Nach Griechenland nehmen Spekulanten Portugal ins Visier. Dabei hatte Brüssel gerade noch die Sparpolitik des Landes gelobt.
Portugal hat den heißen Atem der internationalen Märkte längst zu spüren bekommen. Die Ratingagenturen haben das Land herabgestuft, der Risikoaufschlag auf Staatsanleihen ist gestiegen, am Montag betrug der Zinsaufschalg auf Bundesanleihen nie dagewesene 205 Basispunkte.
Das Parlament in Lissabon: Bisher geht es dem Land noch gut, doch Wirtschaftswissenschaftler attestieren Portugal Ansteckungsgefahr bei Griechenland. (© Foto: AP/der Palácio de São Bento)
Anzeige
"Sie haben es auf uns abgesehen, weil sie Blut gerochen haben", erklärte der frühere Zentralbankgouverneur José Silva Lopes. Wie die meisten portugiesischen Politiker wähnt er sein Land zwar in einer unvergleichlich besseren Lage als Griechenland.
Doch obschon das Stabilitäts- und Wachstumsprogramm, das die portugiesische Regierung vor wenigen Wochen in Brüssel vorlegt hat, von der Europäischen Kommission gelobt wurde, warnen namhafte Wirtschaftswissenschaftler wie Joseph Stiglitz, Simon Johnson oder Nouriel Roubini davor, dass sich die dort vorgesehenen Maßnahmen als unzureichend erweisen könnten. Und dass sich Portugal, im übertragenen Sinne, doch bei den Griechen ansteckt.
Das Defizit Portugals liegt mit 9,4 Prozent zwar unter den Werten Spaniens (11,2), Griechenlands (13,6) oder Irlands (14,3), die ebenfalls zu den schwächeren Euro-Staaten gehören. Und die Schuldenquote liegt bei 76,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also nicht viel höher als in Deutschland (73,2). Das Problem aber ist der akute Finanzierungsbedarf der Portugiesen.
Gegenwehr von den Gewerkschaften
Johnson rechnete in einem Beitrag für die New York Times vor, dass Portugals Schuldenrate im Jahr 2012 selbst dann bei 108 Prozent liegen werde, wenn die Wachstumsprognosen der portugiesischen Regierung eintreffen sollten.
Johnson, der 2001 zu Zeiten der Argentinien-Krise Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) war, fordert von der portugiesischen Regierung, den Gürtel noch enger zu ziehen, vor allem im öffentlichen Dienst, weil Portugal nur geringe öffentliche Investitionen ausweist.
Allerdings sieht sich die Minderheitsregierung des Sozialisten José Sócrates bei ihren Sparplänen bereits jetzt massiver Gegenwehr von Gewerkschaften ausgesetzt. Zudem will Sócrates die Staatskassen über den Weg der Privatisierungen und Steuererhöhungen füllen, die beileibe nicht nur die Reichen betreffen.
Nicht betrogen
Ab 2011 wird jedes Einkommen von mehr als 700 Euro besteuert werden. Die konservative Opposition schlägt derweil weitergehende Kürzungen "unnützer Ausgaben" vor, ohne sie zu konkretisieren. Analysten sind skeptisch, ob Portugal sich schnell aus seinen Schulden befreien kann.
"Es ist nach Griechenland der zweitschwerste Fall", meinte Björn Bender von der BHF Bank. Das enorme Budget-Defizit, die hohen Kapital-Einfuhren und die unklare politische Situation könnten Schwierigkeiten bereiten. "Die Lage in Portugal ist grundsätzlich vergleichbar mit der Griechenlands", sagte Gernot Griebling, Leiter der Anleihenanalyse bei der Landesbank Baden-Württemberg.
Allerdings habe sich Portugal den Euro-Beitritt nicht wie Griechenland erschummelt und genieße daher noch mehr Vertrauen am Markt. Abzulesen sei dieser Unterschied momentan noch an den geringeren Zinsen. Am 20. Mai werden portugiesische Anleihen von mehr als 5,6 Milliarden Euro fällig. Das Land hat in diesem Jahr bereits neun Milliarden Euro an Schuldtiteln verkauft, ohne größere Schwierigkeiten und zu relativ moderaten Renditen.
Umschuldungen lohnen sich
Die von den Iberern geplante Politik einer "Glättung" der Schulden, also einer besseren Aufteilung nach Fristigkeit, wird an den Finanzmärkten überwiegend begrüßt. Dies zeige eine vorausschauende Politik. Insgesamt hat Portugal bis Jahresende einen Refinanzierungsbedarf zwischen 20 und 25 Milliarden Euro angemeldet. Das entspricht der halben Summe Griechenlands in diesem Jahr und in etwa soviel wie die beiden Großkreditnehmer der EU, Deutschland und Italien pro Monat benötigen.
"Wenn es knallt dann in den nächsten Monaten", weist Bender auf die unterschiedliche Entwicklung der Zinsaufschläge auf portugiesische Anleihen hin (Grafik). Im zweijährigen Bereich seien die Spreads auf 276 Punkte gestiegen, während es im fünfjährigen Bereich 250 Punkte sind. Der Spread bemisst jeweils den Renditeabstand zu Wertpapieren der Bundesrepublik Deutschland, die eine erstklassige Bonität am Kapitalmarkt genießen.
Die Portugiesen müssen also für kürzere Laufzeiten mehr bezahlen als für länger laufende Schuldentitel. Schon deshalb lohnen sich Umschuldungen, sie machen die Schuldenlast für die Iberer erträglicher.
- Griechenland: Streit um Nothilfe Europa ist wütend auf "Angie" 27.04.2010
- Griechenland: Die Notlage Die Party ist vorbei, die Odyssee beginnt 27.04.2010
- Griechenland und der Euro Angela Merkel - allein zu Hause, allein in Europa 26.04.2010
- Griechenland: Drei Szenarien ...und dann zerbricht der Euro 25.04.2010
- Kostenlose Leseprobe SZ unverbindlich testen 29.07.2009
- Sparprogramm Portugal - Krisensteuer gegen das Defizit 13.05.2010
- Politiker versus Reporter Mein Band! Her damit! 07.05.2010
(SZ vom 27.04.2010/nog/hgn)
Debatte über Urheberrecht
Ich darf mal erinnern an den Wirtschaftskrieg, den Clintons Regierung 1987 gegen Thailand führte. Rubin im Hintergrund, Soros und Konsorten als sichtbare Akteure, Greenspan, der den Thailändern auf ihren Hilferuf erklärte, sie sollten zum Teufel gehen und Clinton, der den Japanern drohte, als sie die Pleite Thailands mit einer 100-Milliarden-Dollar-Intervention abwenden wollten. Geithners Mentor ist eben jener Rubin.
Die Folge damals war die Ostasienkrise und der stärkste Konkurrent der USA, Japan, hat sich bis heute nicht erholt. Schöne Aussichten für Europa.
Passt wunderbar zu dem Bemühungen Bernankes, die Schulden der USA durch Inflation zu beseitigen und zum Buy American Obamas und den Kampagnen der Regierung gegen ausländische Autohersteller.
Aber die Presse jammert lieber über Spekulanten und "die Märkte" und schreit nach der Politik. Die Politik ist längst am Zug!
Schuld haben nicht die Spekulanten sondern die Regierungen mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik. Die Spekulanten erkennen noch vor den Regierungen eine todkranke Wirtschaft. Und wenn die Regierungen nur durch Finanzspritzen versuchen die kränkelden Wirtschaften am Leben zu halten, haben am Schluss die Spekulanten recht und der Steuerzahler verliert viel Geld.
einen Wirtschaftskrieg gegen Eurpoa.
Kapiert, werte Gemeinde?
Eben. Und das geht nicht mehr.
Hat eigentlich schon jemand, der jetzt so lautstark klagt, dass Griechenland nicht schnell genug geholfen wird, schon den Vorwurf erhoben, man hätte die Portugal-Krise abwenden können, wenn man Portugal schon früher Geld rübergeschoben hätte? Und wohin sollte man am besten noch prophylaktisch Geld überweisen, damit wir keine Schuld auf uns laden?
Paging