2011
- Räumungsverkauf bei der Commerzbank Alles, nur keine Staatshilfe 04.11.2011
- Gipfelbeschlüsse Wie die G20 den Finanzsektor reformieren wollen 04.11.2011
- Gipfel in Cannes G20 wollen Finanzsystem umbauen 04.11.2011
- Konzertierte Aktion zur Stützung des Euro Notenbanken fluten Finanzmärkte mit Milliarden 30.11.2011
- Neue Kritierien bei Standard & Poor's Rating-Riese stuft 15 Großbanken herab 30.11.2011
(SZ vom 24.11.2011/aho)
Bürgerbeteiligung im Internet
teilweise völlig abgehoben, priviligierte Beitragseintreibung, Leistungsverweigernd, überbezahlt.
Intransparente Beitragsverwendung.
In beiden Bereichen werden mit Sicherheit tiefschneidende
Umstrukturierungen erforderlich.
Die wertschöpfende Wirtschaft Deutschlands arbeitet nach dem Leistungsprinzip.
Leistung gegen Bezahlung.
wenn sich nun Strukturen innerhalb z.B. Banken,Versicherungen,Krankenkassen gebildet haben bei denen
ob üppiger Einnahmen das Prinzip dahin entgleist,
das unterstellt wird :
"Bezahlung ja, aber keine Leistung mehr" , läuft dann nicht etwas
ganz daneben ?
Müssen dann nicht mittelständische Firmenorganisationen wieder Ordnung einklagen ?
Gerade die Beitrags-bezahlten Handels- und Handwerkskammern müssten hier Musterklagen im Sinnen des heute wichtiger denn je werdenden Mittelstandes einklagen.
Die einzelnen Betriebe haben dafür keine Zeit, wir müssen arbeiten.
Ergebnis würde mit Sicherheit zur Schließung etliche Institute
führen.
Eine OECD Tabelle (Nachdenkseiten) zeigt, daß die Staatsschulden erst durch die Bankenrettung und die Krise seit 2007 stark angestiegen sind. Die Staatsschuldenkrise ist nur die verschobene Bankenkrise. Mit den Staatsschulden sind die Gelder der Reichen statt über Steuern durch Schuldverschreibungen einem gemeinützigen Zweck zugeführt worden. Das ist gut so. Jetzt müsste der zweite Schritt kommen. Verstaatlichung der Staatsanleihen.
...Frau Catherine Hoffmann vielleicht auch einige ihrer "berüchtigten Beispiele" der Landesbanken aufzählen, denen bei der Finanzkrise geholfen werden musste?
Meines Wissens rangierten die Hilfen an die Landesbanken im einstelligen Milliarden-Bereich, während z. B. die Hilfen der damals privaten Commerzbank knapp an die 20 Mrd reichte und die Hilfe an die damals ebenfalls private HRE knapp unter 200 Mrd rangierte.
Das würde ich berüchtigt nennen.
Wobei z. B. die Sachsen LB zwar wegen Hypothekenkrediten in die Bredouille kam, aber nicht wegen den _berüchtigten_ Sub-Primes aus Amerika, sonder weil der ganze Hypothekenmarkt wegen den Sub-Primes ins Rutschen kam.
Ich meine, es wäre für Deutschlands Zukunft schon viel gewonnen, wenn die Journalisten, die über die bemängelten Bänker berichten, redlich versuchen würden, es besser zu machen als diese, und es unterlassen würden, abgeschmackt neoliberale Anti-Landesbanken-Propaganda, die an Fehlinformation grenzt, zu verbreiten.
Ohne den Steuermann, der sich an die steuerbegünstigten Reichen heranmacht, wird die Eurokrise nicht zu lösen sein
Allein reiche griechische Privatleute sollen nach einem Bericht des Handelsblatts unter Berufung auf schweizer und griechische Finanzkreise 560 Milliarden Euro auf ausländischen Konten gebunkert haben, fast doppelt so viel wie die gesamte griechische Staatsschuld. In vornehmen Vierteln von London reißen sich reiche Griechen derzeit Luxusimmobilien ohne große Prüfung und außerhalb der Sichtweite griechischer und zudem oft korrupter Steuerbeamter unter die Nägel. In Berlin soll es nicht viel anders sein. Wenn einfache Griechen gegen die Sparpläne protestierend auf die Straße geben, haben sie vor allem diese schreiende Ungerechtigkeit vor Augen, die auch mit den Luxusjachten in Piräus ständig zur Schau gestellt wird.
In ganz Europa lebten 2010 nach Berechnungen der US-Investmentbank Merrill Lynch im Weltreichtumsbericht von 2011 mehr als 3,1 Millionen Millionäre mit einem investierbaren Vermögen von jeweils mehr als 1 Mio US$ (nicht gerechnet Wohnimmobilie, Sammlerstücke, kurz- und langfristige Verbrauchsgüter). Der Gesamtwert dieser so definierten Vermögen belief sich auf 10,2 Billionen US$, im Durchschnitt also 3,3 Millionen pro Kopf dieser Personengruppe. Die 10,2 Billionen US$ sind weit mehr als das Doppelte der zusammengerechneten Staatsschuld aller fünf Eurokrisenländer im Gegenwert von 4,2 Billionen US$.
In Deutschland stieg die Zahl solcher Millionäre in nur 5 Jahren von 2005 bis 2010 um etwas mehr als 20 % auf fast 1 Million. Die Liste der extremreichen Einzelpersonen oder Familien mit einem Vermögen von mindestens einer Milliarde Euro ist trotz Wirtschaftsflaute 2010 auf 103 weiter angestiegen, der Wert der 100 größten deutschen Vermögen auf 287 Milliarden Euro und der Top 500 auf 455 Milliarden Euro. Das entspricht 70 % des Jahresnettoarbeitsentgelts aller deutschen Arbeitnehmer( siehe auch jjahnke.net).
und dann haben wir wieder 2008 und es gibt wieder "alternativlos" Rettungsaktionen. Der Auslöser, nicht der Grund, der Krise von 2008 war dass die US Regierung die systemrelevante Lehman Bank pleite gehen lies.
Wenn man erst den Karren soweit in den Dreck gefahren hat wie Merkel/Schröder, unter deren beider Ägide der entfesselte Raubtierkapitalismus bei uns fällt, dann kann man es nicht mehr mit "dann lasst Sie über die Planke gehen" lösen.
Erstmal verstaatlichen, denn pleite, also wertlos sind sie ja schon. Dann zerschlagen, so könnte eine ordoliberale Lösung aussehen.
Paging