Von Von Walter Schmidt

Das neue Gebäude des Umweltbundesamtes in Dessau kommt fast ohne Heizung aus. Was in anderen Passivhäusern nicht möglich ist: Jeder kann dicke Luft durchs offene Fenster abziehen lassen.

Dieser Neubau durfte keine Energieschleuder werden: Im kommenden Jahr soll das Umweltbundesamt (UBA) von Berlin nach Dessau umziehen. Und damit über dem neuen Dienstsitz nicht gleich ein Kübel Häme ausgekippt wird, achteten die Planer nicht nur auf ökologische Baustoffe, sondern auch auf die Energiebilanz. Das neue UBA-Gebäude soll zu den sparsamsten Häusern in Deutschland gehören.

Blick auf die Fassade des Neubaus des Umweltbundesamtes in Dessau. Holz hinter Glas prägt die Fassade. Sauerbruch Hutton Architekten Berlin haben das Gebäude geplant. (© Foto: ddp)

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Beim energiesparenden Bauen "hat die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion - und wir allemal", sagt Gerd Schablitzki, zuständig für Bau und Technik beim UBA.

Natürlich gilt für Bürogebäude ebenso wie für Wohnhäuser, dass sie möglichst wenig Energie zum Heizen, Kühlen und Beleuchten verbrauchen sollten. Wer Begriffe wie "Niedrigenergiehaus" oder gar "Passivhaus" hört, denkt meist an sorgfältig geplante Eigenheime. Aber auch bei Bürobauten gibt es Vorzeigeprojekte.

Eines davon steht im Hamburger Stadtteil Stellingen. Dort haben Forscher der Technischen Universität Hamburg-Harburg eine Klimaanlage nach neuen Prinzipien entwickelt. Die nötige Kälte wird nicht mit Strom betriebenen Kompressoren erzeugt, sondern in 100 Meter tiefen Erdsonden. Dort wird Wasser gekühlt, das im Sommer durch die Rohre der Fußbodenheizung fließt.

Außerdem wird die Luft im Haus mit einem so genannten Adsorptionsrad getrocknet. Es rotiert langsam, saugt dabei Wasser aus der Luft und wird gleichzeitig mit der Abwärme eines Blockheizkraftwerks wieder getrocknet.

Beim 65 Millionen Euro teuren Neubau des UBA sind die Planer noch weiter gegangen. Das Gebäude entsteht zurzeit in Form einer lang gezogenen Schleife im ehemaligen Dessauer Gasviertel und soll 2005 bezugsfertig sein.

Schablitzki zufolge wird das Bauwerk mit seiner Holzfassade "ein Kompromiss zwischen Behaglichkeit und Energiesparen".

Während Passivhäuser, die ohne eine konventionelle Heizung auskommen, in der Regel vollautomatisch gelüftet werden, habe man sich beim UBA-Neubau bewusst anders entschieden. "Wir wollen individuell die Fenster öffnen können", sagt Schablitzki. Außerdem war der Etat nicht unbegrenzt hoch: "Wir haben das gemacht, was gerade noch bezahlbar war."

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