Die EU-Länder wollen bei der Behandlung der Banken ein Zeichen setzen: Die Geldhäuser sollen interne Daten offenlegen - und durch ein "System von Abgaben und Steuern" die Kosten der Krise mittragen.
Alle europäischen Banken werden einem "Stresstest" unterzogen, dessen Ergebnisse veröffentlicht werden müssen. Darauf einigten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs am Donnerstag auf ihrem Gipfel in Brüssel. "Alle 27 Länder haben sich dazu bekannt", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach den Beratungen. Mit einem Stresstest wird untersucht, ob ein Finanzinstitut auch bei sehr negativen Entwicklungen an den Märkten oder bei Konjunktureinbrüchen überleben kann.
Bild vergrößern
Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen eine "Abgabe für Finanzinstitute" einführen, um die Branche an den Kosten der von ihnen mitverursachten Wirtschaftskrise zu beteiligen. Wie die Abgabe aussehen soll, blieb offen. (© dpa)
Anzeige
In der Auseinandersetzung darüber, wie die Banken und internationalen Finanzinstitute an der Bewältigung der Folgen der von ihnen ausgelösten Krise beteiligt werden sollen, hätten sich die Mitgliedstaaten grundsätzlich darauf geeinigt, ein "System von Abgaben und Steuern einzuführen", sagte Merkel. Im Gespräch sind eine Bankenabgabe sowie eine Steuer auf Finanztransaktionen. Bei dem Gipfeltreffen der G20 Ende Juni in Toronto will die EU beantragen, die Einführung einer globalen "Finanzmarkttransaktionssteuer" zu erforschen und zu entwickeln. Sollte diese Steuer nicht durchsetzbar sein, wovon viele Experten ausgehen, dann werden die europäischen Staaten einzeln entscheiden, ob sie eine Abgabe oder eine Steuer erheben.
Deutschland hat in seinem kürzlich vorgelegten Sparprogramm bereits Einnahmen aus einer Transaktionssteuer eingerechnet. Ob sich alle EU-Länder diesem Kurs anschließen, ist aber zweifelhaft. Vor allem Großbritannien ist gegen eine Steuer. Das machte der neue britische Ministerpräsident David Cameron zu Beginn der Sitzung klar. Aber er stellte sich nach längeren Diskussionen nicht mehr dem deutschen Wunsch entgegen, die Transaktionsteuer international zumindest in Erwägung zu ziehen. London selber setzt auf eine Bankenabgabe, um Fonds für die Rettung von Banken in Not zu schaffen.
Ihren Streit über die Finanzaufsicht konnten die EU-Chefs nicht lösen. Vor allem London blockiert das Konzept, drei europäische Aufsichtsagenturen für Banken, Versicherungen und Wertpapierhändler sowie ein Frühwarnsystem einzurichten. Merkel, Cameron und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen am Rand des G-20-Gipfels in Toronto über einen Kompromiss beraten.
Die Staats- und Regierungschefs verabschiedeten zudem einen neuen Zehnjahresplan, um das Wachstum anzukurbeln. Die Agenda "Europa 2020" enthält fünf gemeinsame Ziele. Danach sollen die EU-Staaten künftig drei Prozent ihrer Wirtschaftskraft in Forschung und Entwicklung investieren. Sie verpflichteten sich, in klimafreundliche Projekte zu investieren und die Wirtschaft auf nachhaltiges Wachstum auszurichten. Sie bestätigen das EU-Ziel, bis 2020 ein Fünftel weniger Kohlendioxid als 1990 auszustoßen. Zudem wollen sie dafür sorgen, dass ausreichend Jobs geschaffen werden. Die Beschäftigungsquote der 20- bis 64-jährigen arbeitsfähigen Bevölkerung soll von 69 auf 75 Prozent gesteigert werden. Die Bürger würden das Konzept der sozialen Marktwirtschaft nur akzeptieren, wenn sie sich darin wiederfinden, sagte Merkel. Umstritten bis zuletzt waren die Ziele für Bildung und Armutsbekämpfung. Die Regierungen wollen sich dazu vor allem auf nationaler Ebene engagieren.
- Thema
- Bankenabgabe RSS
- Schweden: Finanzminister Borg im Gespräch Europas Streber vom Dienst 17.06.2010
- EU-Wirtschaftspolitik Frankreich - Deutschland: 0:2 17.06.2010
- Euro-Krise: Philippe Maystadt "Man kann alle retten - außer Frankreich und Deutschland" 07.06.2010
- Euro-Stabilitätspakt Mehr Kontrolle und härtere Strafen 08.06.2010
- EU-Gipfel Zum Sparen verdammt 17.06.2010
- G20 uneins über Bankenabgabe Es droht der Stillstand 24.04.2010
- Finanzen kompakt Gesundheitskosten: Pro Jahr ein Hunderter mehr 06.04.2010
(SZ vom 18.06.2010/hgn)
Denn die Milchpanscher wurden bestraft. Hier in Europa wäre gar nichts passiert, was ja am Gammelfleischskandal zu demonstrieren ist. Und genauso bei den Banken: Die geben die Gebühren an die Verbraucher weiter.
Der Wille von unserer konservativen Regierung ist doch gar nicht da!Das ist doch alles nur Kosmetik bis diese Diskussion von einer anderen Botschaft verdrängt wird.Glaubt jemand ernsthaft das Merkel seinen Geldgebern Gelder abnehmen würde durch eine Dauersteuer?
Das konnte man doch schon an dem Vorschlag der Bankenabgabe sehen das dies nicht in den Haushalt fließen sollte sondern in einen Fond,der natürlich den Banken selber unterstellt werden sollte.
Diese Regierung in der BRD wollen diese Steuern und abgaben doch gar nicht.Es lasst sich nicht Europäisch durchsetzen weil man die Frösche fragt ob man den Sumpf leer pumpen soll.
Also was ich nicht verstehe ist, dass man doch von niemand Geld verlangen kann, der Hunderte von Milliarden Euro zum Überleben bekommen hat und diese Gelder schon wieder verzockt hat. Und diese Leute, die diese gigantischen Steuergelder schon wieder veruntreut haben, die belohnten sich selbst mit Millionen über Millionen Steuergeldern!! Straffrei natürlich!
„Dramatischer EZB-Monatsbericht für Mai“. Der neue Monatsbericht der Europäischen Zentralbank lehrt seine Leser das Fürchten: Das Finanzsystem war Anfang Mai noch mehr bedroht als nach der Lehman-Pleite.
Der Pleitegeier kreist nicht am Horizont, nein, sondern direkt über den Köpfen unserer Bankster. Europas Bankster sitzen immer noch auf ca. 22 Billionen Euro absolut wertloser Papierschnipsel. Kein Wunder also, dass keine Bank der anderen nicht mehr über den Weg traut. Dieses von Grund auf korrupte und kriminelle System schaukelt sich immer weiter auf ... bis ... hoffentlich bald, diesem Albtraum ein Ende bereitet wird.
Ende Juni sollen Europas Bankster 442 Mrd. Euro an die EZB zurückzahlen, amerikanische Bankster sogar 1500 Mrd. Dollar. Aus dem (offiziellen) 700 Mrd. Rettungspaket (inoffiziell 22,5 Billionen Dollar!!) genehmigten sich die Wall-Street Gangster 144 Milliarden Dollar Boni!!
Wenn der Steuerzahler den Bankstern jeden Monat 1 Billion Euro schenkt, dann kann man diese Brüder vielleicht mit 10 Milliarden Euro zur Kasse bitten. Wo ist da die Pointe?
Da kann man nur noch Bertold Brecht zitieren: „Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“.
"Die Banken oder letztendlich doch wieder wir? Die nächste Gebührenerhöhung folgt auf dem Fuß!"
Da könnten Sie recht haben. Deswegen: Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken! Dann können die Abgaben nur auf die "Spekulationskundschaft" umgelegt werden. Und das könnte weiter zur "Entschleunigung" des Finanzmarktkarussels beitragen.
Dies ist doch schon eine Bewegung in die richtige Richtung. Dass GB und USA gegen eine Finanztransaktionssteuer sind, ist allzu natürlich, denn Wall Street und die City of London wären die großen Verlierer.
Wenn sich die Euroländer einig sind, und sowohl Bankenabgabe als auch Finanztransaktionssteuer einführen bei gleichzeitiger Kontrolle der Banken, dann wäre schon sehr viel erreicht.
Paging