Die Euro-Länder werden Griechenlands Staatspleite abwenden - auch ohne einen Währungsfonds. Im Stillen haben die Finanzminister längst ein SOS-Paket geschnürt.
Ablenkungsmanöver sind gut, wenn sie funktionieren. Dass das nicht immer gelingt, ist dieser Tage in Europa zu besichtigen. Da schlägt ausgerechnet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor, einen Europäischen Währungsfonds (EWF) zu gründen, was ihm natürlich viel Aufmerksamkeit garantiert. Denn bisher argumentierte der Deutsche stets überzeugend gegen finanzielle Nothilfen unter den Euro-Ländern.
Die Finanzminister der 16 Euro-Länder haben im Stillen ein handfestes SOS-Paket für Griechenland geschnürt - auch wenn das keiner zugeben mag. An diesem Montag sollen in Brüssel letzte Details abgestimmt werden. (© Foto: dpa)
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Sein Credo: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und in der Tat, warum sollte ein Land, das ausdauernd ausschweifender lebt als die Verhältnisse es hergeben, plötzlich diszipliniert sparen, wenn ihm Geld versprochen wird?
Aber offensichtlich geht es Schäuble gar nicht darum, einen europäischen Schuldenverwaltungstopf zu schaffen, denn nichts anderes wäre der EWF. Um den hellenischen Fall zu lösen, käme er ohnehin viel zu spät. Schon deshalb, weil zu dessen Gründung die europäischen Verträge geändert werden müssten, was angesichts der jüngsten Erfahrungen mit Volksabstimmungen und Verfassungsgerichtsurteilen schlicht aussichtslos ist.
Davon abgesehen, sind sich die Europäer keineswegs einig, einem solchen Topf zuzustimmen, auch wegen der von Schäuble vorgeschlagenen strikten Sanktionen, die im Rauswurf säumiger Schuldner aus der Eurozone gipfeln.
Der EWF-Vorschlag soll nur von einem drohenden Fiasko ablenken. Denn während die Politiker öffentlich Argumente für und gegen den virtuellen Topf austauschen, haben die Finanzminister der 16 Euro-Länder ganz im Stillen ein handfestes SOS-Paket für Griechenland geschnürt. Sie wollen dem schlimmsten anzunehmenden Fall - eine Staatspleite der Hellenen - mit zwischenstaatlichen Krediten und Garantien vorbeugen. An diesem Montag werden sie sich in Brüssel treffen und letzte Details abstimmen.
Offiziell will das freilich keiner der Mitwirkenden bestätigen. Stoisch verweisen sie darauf, dass es der Regierung in Athen in den vergangenen Monaten ja stets gelang, Geld am Markt aufzutreiben, um ihre Schulden zu refinanzieren. Das ist weniger als die halbe Wahrheit. Sie verschweigen die dramatisch hohen Zinsen, mit denen Athen die Geldgeber locken musste. Und dass das Land schon im April so viel neues Geld braucht wie nie zuvor, weshalb die europäische Währungsunion tatsächlich nur noch einen winzigen Schritt davon entfernt ist, erstmals einen der ihren vor dem finanziellen Aus zu retten.
Der Anruf aus Athen mit der Bitte um finanzielle Hilfe kann also jeden Tag kommen. Dann werden auch die Deutschen zahlen. Schäuble weiß, dass er das glaubwürdig nur vertreten kann, wenn er gleichzeitig darauf dringt, künftig kompromisslos gegen Sünder vorzugehen. Wer sich dauerhaft nicht an die Regeln hält, muss den Euro wieder hergeben. Gut möglich, dass der strategisch erfahrene EU-Politiker genau diesen Passus durchsetzen will, und die EWF-Idee lediglich ablenkendes Beiwerk ist.
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(SZ vom 15.03.2010)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Seltsam nur, dass das Thema "Griechenland" und Staatsverschuldung plötzlich sooooo hoch gespielt wird. Die Verschudlung war vor 2 oder 4 oder mehr Jahren auch schon da.
Ich glaube, es gibt Mächte, die spekulieren auf den fallenden Euro und deshalb wird Panik gemacht. Frau Merkel mach dabei einen großartigen Job bzw. das was sie am besten kann, nämlich nichts und Ball flachhalten.
Die finanziellen Hilfen für betroffene Staaten werden sicher keine Geldgeschenke sein, sondern Kredite als Hilfe zur Selbsthilfe. Das hoffe ich zumindest.
Es gibt insgesamt aus dem Staatsverschuldungssog nur drei Auswege: Keine Schulden mehr machen und zurückzahlen, oder hohe Inflation, oder Währungsreform. Ich gehe davon aus, dass die Inflation kommt, da es quasi eine Softvariante der Währungsreform ist. Sinnvoll wäre natürlich, keine Schulden mehr machen, aber welcher verantwortungslose Politiker macht das heute noch.
Ich glaube, sehr vielen wird jetzt erst das Ausmaß der Krise bewußt, das Sie noch nicht vorbei ist und dass die Politiker nichts dagegen tun, das die Banken weitermachen wie bisher. Denn jetzt geht es nach Ansicht von sicherlich Vielen Bürgern ans "Eingemachte" - besonders dann wenn wir außer für Griechenland auch noch für Italien, Spanien und Portugal zahlen müssen. "Eingemachte" deshalb weil es jetzt darum geht, an Ausländer zu zahlen. Wer immer schon der Meinung war die EU und der Euro ist für Deutschland ein gigantisches Verlustgeschäft, wird selbstverständlich der bösen EU und dem bösen EURO die Schuld geben und es ist auch bequemer so, als zu der Erkenntnis zu gelangen, dass unserer kapitalistisches System nicht mehr funktioniert und dass die nöchste Krise nur eine Frage der Zeit ist.
Aber Westerwelle weißt uns den Weg : "Der Kapitalismus in Seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf."
Wer am Ende noch Geld in der Tasche hat - hat verloren.
In wenigen Tagen, wahrscheinlich schon beim Finanzministerrat heute, ist der Beistandspakt für Griechenland durch. Deutschland und Frankreich werden die Hauptgeber sein. Und wenn der Damm erst einmal gebrochen ist, warten hinter Griechenland noch Italien, Spanien, Portugal und Irland. Zusammen mit Griechenland haben diese fünf Länder Staatsschulden von 3,4 Billionen Euro angehäuft, fast so viele wie Deutschland und Frankreich zusammen. Hier noch ein einsichtiger Artikel der New York times: http://economix.blogs.nytimes.com/2010/03/11/greece-the-latest-and-greatest-bubble/
Na sowas! Das gibt es doch gar nicht!
Paging