Die Einführung einer Bankenabgabe ist richtig. Ein Allheilmittel für Krisen ist sie allerdings nicht.
Seit fast sechs Monaten ist die Koalition nun auf der Suche - nach sich selbst, nach einem sinnstiftenden Projekt, vor allem aber nach einem Thema, mit dem sich rasch beim Bürger punkten lässt, am besten noch vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen. Viele Ideen wurden diskutiert und jetzt, endlich, scheint eine gefunden, die allen Anforderungen genügt: die Bankenabgabe.
Kein Bankenfonds der Welt ist groß genug, um alle Systemrisiken abzudecken. Am Ende wird es deshalb immer der Steuerzahler sein, der in die Bresche springen muss - und notfalls auch bluten muss. (© Foto: dpa)
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Vereinfacht gesagt wollen Union und FDP von den Instituten eine jährliche Gebühr verlangen, um sie an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen und einen Vorsorgefonds für künftige Turbulenzen aufzubauen. Derlei "Banker-Bashing" kommt beim Volk an, und die Wortwahl der Koalitionäre verrät, dass man sich dessen absolut bewusst ist: "Zocken", so heißt es in der Regierung, dürfe sich nicht länger lohnen.
Nun ist eine Idee nicht automatisch schlecht, nur weil sie populär ist. Das gilt auch für die Bankenabgabe - wenn sie denn richtig konstruiert wird.
Wichtig ist zunächst, dass man sich von der Vorstellung verabschiedet, die Gebühr sei so etwas wie eine Geldstrafe für das Verhalten der Banken vor und während der Finanzkrise. Wäre dem so, dürften nur diejenigen Institute belastet werden, die durch eigenes Fehlverhalten auch tatsächlich zum Ausbruch der Krise beigetragen haben. Es dürfte schwierig sein, eine solche Auswahl zu treffen. Sinnvoller wäre es deshalb, den Blick nach vorne statt nach hinten zu richten und sich durch den Aufbau eines Fonds, in den alle Banken einzahlen, für die nächste Krise - und die wird kommen - zu rüsten. Gerät ein Institut dann in eine Schieflage, müsste nicht der Staat, sondern der Fonds als Ersthelfer einspringen.
Klingt einfach, ist es aber nicht, denn es bleiben viele Fragen offen. So muss die Abgabe zunächst mit all den anderen neuen Regeln verzahnt werden, die der Bund als Lehre aus der Finanzkrise plant. So sollen die Banken etwa dazu verpflichtet werden, in guten Zeiten mehr Reserven zu bilden und riskante Geschäfte mit mehr Eigenkapital abzusichern.
Alle diese Vorgaben sind für sich genommen sinnvoll, sie dürfen aber in der Summe nicht dazu führen, dass die Institute ihre wichtigste Aufgabe, die Kreditvergabe, nicht mehr in vollem Umfang erfüllen können. Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass die Gebühr mit zunehmender Risikoneigung einer Bank steigt. Nur so lässt sich eine Lenkungswirkung erzielen und sicherstellen, dass am Ende nicht die kleinen Institute für die Fehler weniger großer zahlen müssen.
Drittens stellt sich die Frage, wie die eingesammelten Milliarden angelegt werden sollen, ohne dass neue Risiken entstehen. Und schließlich müsste ein Teil der Fondsmittel an den Bundeshaushalt überwiesen werden, etwa indem man die Zinserträge regelmäßig abschöpft. Der Grund: Kein Bankenfonds der Welt wird je groß genug sein, um alle Systemrisiken abzudecken. Am Ende wird es deshalb immer der Steuerzahler sein, der in die Bresche springen muss - allen populären Vorhaben zum Trotz.
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(SZ vom 23.03.2010/mel)
Ägypten
Wie gut, dass niemand merkt, dass dann z.B. die Riester-Rente noch unattraktiver wird. Die Förderung landet eh schon als Gebühr bei den Anbietern. Die magere Restrendite geht dann als Steuer an den Staat. Die Banken werden Wege finden, die Steuer zu vermeiden. Es wird genügend Länder geben, die ihnen steuerfreie Transaktionen ermöglichen (Schweiz, Österreich, Luxemburg etc.). Dann werden die Transaktionen halt nicht mehr in D getätigt...
warum und wohin soll die Bankenabgabe entrichtet werden?
warum schreibt man den Banken nicht einfach eine deutlich höhere Eigenkapitalrücklage (EK) vor und das noch gewichtet nach den Risikopapieren. Statt derzeit min. 8% vielleicht 20% EK.
Dann bleibt das Vermögen der Institute in der Bank und jeder kann sich selber retten, in dem im Krisenfall das EK angegriffen wird.
Was soll daran so schwer sein? Die Bankenabgabe ist wieder einmal rein populistisch - frei nach dem Motto: wir tun was und bestrafen die bösen Banken...
Was will man von diesen Politiker, schon anderes erwarten...
Putzig sind auch andere Details:
Etwa die Reaktion der Sparkassen. Sie verweisen auf ihr "biederes regionales Geschäft", weisen jede Verantwortung für die Finanzkrise empört von sich und wollen daher nicht zahlen. Haben denn in den Verwaltungsräten diverser Landesbanken nicht lauter Sparkassenfunktionäre gesessen und die ruinösen Geschäfte außerbinanzieller Zweckgesellschaften abgenickt? Oder die in der Kabinettvorlage vorgesehene verlängerte Managerhaftung. Da ist ausdrücklich nur von Organen börsennotierter AGs die Rede. Politiker in Kontrollgremien sollen also weiterhin ungeschoren davonkommen?
Coffeeshop.
Sie haben recht, das ist der reine Dummenfang. Der Umfang der Abgabe pro Jahr soll in der Summe 1 Milliarde EUR betragen:
Nur zur Erinnerung: Die Rettung unserer Zockerbanken (Anteilskauf HRE, Garantien für Schrottpapiere, Bürgschaften etc.) hat den Steuerzahler bisher ca. 170 Milliarden EUR gekostet.
Und jetzt die Rechenaufgabe: wie lange müssen die Banken in den Bankenabgabe-Topf einzahlen, wenn die nächste Kriste genauso teuer werden sollte?
so real wie Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Aber es klebt im Hirn, das langt dem Michel.
Paging