Am Donnerstag dürfte die EZB den Leitzins erneut senken. Andere Maßnahmen gegen die Krise kommen aus Frankfurt jedoch nicht - andere Notenbanken sind da kreativer.
Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte diesen Donnerstag die Leitzinsen noch einmal leicht um 0,25 Prozentpunkte senken und das dann erreichte tiefste Niveau von einem Prozent über einen längeren Zeitraum halten. Das erwarten die meisten professionellen Beobachter und sehen sich darin durch Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bestärkt. Der gab im Vorfeld das erhoffte Signal und redete von einer maßvollen Lockerung.
Die Europäische Zentralbank könnte am Donnerstag erneut den Leitzins senken - weitere Maßnahmen plant die Notenbank nicht. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Banken leihen sich zu den Leitzinsen über einen Zeitraum von einer Woche bis zu drei Monaten Geld und hinterlegen dafür Wertpapiere. Weil sie sich gegenseitig nicht trauen, untereinander zu wenig Geld leihen, dürfen sie seit dem Ausbruch der Finanzkrise bei der Notenbank aus dem Vollen schöpfen. Sie können beinahe jedes Wertpapier beleihen und soviel Geld ziehen, wie sie wollen. Sie nehmen das Geld zum überwiegenden Teil über längere Laufzeiten und zum Teil in anderen Währungen.
Die US-Zentralbank Fed, die Bank von England, die Schweizer Notenbank oder die Bank von Japan gehen längst weiter. Sie senkten ihre Leitzinsen auf Null und nehmen Wertpapiere nicht nur als Leihgabe sondern kaufen diese direkt am Markt. Mit den Wertpapieren kaufen sie sich Risiken ein, blähen ihre Bilanzen auf, treten in direktem Wettbewerb zu Banken und können eine Art Schattenhaushalt bilden. In normalen Zeiten sind solche Notenbank-Maßnahmen tabu. In der Krise aber können unkonventionelle Mittel den Kreislauf des Geldes und die Wirtschaft in Gang halten.
Mehr Planungssicherheit
Die EZB-Führung zögerte bisher, den drastischen Maßnahmen ihrer Konkurrenten zu folgen. Ihre konservativen Geldpolitiker glauben, die Steuerung der Geldleihe über Zinsen dürfe nicht völlig zum Erliegen kommen. Auch Banken und Versicherungen scheinen vom völligen Wegfall von Zinsen nicht durchweg begeistert. Denn die Produkte von Versicherungen und Geldmarktfonds sind an Garantiezinsen gebunden.
Am leichtesten könnte die Notenbank die Laufzeiten ihrer Leihgeschäfte mit den Banken verlängern und Wertpapiere ein Jahr lang gegen niedrigste Zinsen in Verwahrung nehmen. Das würde Banken und Sparkassen mehr Planungssicherheit verschaffen. Feste Zinsen über einen längeren Zeitraum schaffen schneller eine Vertrauensbasis für Kreditgeschäfte. Der Aufbau eines solchen Vertrauens ist dringend nötig, denn noch immer legen etliche Kreditinstitute ihr überschüssiges Geld lieber bei der Zentralbank zu minimalen Zinsen an, als es einem Konkurrenten zu geben. Wenn der Geldhandel der Banken untereinander wieder klappt, so die Hoffnung der Notenbank, ist eine Etappe in der Überwindung der Finanzkrise zurückgelegt.
Nicht in Frage kommt für die EZB der Kauf von Staatsanleihen. In einer Währungsunion mit 16 Mitgliedern wirft dies viele Fragen auf und wäre nur in enger Absprache mit den Regierungen denkbar. Über einen Kauf von Unternehmensanleihen oder mit anderen Sicherheiten unterfütterten Papieren - den so genannten Asset Backed Securities - gingen die Meinungen innerhalb der EZB zuletzt auseinander.
- US-Wirtschaft Fed sieht Hoffnungsschimmer 30.04.2009
- Trichet im Gespräch "Das Finanzsystem erscheint mangelhaft" 29.04.2009
- Notenbanken Die Machtlosen 20.03.2009
- Geldpolitik Wer hat Angst vor der Inflation? 20.03.2009
- Geld kompakt "Der Dollar wird geschlachtet" 19.03.2009
(SZ vom 05.05.2009/tob)
Christopher Lee zum 90.
"Andere Notenbanken sind da kreativer".
Sehr geehrte Frau Einecke,
ich würde Ihnen mal empfehlen, einen Blick in das EZB-Statut ("Zentralbank-Grundgesetz") zu werfen. Dort ist ganz eindeutig festgelegt, dass die Zentralbank vor allem die Stabilität des Preisniveaus zu gewährleisten hat. Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen (Unterstützung der Wirtschaftspolitik in der EU etc.) sind hierbei nachrangige Ziele (auch wenn "Speedy Gonzales" Sarkozy und Konsorten das anders sehen).
Die Aufblähung der volkswirtschaftlichen Geldmenge durch die Geldpolitik der Fed wird m.E. nächstes Jahr zu einer Steigerung der Inflation führen. Dies ist aufgrund der langfristig gültigen Quantitätstheorie meiner Meinung nach unausweichlich. Hätte die EZB die Zinssenkungsorgien der Fed mitgemacht, wäre sie nächstes Jahr zu massiven Zinsanpassungen nach oben gezwungen. Die EZB hat sich hingegen für Kontinuität entschieden. Und das ist gut so!