Von Heinz-Josef Simons

Wie man seine private Vorsorgestrategie wetterfest macht und so weitgehend vor der Geldentwertung schützt.

Ohne Inflation kann keine Wirtschaft funktionieren.Doch falls dieGeldentwertung auf Dauer zu hoch ist, wird es schnell gefährlich. Das gilt speziell für die private Altersvorsorge, bei der das Geld so angelegt werden muss, dass die künftige Extrarente auch in einigen Jahren noch ausreichendKaufkraft aufweist. Wer sein Geld langfristig anlegt, beispielsweise in festverzinslichen Wertpapieren wie Bundesschatzbriefen oder aber in Aktien, will in der Regel zweierlei. Nämlich "die Kaufkraft seines Kapitals über Jahre und Jahrzehnte erhalten sowie einen realen Wertzuwachs beim Vermögen", sagt Manfred Köberlein, Mitglied der Geschäftsführung derKölner Fondsgesellschaft AmpegaGerling Investment.

Inflationsgespenst

(© Foto: Matthias Kulka)

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Dass sich die Menschen über die Jahre mit dem gleichen Geld immer weniger kaufen können, ist der Inflation zu verdanken. Zum Glück gibt es sie, denn ohne Preiserhöhungen würde keine Volkswirtschaft funktionieren. "Wohin das Gegenteil, die Deflation, führen kann, hat man in Japan weit mehr als ein Jahrzehnt schmerzlich erfahren", sagt Köberlein. Nippon-Aktien verloren in der Spitze drei Viertel ihres Werts, die japanische Wirtschaft schrumpfte, statt wie in den Jahren zuvor deutlich zu wachsen.

Wer Schulden macht oder bereits Schulden hat, der mag die Inflation. Einfacher Grund: Mit der Zeit verlieren die Verbindlichkeiten immerweiter an Wert. Doch wegen der Geldentwertung schmilzt auch das bereits vorhandene oder künftig noch angesammelte Vermögen bisweilen wie Schnee in der Sonne. Ein Beispiel verdeutlicht diese Entwicklung: Ein Sparer legt ab sofort 30 Jahre lang 200 Euro monatlich auf die hohe Kante. Bei null Prozent Inflation - eine unrealistische Annahme - und sechs Prozent Rendite im Schnitt stehen am Ende real knapp 200 000 Euro in der Bilanz. Beträgt aber die Inflationsrate konstant vier Prozent im Jahr, hat das Vermögen am Ende eine Kaufkraft von nur noch 60 000 Euro. "Real bekommt der Sparer somit noch nicht einmal sein investiertes Geld zurück", sagt Matthias Helfesrieder, unabhängiger Finanzberater in Singen.

Ein noch extremeres Beispiel ist folgendes: Ein junger Familienvater erbt 100 000 Euro. Dieses Geld legt er langfristig an. In einer hypothetischen Annahme verbucht das investierte Kapital weder Wertzuwächse noch werden regelmäßige Erträge wie Zinsen oder Dividenden erzielt. Würde die momentan hohe Inflationsrate in der Eurozone von vier Prozent in den nächsten 30 Jahren gelten, wären aus 100 000 Euro real, also gemessen an der künftigen Kaufkraft, knapp 31 000 Euro geworden. Selbst eine Rendite von vier Prozent im Jahresschnitt würde bei anhaltend hoher Inflation die Kaufkraft des angesparten Vorsorgevermögens gerade einmal bewahren. Da allerdings Kapitalerträge aller Art vom kommenden Jahr an der Abgeltungsteuer unterliegen, rutschen Sparer real erneut ins Minus.

Die Folgen könnten dramatisch sein. Typische Hochrechnungen, mit wie viel Endvermögen ein Anleger bei einer bestimmten vorgegebenen Jahresverzinsung rechnen kann, sind nur bedingt aussagefähig. Denn niemand weiß heute, wie sich die Inflationsrate während des langfristigen Sparprozesses von mehreren Jahrzehnten entwickeln undwelcheKaufkraft das für später kalkulierte Kapital haben wird. Deshalb sollte der "langfristige Vermögensaufbau für die private Altersvorsorge möglichst einen eingebauten Inflationsschutz haben", empfiehlt Experte Köberlein. Diewohl einfachste Anlageform sind Aktien und Aktienfonds, weil diese langfristig Renditen von einigen Prozent und mehr im Jahresschnitt erreichen können. Allerdings, so geben Experten zu bedenken, realisieren sich solch positive Verläufe erst nach einem längeren Zeitraum. Kurz- und mittelfristig gelten Aktienanlagen auch sehr volatil. Doch selbst nach Abzug der Abgeltungsteuer - inklusive Soli-Zuschlag und oft auch Kirchensteuer knapp 28 Prozent - bleibt nicht selten noch genug übrig, um auch etwas höhere Inflationsraten auszugleichen und einen realen Vermögenszuwachs zu erreichen.

Wem Aktien dennoch zu riskant sind, der hat Alternativen. Etwa sichere Staatsanleihen mit eingebautem Inflationsschutz. Deren laufende Verzinsung sowie der spätere Rückzahlungskurs werden jedes Jahr der Inflation angepasst. Je höher die Geldentwertung, desto mehr wirft das Schuldpapier ab, so dass derAnleger real, aber leider vor Steuern, einen Wertzuwachs hat. In seltenen Fällen kann sogar der Abschluss einer privaten Rentenversicherung mit Beitragsdynamik sinnvoll sein. Hier steigt die Sparrate jedes Jahr um einen bestimmten Prozentsatz, so dass die Geldentwertung kompensiert werden kann. Allerdings sollten sich Anleger vor Abschluss von einer unabhängigen Stelle beraten lassen. Viele Verbraucherschützer raten in der Regel von dieser speziellen Spar- und Vorsorgeform ab, weil die Dynamikrate erneut mit Abschlussprovision und anderen Kosten belegt wird, so dass nur ein Teil von ihr dem Sparprozess zugute kommt.

Auch staatlich geförderte Vorsorgeformen, also Riester- und Rürup-Rente sowie betriebliche Altersversorgung, sind - wenngleich auch auf einem Umweg - Inflationsschutz. Als direkte Förderung oder Steuerersparnis verringert die Finanzspritze aus der Gemeinschaftskasse nämlich den eigenen finanziellen Aufwand des Anlegers und Vorsorgers und sorgt somit für einen stetigen Inflationsausgleich. Kleiner Makel: Das Finanzamt gleicht seine Spendierlaune später im Rentenalter wieder aus, weil die Zahlungen dann mal mehr, mal weniger besteuert werden.

Als sichere Häfen in Zeiten hoher Inflation gelten Immobilien und Edelmetalle. Für ein schuldenfreies Haus spricht das mietfreie Wohnen im Ruhestand. Anlageimmobilien stellen stetige Mieteinnahmen in Aussicht. Bei den Edelmetallen gilt Gold seit Menschengedenken als universelles Zahlungsmittel. Das glänzende Gelb hat nicht nur Krisen, Unruhen und Katastrophen überstanden, sondern auch sämtliche Währungsreformen, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat. Allerdings raten Experten von Münzen und Barren als Anlage eher ab. Interessanter sind da eher spezielle Gold- oder Rohstofffonds.

Egal wie, das Thema Inflation berührt momentan alle Anleger. Jeder sollte deshalb seine eigene Strategie überprüfen oder entwickeln, um den Vermögensaufbau in die private Altersvorsorge wetterfest zu machen.Ambesten nach dem Baukastenprinzip. Denn egal, ob nun die Geldentwertung überdurchschnittlich hoch ist oder akzeptabel niedrig: Bei der Geldanlage, gleich zu welchem Zweck, bietet die breite Streuung des Kapitals, die sogenannte Diversifizierung, die beste Lösung - bei der Rendite und als Risikobremse.

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(SZ vom 30./31. August 2008)