Wie die Süddeutsche Zeitung aus Ermittlerkreisen erfuhr, ist die Beweislast gegen einige Betroffene so erdrückend, dass sie mit Haftstrafen ohne Bewährung rechnen müssen. Auch Privatbanken und Kreditinstitute geraten ins Visier.
In der Affäre um Steuerhinterziehung in Liechtenstein müssen einige Betroffene mit Haftstrafen ohne Bewährung rechnen. Wie die Süddeutsche Zeitung aus Kreisen der Fahnder erfuhr, ist das Beweismaterial so erdrückend, dass die Ermittler nicht auf eine Mithilfe der Verdächtigen angewiesen sind. Eine solche würde sich strafmildernd auswirken.
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Im ersten großen Verfahren um Schwarzgeld in Liechtenstein, dem sogenannten Batliner-Fall im Jahr 1999, waren in der Regel nur hohe Geldbußen verhängt worden. In nur einem Fall hatte es eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe gegeben. "Wir waren damals auf die Mitwirkung der Beschuldigten angewiesen", sagt ein Ermittler. "Das brauchen wir diesmal nicht. Wir haben alles."
Die Affäre von 1999 weist Parallelen zum heutigen Fall auf: Damals hatte ein Mitarbeiter Herbert Batliners, des einflussreichsten Treuhänders im Fürstentum, eine CD-Rom mit Kundendaten entwendet und meistbietend zum Verkauf angeboten. Die aktuellen Ermittlungen der deutschen Steuerfahnder stützen sich auf eine DVD mit Bankdaten aus Liechtenstein. Den Datenträger hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) einem Informanten für fünf Millionen Euro abgekauft.
Nach Angaben des Sprechers der von dem Datenschwund betroffenen Vaduzer LGT Group, Hans-Martin Uehlinger, hat die Bank "keinerlei Hinweis", dass "Daten aus den Jahren 2005 und 2006 entwendet worden sind". Die Bank gehe davon aus, dass es sich um einen bekannten Fall von Datenklau aus dem Jahr 2002 handele. Aus deutschen Ermittlerkreisen verlautet hingegen, die Fahnder verfügten über Belege von Zinserträgen aus dem Jahr 2005. Demnach hätte es bei der Bank nach 2002 einen weiteren Diebstahl gegeben.
Die seit Montag in fünf Bundesländern laufenden Ermittlungen sollen in den nächsten Wochen intensiviert werden. Dies ist aus Fahnderkreisen zu erfahren. So sollen die bislang nur punktuell im Ruhrgebiet vorgenommenen Durchsuchungen ausgeweitet werden. Nach derzeitigem Stand sollen bis Ende der Woche bei etwa 70 der 700 Beschuldigten die Razzien abgeschlossen sein.
Am Mittwoch wurden weitere brisante Details der Steueraffäre bekannt: Auf der DVD aus Liechtenstein ist offenbar auch der Name des bayerischen Datenschutzbeauftragten Karl Michael Betzl gespeichert, Steuerfahnder durchsuchten dessen Büro und Wohnung. Betzl kündigte daraufhin an, sein Amt ruhen zu lassen.
Bei ihren Ermittlungen fanden die Fahnder zudem Indizien dafür, dass Privatbanken und andere Geldinstitute in Deutschland liechtensteinische Stiftungen verwaltet haben. Insgesamt soll es sich nach bisherigem Stand um etwa 50 Stiftungen handeln, auf deren Konten hohe Millionenbeträge lagerten. Auch sollen Kunden von diesen Kredithäusern gezielt zum Thema Liechtenstein-Stiftungen beraten worden sein. In einigen Fällen soll von diesen Banken unter Codewörtern auch Geld auf die Konten liechtensteinischer Stiftungen überwiesen worden sein.
Die Steueraffäre war das prägende Thema beim Besuch des liechtensteinischen Regierungschefs Otmar Hasler in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel sagte, sie erwarte, dass das Fürstentum bei der Bekämpfung von Betrug, Geldwäsche und unfairem Steuerwettbewerb enger mit Deutschland und der EU zusammenarbeite. Hasler erklärte, sein Land habe mit der Schaffung einer unabhängigen Finanzmarktaufsicht bereits einen Reformkurs eingeleitet. Ziel sei es, den europäischen Rechtsrahmen nahezu vollständig zu übernehmen.
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(SZ vom 21.02.2008/gba)
@tinus77
Natürlich werden viele kleine Steuersünder nicht einmal angeklagt, da bin ich ganz ihrer Meinung. Nur: wenn sie denn angeklagt werden und das geschieht bei Summen, für die Hr. Zumwinkel morgens nicht einmal aufsteht, dann wird mit denen anders verfahren. Dieses Vorgehen beschränkt sich dabei nicht auf "Steuersünder", sondern ganz allgemein auf den Bereich "Wirtschaftskriminalität" wo offensichtlich bei der Strafverfolgung mit zweierlei Maß gemessen wird.
Das ist weder lächerlich noch Unsinn, das ist leider Realität.
Da ja das ehrenwerte Bankertum in die Machenschaften ganz massiv als Mitwirkende einbezogen zu sein scheint, habe ich soeben an die beiden Aufsichsorgane (BaFin und Bundesbank) eine Faxanfrage gerichtet. Sinngemäß: Was gedenkt man gegen solche Banken zu unternehmen, wo doch - im nachgewiesenen Fall einer Schuld - jedem Würstchenbuden-Besitzer längst die Gewerbeerlaubnis entzogen würde. Habe auch ausgedrückt, daß die Sache beobachtet wird und ggf. Strafanzeige gegen beide Aufsichtsorgane erfolgen wird (was ich auch so tun werde, wenn dies oberflächlich behandelt wird). Bin mal gespannt, ob man dieser inzwischen erkennbaren organisierten Kriminalität nicht doch etwas Feuer unter den werten Hintern machen kann.
"Zwei Drittel des offiziellen Vermögens in Deutschland gehört 10% der Bevölkerung. Das nennt man neue soziale Marktwirtschaft."
Sie scheinen etwas naiv zu sein. Vermutlich seit Menschen Städte gegründet haben, gibt es eine starke Ungleichverteilung des Vermögens. Und in den meisten Ländern ohne Soziale Marktwirtschaft ist die Ungeleichverteilung größer als bei uns.
"Andere wiederum hängen dem Glauben nach, Kapital könne arbeiten und die Zinsen seien so etwas, wie die in Masse umgewandelte Energie, die in dieser Arbeit steckt."
Hi, hi. Ne, find ich lustig. Wer ein Haus bauen will, oder viele Unternehmer, brauchen Geld für ihre Pläne. Sie bekommen einen Kredit, der Kapitalgeber seinen Zins und es wird etwas neues geschaffen. Bevor sie anderen "Pisa" vorwerfen, sollten Sie sich erst an die eigene Nase fassen.
"Die Politik ...glaubte, all die Millionäre und Milliardäre seien Gentlemen, die brav ihre Steuern zahlen."
Da haben sie ja einiges nicht mitbekommen: Glauben sie wirklich man hätte die CD gekauft, wenn man davon ausging das alle ihre Zinsen angebenben haben? Ziemlich naiv!
"Schumachers und anderen Steuerhinterziehern"
Schumacher ist ins Ausland gezogen und jetzt in der Schweiz steuerpflichtig. Das ist ganz legal. Wer im Ausland arbeitet und wohnt muß in Deutschland keine Steuern zahlen.
Astronomen haben ausgerechnet, dass ca. 90% der Masse des Weltalls dunkle, unsichtbare Materie ist. Materie, die nur über ihre gravitative Wirkung nachgewiesen werden kann. Ein Teil dieser Masse befindet sich in schwarzen Löchern.
Über 4.530.000.000.000 Euro (4,53 Bio) privates Geldvermögen verfügen die Deutschen Ende 2006, so die offiziell-astronomische Zahl. Das nennt man eine ganz schöne Masse Geld. Zwei Drittel des offiziellen Vermögens in Deutschland gehört 10% der Bevölkerung. Das nennt man neue soziale Marktwirtschaft.
Wie viel Vermögen bereits von den schwarzen Löchern des Kapitals aufgesogen wurde, weiß nur die Liechtenstein-Cayman-Connection. Im Gegensatz zu den schwarzen Löchern im All, haben die Kapitalsammelstellen allerdings den Vorteil, dass sie das Verschlungene zurückerstatten. Sie geben sogar mehr zurück, als hineinströmt. Diesen Überschuss nennt man Zinsen.
Ein gläubiger Mensch könnte nun annehmen, es handle sich um eine wunderbare Geldvermehrung, wie mit dem Brot im Buch der Bücher. Andere wiederum hängen dem Glauben nach, Kapital könne arbeiten und die Zinsen seien so etwas, wie die in Masse umgewandelte Energie, die in dieser Arbeit steckt. Das nennt man PISA-Schock.
Die Politik war Naivität ist an sich nichts außergewöhnliches - ebenfalls gläubig. Sie glaubte, die Reichen des Landes seien Leistungsträger. Sie glaubte, auf Vermögenssteuer verzichten zu können. Sie glaubte, all die Millionäre und Milliardäre seien Gentlemen, die brav ihre Steuern zahlen. Das nennt man mit Karl Kraus: Politik funktioniert genau so, wie klein Fritzchen sie sich vorstellt.
Und dann gibt es da noch Menschen, die sparen sich jede Masse Geld vom Mund ihrer Kinder ab, um sich und ihre Wohnung mit allerlei Fähnchen, Poster, Käppis, Schals und sonstigem teuren Tand von den Schumachers und anderen Steuerhinterziehern zu schmücken. Wie man das nennt? Keine Ahnung.
Beim Lesen des Kommentars von LEGIS fiel mir ein:
Wieso kann sich Herr Kohl bis heute auf sein Ehrenwort berufen? Da ging es doch auch um nicht deklarierte Gelder in Liechtenstein.
Ich stimme LEGIS zu, hier wird mit zweierlei Mass gemessen!
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