Von Linda Ross

Wenn Bankkunden den Geldautomaten eines Fremdinstituts nutzen, werden hohe Gebühren fällig. Hintergrund ist ein Streit zwischen den Banken.

Wer Geld am Automaten einer fremden Bank abhebt, der zahlt Gebühren - und die sind in letzter Zeit kräftig gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie der FMH Finanzberatung. Musste ein Kunde 2006 für Geldabheben mit der EC-Karte am Automaten der Konkurrenz noch durchschnittlich 4,38 Euro bezahlen, sind es jetzt schon 0,76 Euro mehr. 24 der 50 untersuchten Geldinstitute haben die Entgelte erhöht.

Geldautomat, dpa

Wenn Bankkunden bei einem fremden Institut Geld abheben wollen, dann kann das sehr teuer werden. (© Foto: dpa)

Anzeige

Für viele Verbraucher ist das zunächst kein Problem, denn sie sind nicht unmittelbar betroffen: "Nur wenige unserer Kunden heben bei Fremdbanken ab, sie können ja in der Cash Group an 7000 Automaten in Deutschland kostenfrei abheben", heißt es etwa bei der Deutschen Bank. Sparkassenkunden können sich sogar an knapp der Hälfte der insgesamt 57.000 Geldautomaten in Deutschland kostenlos Bargeldnachschub holen.

Schlechtere Karten haben hingegen Kunden von Citibank oder Sparda-Banken. Zwar sind auch diese in einem Verbund zusammengefasst, dem sogenannten CashPool. Dieser umfasst aber nur rund 2500 Automaten. Da findet sich nicht an jeder Ecke eine kostenfreie Geldquelle.

Aber auch für einen Kunden der Deutschen Bank kann der Moment kommen, in dem er ganz dringend Bares braucht und kein Cash-Group-Automat erreichbar ist. Dann wird es teuer: Ein Prozent der Abhebesumme, mindestens aber 5,99 Euro kostet es bei der Deutschen Bank, wenn der Kunde an einem Fremdautomaten Geld zieht. Vor drei Jahren waren es noch 41 Prozent weniger.

PSD-Bank erhöht Gebühren drastisch

Besonders kräftig haben zwei Banken aus der PSD-Gruppe die Gebühren erhöht: Die PSD Bank Kiel nimmt 2009 86 Prozent mehr als im Vorjahr; Kunden zahlen jetzt 6,50 Euro. Bei der PSD Bank Westfalen-Lippe fallen Gebühren von sechs Euro an, 71 Prozent mehr als noch 2007. Die PSD-Gruppe ist allerdings im genossenschaftlichen Finanzverbund, das heißt ihre Kunden können an den etwa 18.200 Automaten der Volks- und Raiffeisenbanken kostenlos Geld abheben.

Der Grund für die Erhöhungen der Entgelte ist ein Streit zwischen den Banken. So stellt ein Institut A einem Institut B Gebühren in Rechnung, wenn ein Kunde der B-Bank am Automaten der A-Bank Geld abhebt. Die Höhe dieser Gebühren legen die Banken willkürlich fest - und so sind diese kontinuierlich gestiegen. Nach Recherchen der FMH Finanzberatung sind Belastungen von bis zu 20 Euro keine Seltenheit mehr.

Die Hausbank bereichert sich also in der Regel nicht durch die Entgelte - für sie bringt das Fremdgehen des Kunden sogar Kosten mit sich. "Die Sparkasse Münster berechnet uns 7,50 Euro, wenn einer unserer Kunden an ihrem Automaten Geld abhebt. Sechs Euro geben wir an den Kunden weiter, das bedeutet, wir machen einen Minus von 1,50 Euro", erklärt Reinhard Schlottbom, der Vorstandsvorsitzende der regional beratenden Direktbank PSD Westfalen-Lippe. Er nennt diese Entwicklung einen "Webfehler des Systems", durch das Banken, die nicht wie die PSD Banken Mitglieder in großen Verbünden sind, ausgegrenzt werden.

"Keine Ausweichmöglichkeiten"

Schlottbom ist dafür, dass am Automaten ein Hinweis angebracht werden sollte, wie viel die Fremdbank der Hausbank fürs Abheben berechnet. So könne sich der Verbraucher bewusster entscheiden. Verbraucherschützer Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) sieht hingegen den Verbraucher als Opfer des Streits zwischen den Banken.

"Der Verbraucher hat effektiv keine Ausweichmöglichkeiten. Wenn er zu einem anderen Anbieter mit geringeren Abhebegebühren bei Fremdbanken wechselt, weiß er auch nicht, wie lange dieser die Gebühren niedriger hält", sagt Pauli. Denn dieser Wechsel halte die Automatenbetreiber ja nicht ab, ihre überhöhten Gebühren unter den Banken weiter einzufordern. Entgelte von 7,50 Euro von Kunden zu verlangen, sei in jedem Fall nicht vertretbar, lägen Nutzungs- und Instandhaltungskosten faktisch doch nur bei etwa 60 Cent pro Abhebung.

Einige Direktbanken, zum Beispiel die ING-Diba oder die DKB, bieten - da sie selbst nur wenige Geldautomaten betreiben -, ihren Kunden an, mit der Kreditkarte in ganz Deutschland kostenfrei an allen Automaten abzuheben. Rund 60 Sparkassen war das gar nicht recht, sie sperrten ihre Automaten für die Direktbankkunden. Der Fall wird vom Kartellamt geprüft - auch wieder ein Wettbewerbshickhack der auf Kosten der Verbraucher geht.

Leser empfehlen 

(SZ vom 29.07.2009/tob)