Ethische Investments Die Noa Bank kämpft ums Überleben

Der Gründer der Ethikbank hat zwar neue Investoren für sein Projekt einer "finanziellen Demokratie" gefunden. Doch jetzt muss François Jozic die Finanzaufsicht überzeugen.

Von Caspar Dohmen

Eigentlich wollte François Jozic das Geldgeschäft mit der neu gegründeten Noa Bank in Deutschland revolutionieren. Stattdessen kämpft er nun um den Erhalt der Bank, seitdem die Bankaufsicht im Juni dem Institut neues Einlagen- und Kreditgeschäft verbot.

Sie hält die Bank für unterkapitalisiert. Kenner der Bank halten mindestens eine Verdopplung des Eigenkapitals für notwendig. Dies erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Finanzkreisen. Bis Montagabend habe die Bank Zeit, um ein Konzept vorzulegen. Die Finanzaufsicht wollte sich nicht äußern. Eine Unternehmenssprecherin sagte, die Bank warte darauf, ihr Konzept bei der Aufsicht präsentieren zu können.

Offensichtlich hat Jozic zwei Investoren überzeugen können, in das junge Institut Geld zu investieren. Dafür zahlen er und sein Partner Frederic Lodesyk einen hohen Preis. "Sie dürften die Mehrheit verlieren", heißt es in ihrem Umfeld. Ursprünglich wollte Jozic seine Macht retten, indem er den fehlenden Kapitalbedarf durch mehrere Anteilseigner deckt. Dieser Plan gilt als gescheitert. Offen ist, ob die Aufsicht die neuen Eigentümer und ihr Konzept gewähren lässt.

Mit großen Anzeigen hatte Jozic vor dem Start des Bankneulings in überregionalen Zeitungen geworben. "Was macht Ihre Bank mit ihrem Geld?", hiess es dort in großen Lettern.

Kundenansturm bei Ethikbanken

Nach dem Ausbruch der Finanzkrise schauten mehr Menschen genauer hin, wem sie ihr Geld geben. Davon profitierten ethisch-ökologische Banken. Sie sind im Jahr 2009 zwischen 20 und 35 Prozent gewachsen. Ältere Institute wie die GLS, Umwelt- oder Ethikbank haben ihr Geschäft behutsam über viele Jahre entwickelt. Jozic wollte sich schnell ein Stück vom Kuchen dieses Bankgeschäfts abschneiden.

Die Rechnung ging zunächst auf. Binnen kurzer Zeit vertrauten 15.000 Menschen seiner Bank rund 300 Millionen Euro ihres Ersparten an. Bei vielen Menschen kam der ungewöhnliche Banker an, der in seinem Blog eine lebhafte Diskussion über Geldgeschäfte führte, Transparenz versprach und für eine Finanzdemokratie trommelte. Kritiker wiesen jedoch früh darauf hin, dass wohl weniger das transparente Geldgeschäft Kunden locke, als vielmehr der aggressiver Zinssatz für Tagesgeld.

Der Bank brachte der Kundenansturm kein Glück. Auf die Schnelle fand man gar nicht ausreichend viele Kreditprojekte. Gerade einmal 60 Millionen Euro vergab die Noa-Bank an Krediten. So konnte sie kaum die hohen Sparzinsen verdienen, die sie ihren Anlegern auf deren Einlagen zahlte.

Fehlendes Eigenkapital

Allerdings fehlt auch Eigenkapital, um die gesamten Kundeneinlagen als Kredite auszugeben. Dafür müsste sie schätzungsweise acht Prozent der ausgegebenen Kreditsumme an Eigenkapital aufweisen; bei Einlagen von 207 Millionen Euro wäre dies ein Eigenkapital von 16,6 Millionen Euro. Bisher hat die Bank weniger als halb so viel, einschließlich der zwei Millionen Euro, die Jozic Ende Juli bei zwei Investoren locker gemacht hatte.

Richtig in die Bredouille kam die Bank, als deren Gründer ihre Factoring-Gesellschaft Quorum einbrachten. Unter Factoring versteht man den Ankauf von Unternehmensforderungen mit Abschlag. Im Gesamtkonzern stiegen nun die Eigenkapitalanforderungen der Finanzaufsicht. In seinem Blog räumte Jozic später ein, dies habe er nicht gewusst. Solche bankrechtlichen Handwerksfehler überraschen, weil Jozic erfahrene Bankmanager an der Seite hatte.

Die Bank versucht ihre Probleme nun auch zu lösen, indem sie Kunden vergrault. Sie hat den Zinssatz für Tagesgeldeinlagen auf 0,75 Prozent halbiert. Damit dürften die Kundengelder sinken.