Die Finanzminister haben über Griechenland diskutiert. Sie wollten Stärke demonstrieren - und zeigen nur, wie schwach sie sind.
Wer wissen will, was Kraftlosigkeit ist, der muss nur auf die gemeinsame Erklärung der Euro-Finanzminister zu Griechenland schauen. Da ist zu lesen, dass die Eurogruppe fest an die Erfolge des griechischen Sparprogramms glaubt, ganz fest. Und falls es doch nicht klappt, würden die Euro-Mitgliedsstaaten entschlossen und koordiniert handeln.
In der Finanzkrise wuchs selbst in Europa der Mut, auch mal unorthodoxe Methoden zu probieren - mit großem Erfolg. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Fast genauso hatte sich das schon im Februar angehört. Neu ist, dass die technischen Modalitäten für eine Nothilfe festgelegt wurden. Nun ließe sich einwenden, das sei ja eine gute Botschaft: Griechenland kommt allein zurecht, und die EU steht parat.
Das Land am Mittelmeer, in der Antike eine Großmacht, hat offiziell tatsächlich noch nicht um finanzielle Unterstützung gebeten. Dumm nur, dass längst die Summe kolportiert wird, die Griechenland voraussichtlich bald benötigt - mindestens 25 Milliarden Euro.
Warum also macht man in der EU nicht reinen Tisch? Die Antwort ist ganz einfach: Weil Europa das in diesem Fall nicht schafft.
Erstens: Aus politischen Gründen. Politiker glauben, dass finanzielle Hilfen an Griechenland dem eigenen Volk nicht vermittelbar seien. Zweitens: Aus regulatorischen Gründen. Die Euro-Mitgliedsländer haften nun mal nicht gegenseitig für ihre Schulden. Drittens: Aus psychologischen Gründen. Keinesfalls will die EU einen Präzidenzfall schaffen, der den Finanzmärkten signalisiert, dass die spekulative Attacke gegen einen Euro-Mitgliedsstaat eine sichere Rendite abwirft. Und schließlich, viertens, aus Prinzip: In Europa wird nun mal diskutiert, bevor irgend etwas passiert.
Dahinter steckt ein Paradoxon: Da wird endlos über die Stärke Europas debattiert, die in einem Europäischen Währungsfonds ihren Ausdruck finden soll - doch die endlose Debatte zeugt nur von Schwäche.
Dass es viel wichtiger sein kann, schnell zu handeln als in allen Details ausgereift, hat die Finanzkrise gezeigt. Da wuchs selbst in Europa der Mut, auch mal unorthodoxe Methoden zu probieren - mit großem Erfolg.
Jetzt würde ein entschlossenes, transparentes Vorgehen der EU weit mehr zum Standing Europas beitragen als ein neuer Währungsfonds, der Griechenland irgendwann vielleicht einmal sehr teuer und rein europäisch rettet.
Die EU müsste noch nicht einmal unorthodox vorgehen, sondern könnte das tun, was sie außerhalb der Eurozone ohne langes Federlesen gemacht hat. Sie hat auf das bestehende Instrumentarium gesetzt und klamme Staaten wie Ungarn gebeten, sich Kredite zügig beim Internationalen Währungsfonds zu besorgen.
So gesehen wäre auch die größte europäische Sorge - dass ein Land auf Kosten des anderen leben könnte - nicht berechtigt. Das Regime des Währungsfonds ist derart unangenehm, dass kein Staat gern die Hilfe des IWF in Anpruch nimmt.
Griechenland ist nicht Ungarn, heißt es in der EU. Warum? Nur weil Griechenland den Euro hat?
Beide Länder haben über ihre Verhältnisse gelebt, beide Länder haben wenig Reserven, beide Länder müssen sparen. Wer sich anschaut, in welch kurzer Zeit Ungarn mit Hilfe des IWF wieder Ordnung in seinen Haushalt gebracht hat, der weiß: Europa hat im Fall von Griechenland schon viel zu viel Zeit verschenkt.
- Griechenland Front gegen Finanzhilfe weicht auf 16.03.2010
- EU: Milliarden für Griechenland Weiße Rosen für Athen 16.03.2010
- Schuldenberge in Europa Jahrzehnte für die Krise zahlen 11.03.2010
- Generalstreik Griechen kämpfen gegen Crash-Sparkurs 10.03.2010
- Währungsfonds für Europa Bundesbank geißelt Schäuble-Vorhaben 09.03.2010
(sueddeutsche.de/jja)
Christopher Lee zum 90.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
... in's Auge zu blicken . Die da lautet :
1. Griechenland wird aus eigener (wirtschaftlicher) Kraft nicht aus der Schuldenfalle (Pleite) herauskommen . Radikales Sparen bei den öffentlichen Haushalten wird die Binnenkonjunktur abwürgen und die Arbeitslosigkeit ansteigen lassen . GR hat keine ausreichnde konkurrenzfähige Industrie .
2. Im Falle von Finanzhilfe durch die übrigen EU-Länder wäre GR auf Dauer ein Fass ohne Boden ...: das Ende des Euro . Und der EU ?
Vom Ergebnis her betrachtet, entpuppt sich die EU und das Eurosystem als riesige Geld-Umverteilungsmaschine von unten in die Hände weniger. Zwar erreichen in einigen später hinzugekommen Volkswirtschaften die Bürger einen Wohlstandszuwachs, jedoch steht dieser, wie das Beispiel Griechenland zeigt auf tönernen Füssen. Man könnte diesen Vorgang des temporär begrenzten Wohlstandes auch als "anfüttern" bezeichnen. Für die Industrie und die Kapitaljongleure ist oder war die EU ein Segen. Sie kann bzw. konnte zulasten der öffentlichen Haushalte fast mühelos ihre Gewinne maximieren. Dass ihre Vertreter das Modell EU über den Klee loben, versteht sich von selbst. Die sogenannte Sicherung der Arbeitsplätze ist auch in diesem System teuer erkauft, die Arbeitsplatzbesitzer oder ihre Nachfolger werden die Schuldenberge abtragen müssen.
es geht um die systematische Vermögensumverteilung von
arm nach reich. Also das Ding hat System.
gesehen hat, weiss Bescheid.
Paging