Waterloo, Verdun, Stalingrad - und jetzt Brüssel: Um den Euro zu retten und die Spekulanten zu zähmen, haben die Staats- und Regierungschefs der EU binnen Stunden Beschlüsse gefasst, die in vielen Jahren nicht vorstellbar gewesen waren. Es ist eine Revolution.
Die großen europäischen Schlachten aus der Zeit der napoleonischen Kriege bis hin zu den Gemetzeln des 20. Jahrhunderts sind in vielen Ortsmarken verewigt: Jena und Auerstedt, Waterloo, Verdun, Stalingrad. Brüssel fehlt in der Liste, obwohl nach dem Verständnis der dort am Freitag versammelten Staats- und Regierungschefs durchaus eine der dramatischsten Auseinandersetzungen um den Frieden und den politischen Bestand des modernen Europas ausgetragen wurde - wenn auch nicht mit Waffengewalt.
Das zarte Band der Währungsunion wurde umschlossen von eisernen Ringen. Aber die Plötzlichkeit der Entscheidung und die Dramatik des Augenblicks haben es nicht erlaubt, dass über Festigkeit und Zusammensetzung dieser neuen Gürtung ausreichend nachgedacht wurde. (© Foto: dpa)
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Die Angriffswaffen der globalisierten Welt sind die vernetzten Computer der Devisenhändler und Finanzbroker. Sie können Volkswirtschaften in den Ruin treiben, Währungen erschüttern, Inflation oder Bankrott auslösen.
Europa geriet vergangene Woche ins Visier dieser unsichtbaren Mächte. Eine Hysterie kündigte sich an, sie kann den Volkswirtschaften hoch überschuldeter Euro-Länder schweren Schaden zufügen und den Euro so weit zerstören, dass nur noch wenige Staaten mit einem halbwegs intakten volkswirtschaftlichen Kern eine Gemeinschaft mit ein und derselben Währung hätten bilden können. Die Gemeinsamkeit der europäischen Nationen ist bedroht, die politische Union kann schweren Schaden nehmen.
Die Staats- und Regierungschefs erlagen also keinem hysterischen Anfall, als sie binnen Stunden Beschlüsse fassten, die in vielen Jahren mühsamer Vertragsverhandlungen nicht vorstellbar gewesen wären. Europa wird an diesem Montag verändert sein, und die Bürger werden es möglicherweise nicht merken, aber die Schlacht von Brüssel hat die Gemeinschaft revolutioniert. Das zarte Band der Währungsunion wurde umschlossen von eisernen Ringen. Aber die Plötzlichkeit und die Dramatik der Entscheidung haben es nicht erlaubt, dass über Festigkeit und Zusammensetzung dieser neuen Gürtung ausreichend nachgedacht wurde.
Drei Schlingen sind es, die Europa und seine Währung nun zusätzlich zusammenhalten sollen: Die Kommission darf wegen außergewöhnlicher Bedrohungen der Union Geld aufnehmen. Zweitens wird die Europäische Zentralbank stärker in die Märkte eingreifen und wohl Schuldverschreibungen kaufen. Damit wird sie abhängiger von den Regierungen agieren. Und drittens werden einzelne Staaten, vor allem Deutschland, eine gewaltige Summe im Notfall bereitstellen, um das Gemeinschaftswerk Europa zu stützen. All das wird garniert mit einem Folterkatalog, der für mehr Stabilität, Disziplin und Transparenz in Europa und für mehr Kontrolle bei den Kriegstreibern am Computerbildschirm sorgen soll. Alles gut also am Ende?
Noch lange nicht, denn die Konstruktion ist instabil, die Begleiterscheinungen bei der hastigen Zusammensetzung des Abwehrschildes und die atemraubenden Summen geben Grund zur Besorgnis. Es war wieder einmal der französische Präsident, der mit untrüglichem Machtinstinkt den historischen Augenblick erfasste und sich als Anführer im Getümmel zu stilisieren verstand.
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Bruce Springsteen in Frankfurt
Das Grundübel ist nicht der Zinseszinseffekt. Denn wer eine normale Ausgabenpolitik betreibt und nicht Zinsen grundsätzlich mit neuen Schulden zurückzahlt, kann damit leben.
Das Punkt ist erst einmal, dass sich bei einer konstanten Geldmenge das Kapitel beim Kreditgeber sammelt. Das ist solange nicht schlimm, wie das Geld wieder dem Kreislauf zugeführt wird, also der Kreditgeber gibt seine Zinsen wieder aus. Erst, wenn das nicht mehr geschieht, weil der Kreditgeber soviel Zinsen einnimmt, dass er sie nie und nimmer ausgeben kann, wird es kritisch.
Und dann rechnen Sie den 6 Billionen Euro Geldvermögen mal alle Schulden, nicht nur die Staatsschulden, dagegen. Da kommen Sie auf eine schöne Zahl: Null. Mit anderen Worten: das Geld hat keinen Wert, bis auf den einen Cent Materialwert des Scheines.
Denn jeder Euro (Haben), den wir alle in unserer Tasche tragen, ist irgendwo durch einen Euro (Soll) gegenfinanziert.
Die wahre Vermögen haben also nicht die, die Geld auf dem Konto, in Lebensversicherungen oder sonstwo haben, sondern die, die entsprechende Dinge besitzen: Grund, Unternehmen usw.
Nein, der gute Sylvio bietet auch Ihnen kein Seelenheil, er bietet Ihnen maximal ein totalitäres System, in dem die Arbeitskraft noch viel massiver ausgebeutet werden wird als bislang.
führen zur exponentialen Kurve. Daraus folgt Wachstumszwang, Ausbeutung, Raubbau......
Dagegen hilft nur "wegsteuern". So wie ohne Hemmung der Ertrag der eigenen Arbeit weggesteuert wird, muss auch der Ertrag aus Kapital so weggesteuert werden, dass wir nicht mehr in Verhältnisse wie derzeit geraden.
Davor aber steht das Problem: 500 Billionen Spekulationsdollar in den Händen weniger. Und täglich wächst dieser Berg und damit auch die weltweite Staatsverschuldung. 12 Billionen die USA, 8 Billionen Japan und und und.
Wir werden also um eine Abwertung des weltweiten Geldvermögens 10 : 1 nicht herumkommen. Hoffentlich ohne Krieg und Aufstände.
WAS war das nicht? Nicht vorhersehbar?
Ich wiederhole meine Aussage:
Ihr Weltbild beläuft sich auf 21 Zoll in der diagonalen. Mehr nicht.
Nochmals: Eine solche Aussage ist für den Verfasser dieses Artikels (? haben Sie diesen Artikel selbst verfasst ?)
eine völlige Disqualifikation.
WIE können Sie allen Ernstes behaupten, daß dieses Szenario nicht vorhersehbar war?
Herr Kornelius, mir sind bereits seit dem Jahre 2000 derlei mit Fug und Recht befürchtete Szenarien bekannt.
Robert Shiller hat hierzu einige bemerkenswerte Aufsätze geschrieben - das Googeln überlasse ich Ihnen selbst.
Auch Prof. Flassbeck ist von ähnlichem analytischen Kaliber - es gibt durchaus hervorragende Leute, die sich durch klare Analysen
hervortun.
Im übrigen gibt es auch echte Lösungen - wie z. B. das sogenannte Bandbreitenmodell(.de)
Aber damit beschäftigt sich der hochverehrte Artikel-Verfasser ja wohl nicht, es mag ihm wohl sinnvoller erscheinen, kritische Leserstimmen entfernen zu lassen.
Eine abschliessende Frage sei mir noch erlaubt:
Wo waren Sie in den letzten Jahren? Dauerurlaub auf einer abgeschiedenen Insel ohne TV, Radio, Fax, Post, Handy und Internet?
Möchte sich die SZ denn wirklich mit aller Gewalt ihren einst guten Ruf durch solche neoliberale Artikel untergraben?
Paging