Elektronische Lohnsteuerkarte Endlich kommt die Pappe weg

Immer wieder wurde die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte verschoben. 2013 kommt sie wirklich - allerdings nur nach und nach. Für Angestellte bedeutet das eine Rückkehr zu fast vergessenen bürokratischen Aufgaben. Doch die können sich lohnen.

Von Malte Conradi

Einigen Arbeitnehmern mag die Hängepartie ganz willkommen gewesen sein. Denn dass die Behörden es in den vergangenen Jahren einfach nicht schafften, die lange beschlossene elektronische Lohnsteuerkarte einzuführen, ersparte vielen Deutschen Arbeit:

Die alte Papp-Lohnsteuerkarte von 2010 behielt Jahr für Jahr ihre Gültigkeit, alle Freibeträge wurden von den Finanzämtern automatisch aus den Vorjahren übernommen. Wer also nicht einen neuen Job anfing, ein Kind bekam oder heiratete, wer nicht in die Kirche eintrat oder die Steuerklasse wechselte, der war fein raus. Wo alles beim Alten blieb, mussten Angestellte sich um nichts kümmern.

Doch damit ist es nun offenbar wirklich vorbei - doch nicht für alle Arbeitnehmer. Denn nachdem ihre Einführung mehrmals wegen Software-Problemen der Ämter verschoben werden musste, steht die elektronische Lohnsteuerkarte nun kurz vor dem Start. Zum 1. Januar 2013 solle sie bundesweit eingeführt werden - hieß es jedenfalls bislang.

Nun aber wird die Sache noch ein wenig komplizierter: Aus einem Entwurf des Bundesfinanzministeriums für eine Anweisung an die Finanzämter geht nämlich hervor, dass die Arbeitgeber das elektronische Verfahren zwar "mit Wirkung ab dem 1. Januar 2013" anwenden "können".

Reibungsloser Start zum 1. Januar nicht sicher

Verpflichtend wird die Umstellung dem Entwurf zufolge aber erst ein knappes Jahr später: "Das Kalenderjahr 2013 wird hiermit als Einführungszeitraum bestimmt", heißt es. Den Arbeitgebern solle damit mehr Zeit gegeben werden, "um auch eventuelle technische und organisatorische Probleme, die bei einem gleichzeitigen Einstieg aller Arbeitgeber zu einem festen Termin entstehen könnten, zu vermeiden."

Ein Sprecher des Finanzministeriums wollte aber auch nicht ausschließen, was Finanzbeamte hinter vorgehaltener Hand schon länger argwöhnen: Dem Ministerium könnte ein weiterer - zumindest partieller - Aufschub ganz recht sein, weil der ein oder andere Vertragspartner die komplizierte Software bis zum Stichtag am 1. Januar nicht reibungslos zum Laufen kriege.

Für Arbeitnehmer heißt das: Einige von ihnen werden ihre erste Lohnabrechnung im neuen Jahr auf Grundlage der elektronischen Lohnsteuerkarte erhalten. Bei anderen wird es damit noch ein wenig dauern, theoretisch bis zur letzten Abrechnung des Jahres. Für sie gilt die alte Lohnsteuerkarte aus dem Jahr 2010 weiter - oder die in der Zwischenzeit vom Finanzamt ausgestellte Ersatzbescheinigung.