Herabstufung eines Krisenlandes Moody's senkt Kreditwürdigkeit Irlands auf Ramschniveau

Irische Staatsanleihen gelten nach der Ratingagentur Moody's ab sofort als "nicht geeignet für ein Investment". Die Bewertung wurde um eine Note abgesenkt. Damit erfasst das Misstrauen der Finanzmärkte nach Portugal und Italien innerhalb weniger Tage ein weiteres Land. Die EU äußert Bedauern, Dublin reagiert mit Unverständnis - und verweist auf die deutlich besseren Einstufungen anderer Agenturen.

Die Ratingagentur Moody's hat jetzt nach Portugal auch Irland auf "Ramschniveau" herabgestuft. Diese Anleihen gelten damit nun als "nicht geeignet für ein Investment". Die Bewertung sei um eine Note von Baa3 auf Ba1 gesenkt worden, hieß es in einer Mitteilung der Agentur. Der Ausblick bleibe "negativ", das heißt, es sind weitere Herabstufungen möglich.

Es werde zunehmend wahrscheinlicher, dass Irland nach dem Auslaufen der derzeitigen Hilfsprogramme von Europäischer Union und dem Internationalen Währungsfonds Ende 2013 vor einer Rückkehr an den privaten Kapitalmarkt neue Unterstützung benötige, hieß es zur Begründung.

Nach den jüngsten Vorschlägen der EU-Regierungen im Fall Griechenland steige dabei die Möglichkeit einer Beteiligung privater Kreditgeber als Vorbedingung für ein weiteres Hilfsprogramm. Irland waren im November Hilfen in Höhe von 67,5 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds zugesagt worden. Die Kredite waren mit einem harten Spar- und Reformprogramm verbunden.

Mit einer ähnlichen Begründung hatte Moody's in der vergangenen Woche Portugal herabgestuft. Dies wurde von verschiedenen europäischen Politikern heftig kritisiert. Portugal hat allerdings mit Ba2 noch eine schlechtere Note als Irland erhalten.

EU: Irland ist auf dem richtigen Weg

Bei Europäischer Kommission und irischem Finanzministerium sorgte die Entscheidung für Unverständnis. Sie stünde nicht im Einklang mit den Einschätzungen der anderen großen Agenturen, betonte das Finanzministerium. S&P sowie Fitch bewerten Irland drei Stufen über Ramschstatus. Das Finanzministerium in Dublin erklärte, Irland tue alles, um die Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen. Dabei habe man bereits Fortschritte gemacht. Noch in diesem Jahr werde die Wirtschaft wieder wachsen.

Die EU-Kommission bedauerte in einer Mitteilung das Vorgehen von Moody's. Sie versicherte, Irland sei auf dem richtigen Weg, um aus der Schuldenkrise herauszufinden. Zuletzt hatten immer mehr Politiker eine stärkere Regulierung der Ratingagenturen gefordert.

Die National Treasury Management Agency (NTMA), die im Auftrag der irischen Regierung Vermögenswerte verwaltet, verwies darauf, dass auch Lob von Moody's gekommen sei. So habe die Agentur darauf hingewiesen, dass Irland sich stark für die Haushaltskonsolidierung einsetze und die von der Europäischen Union und dem IWF als Bedingung für Finanzhilfe geforderten Ziele einhalte. Die NTMA betonte, bis Ende 2013 sei das Land ausreichend finanziert.