In Deutschland brauchen alle Wohnungen bald einen Energiepass. Anhand von Effizienzklassen können Mieter und Käufer dann erkennen, ob die Wohnung zu viel Heizenergie verschwendet.
Drei-Zimmer-Wohnung zu vermieten? Küche? Diele? Bad? "3 Zi. KDB", so viel steht fest, reicht bald nicht mehr im anspruchsvollen Inserat. Künftig geht es der deutschen Wohnung wie dem Kühlschrank: Sie wird in Effizienzklassen eingeteilt, für jeden sichtbar im "Energiepass".
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Die grüne Wohnung ist im Winter warm und braucht trotzdem nicht viel Energie, die rote wird nur warm, wenn alle Heizkörper heißlaufen - zu viel Wärme verschwindet durch Fenster, Wand und Dach. "Mieter und Käufer von Immobilien", schwärmt Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee, "können bald auf einen Blick einen Eindruck bekommen, welche Nebenkosten auf sie zukommen."
Die Weichen dafür stellte die Bundesregierung am Mittwoch. Monatelang hatten die Minister über Wesen und Kriterien des "Gebäudeenergieausweises" gestritten. Nun soll er schrittweise kommen, mit neuen Pflichten für die Besitzer von Wohnungen und Häusern, mit neuen Rechten für Mieter und Käufer.
Wer in ein älteres Gebäude einziehen möchte, hat künftig das Recht zur Ausweiskontrolle - und kann dann entscheiden, ob ihm die Heizkosten zu hoch sind. Vom 1. Januar 2008 an braucht jedes vor 1965 gebaute Haus einen Energieausweis, ein halbes Jahr später sind auch jüngere Häuser an der Reihe. "Die Energieeffizienz wird damit zu einem zentralen Entscheidungskriterium", hofft der Minister.
Häuser verbrauchen 40 Prozent der Energie in Deutschland
Dem deutschen Gebäudebestand kann das nicht schaden. Knapp 40 Prozent der gesamten deutschen Endenergie geht in Gebäuden drauf, im Wesentlichen für die Heizung. Und drei Viertel der deutschen Wohngebäude sind älter als 30 Jahre - und liegen damit außerhalb aller Wärmeschutzregeln; die wurden erst 1977 erlassen. Das wiederum geht auch am Klima nicht spurlos vorbei: In deutschen Heizungskellern entsteht annähernd so viel CO2 wie im Autoverkehr.
Zumindest in kleinen Mietshäusern und Eigenheimen steht nun ein Besuch vom Energieberater ins Haus. "Wir schauen uns die Dämmung an, die Fenster, die Heizung", sagt der Berliner Ingenieur Christof Dreßler, einer von Hunderten Spezialisten mit Lizenz zum Passausstellen. Kostenpunkt: von 350 Euro aufwärts. "Je nach Gebäude und Aufwand kann das auch durchaus bis 1500 Euro hochgehen", sagt Dreßler. Auf die Nebenkosten dürfen Vermieter dies übrigens nicht umlegen.
Billiger wird der Ausweis für Gebäude mit mehr als vier Wohnungen und für Häuser, die den Wärmeschutzregeln von 1977 entsprechen. Hier müssen die Energieberater nicht lange kontrollieren, sondern können den Energieverbrauch der Häuser anschauen und daraus auf deren Dämmung schließen. Kosten: geschätzte 60 bis 150 Euro pro Wohnung.
Zehn Jahre soll der Energieausweis dann gelten. Neben der Effizienzklasse steht in dem mehrseitigen Papier auch drin, mit welchen Nachrüstungen sich die Energiebilanz verschönern lässt. Die Berater - meist Handwerker mit Zusatzschulung - finden sich inzwischen überall in der Republik; das Geschäft mit dem Pass ist reizvoll.
Manche Experten zweifeln jedoch an der Wirkung des Passes. "Auf eine schöne Wohnung wird ein Mieter wohl kaum wegen schlechter Energiewerte verzichten", sagt Manuel Frondel vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI. So wichtig sei Mietern und Käufern die Energiebilanz auch wieder nicht. "Da entsteht viel Aufwand", findet Frondel, "aber nur wenig Nutzen."
(SZ vom 26.4.2007)
wie ich in einem vorhergehenden Artikel zum selben Thema schon schrieb, sind mir als Vermieter die Kosten des Energiepasses und die sich daraus ergebenden Modernisierungskosten einerlei, Ich lege die Energiepasskosten auf die Nebenkosten um bzw. erhöhe durch die Modernisierungskosten die Mieten in den laufenden neun Jahren, so ich denn dadurch gezwungen werden sollte zu modernisieren.
Ein Freund von mir, leitender Angestellter im Münchner Mieterverein und selbst Vermieter will es genauso machen.
Soviel zu dem ausufernden Schwachsinn, den im Endergebnis immer die Mieter zahlen.
MfG
Wir leben in einem Haus Baujahr 1934. 2 Wohnungen EG/ 1.St. im Dach drei moeblierte Zimmer. Die Waende sind poroes, der Aussenputz liegt praktisch nur noch auf. Die Fenster sind zwar thermopen, schliessen jedoch nicht wirklich. Ausserdem kan man die Aussengeraeusche durch die Rahmenfugen der Fensteer wahrnehmen. Der Punkt ist, dass diese Wohnung ohne Nebenkosten vermietet wird. Die gesamte Abrechnung laeuft ueber die Stadtwerke ab. Auf das Problem der exorbitanten Nebenkosten von ca. EUR 230,00/Monat angesprochen, antwortet der Vermieter nur mit Achselzucken. Wie soll man also einer derartigen Hintertuer begegnen. Der Vermieter sieht auch keinerlei Problem darin. Und wird das auch weiterhin nicht sehen. Warum auch. Ob dieser Pass wirklich die ehrenwerten Hauseigentuemer oder deren Verwaltungsfirmen irritiert bleibt wohl faglich.
Mit meinen Erfahrungen als Mieterin kann ich den Energiepass nur gutheißen. Vermieter sind häufig gleichgültig gegenüber hohem Verbrauch, sie zahlen ihn ja nicht. Wenn die Leute ohne Bürokratie und Zwang nicht vernünftig handeln, dann brauchen sie das scheints. Hauptsache es wird angefangen mit Einsparung und Wirtschaftlichkeit, wenn man immer wartet, bis das ganze Procedere total perfekt ist und wirklich jedem gefällt, passiert ja nie was.
Energiepässe sind ganz gut und schön, aber leider nur theoretische Berechnungen auf dem Papier, die meistens nur nach Bauplänen oder Zeichnungen erstellt werden. Rechnerisch werden immer beste Ergebnisse erreicht. Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Erst mit einer vorausgehenden thermografischen Untersuchung und einer Blower Door Luftdichtheitsprüfung der Gebäudehülle, lassen sich Leckagen bzw. Wärmebrücken sicher nachweisen und beurteilen. Erst danach kann ein Energieberater eine objektive energetische Bewertung des Gebäudes durchführen.
Wiedermal ein Haufen bürokratischer Schwachsinn, der nur einen Sinn hat: Kassieren. Gängeln und Abkassieren, auf diesen Nenner kann man eigentlich alle neueren Bemühungen des Gesetzgebers bringen. Jede Menge Aufwand, wenig Nutzen und die Berater dürften auch im Hauruckverfahren geschult worden sein. Vielleicht verdient sich der eine oder andere ja sogar was dazu, indem ein Auge zugedrückt wird bei der Besichtigung und Einstufung?
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