Die englischen Fußballclubs liegen bei den Einnahmen - und damit auch in der Champions League - vorne. Dafür zahlen die Fans deutlich mehr als in Deutschland.
Gäbe es einen Zusammenhang zwischen Profit und sportlichem Erfolg, dann hätte ein Bundesligist die Champions League gewinnen müssen. Schließlich ist die Bundesliga mit einer Gewinnmarge von 18 Prozent die profitabelste Fußballliga der Welt.
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Michael Ballack ist nur einer der Top-Spieler, die sich die englischen Clubs leisten können. (© Foto: dpa)
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Topspieler in England
Entscheidend für den Erfolg ist jedoch der Umsatz. Und hier liegt die englische Premier League vorne. Die Bundesliga folgt mit weitem Abstand, ganz zu schweigen von kleineren Ligen wie die von Holland, Österreich oder Schottland. Die englischen Klubs können mehr Topspieler verpflichten, was sich wiederum in den internationalen Erfolgen der englischen Spitzenmannschaften spiegelt.
Bevor sich die deutschen Fußballfans jetzt grämen, sollten sie sich die wirtschaftlichen Ursachen anschauen: Die Engländer verfügen einerseits über den Vorsprung, weil sie pro Spieltag deutlich mehr Geld je Zuschauer verdienen. Sie kommen auf 61 Euro, in Spanien sind es 25 Euro und in Deutschland gar nur 17 Euro.
Wer zahlt, gewinnt
Dies liegt daran, dass den englischen Klubs in der Regel ihre Stadien gehören, aber auch an den vergleichsweise hohen Ticketpreisen. Andererseits nimmt die englische Liga mit Abstand das meiste Geld durch die Übertragungen ihrer Spiele im Bezahlfernsehen ein. Den Preis dafür zahlen wiederum die Fußballfans, sie müssen viel Geld ausgeben oder können nur relativ wenige Spiele im freien Fernsehen schauen, ganz anders als in Deutschland.
Höhere Einnahmen der Fußballklubs bedeuten am Ende eben immer höhere Ausgaben für Fußballfans. Umgekehrt müssen die Fußballfans in Deutschland damit leben, dass ihre Vereine wegen geringerer Einnahmen auf absehbare Zeit wohl keine Champions League gewinnen werden.
(SZ vom 28.8.2008/kim/jkr)
Fussball-Nationen, die in TV-Geldern baden, müssen einen hohen Preis für den Erfolg ihrer Vereinsmannschaften zahlen: Die Erfolglosigkeit ihrer Nationalmannschaften.
Je mehr Geld für Gehälter gezahlt wird, desto mehr Stars werden aus dem Ausland eingekauft. Und desto weniger Chancen haben einheimische Spieler, Länderspielklasse zu entwickeln.
Beispiel Italien:
Zum einzigen EM-Titel (1968 als Gastgeber) heißt es in Wikipedia Im Finale wurde dem Schiedsrichter eine Bevorteilung des Gastgebers vorgeworfen. Kein wirklich schöner Erfolg.
Beim einzig halbwegs verdienten Titel bei der WM 1982 waren die Deutschen im Finale, das nur 3 Tage nach dem kräftezehrenden Halbfinale gegen Frankreich (mit Verlängerung, Elfmeterschießen und einem durchgedrehten Toni Schumacher) stattfand, lediglich konditionell überfordert. Wenn die Deutschen um Rummenigge, Breitner, Schumacher, Briegel, Fischer, etc. ausgeruht gewesen wären, hätte der Weltmeister 1982 vermutlich Deutschland geheißen. Zitat aus Wikipedia zur WM 1982: Außerdem war in dieser Vorrunde bemerkenswert, dass Italien, als späterer Gewinner dieses Turniers, kein einziges Spiel gewann. In einer Vorrundengruppe mit fünf Unentschieden in sechs Spielen reichte den Italienern bei gleicher Tordifferenz ein mehr geschossenes Tor gegenüber der Mannschaft aus Kamerun, um als Zweiter eine Runde weiter zu kommen.
Und wenn man überlegt, welche Mannschaft in den letzten Jahrzehnten einen WM-Titel am wenigsten verdient hat, dann waren das die Italiener 2006.
Ansonsten hat Italien trotz seines hässlichen Catenaccio keinen Blumentopf gewonnen reziprok zu den italienischen Vereinsmannschaften.
Beispiel Spanien:
Kam nie in die Nähe eines Weltmeistertitels und war meist nur guter Durchschnitt. Nach 44 Jahren ein unverdienter EM-Titel. Nicht, weil Deutschland im Finale nach starken ersten 10 Minuten das Fussballspielen eingestellt hat, sondern weil Holland die mit Abstand beste Mannschaft des Turniers war und den Titel verdient gehabt hätte (warum die Holländer gegen die Russen gespielt haben, als hätte die russische Wettmafia ihre Kinder bedroht, wird man wohl nie erfahren).
Umgekehrte gilt: Je weniger TV-Geld zu Spielerimporten führt, desto besser können sich die Nationalmannschaften entwickeln. Siehe nicht nur Südamerika, sondern auch erstaunlich ansprechende Leistungen afrikanischer Mannschaften.
Das Geld die englischen Premier League ist also ein Mühlstein am Hals der englischen Nationalmannschaft.
Was macht ein Engländer, nachdem England Fussball-Weltmeister und -Europameister geworden ist?
Er legt die Playstation wieder aus der Hand.
In London kostet der Eintritt für einen 3-Liga-Club £ 20. Das ist eine Frechheit. Und man muss bei Arsenal und Tottenham zumindest zahlendes Fan-Club Mitglied sein, um überhaupt eine Chance auf einen freiwerdenden Sitzplatz zu bekommen. Da gehe ich lieber in Deutschland ins Stadion.