Innerhalb weniger Tage stürzt US-Notenbankpräsident Ben Bernanke die Börsen in Euphorie und holt sie zurück in die bittere Realität - Die Zinsen bleiben wohl unverändert. Die USA könnten wirtschaftlich hinter Deutschland zurückfallen.
Notenbanker beziehen ihre Autorität nicht nur aus dem, was sie tun, sondern auch aus dem, was sie sagen oder nicht sagen.
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Notenbankchef Ben Bernake sagt ein langsameres Wachstum für die US-Wirtschaft voraus. (© Foto: Reuters)
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In Amerika war jetzt das Schauspiel zu beobachten, dass Ben Bernanke, der Präsident der Fed, innerhalb einer Woche die Aktienmärkte erst in Euphorie versetzt und sie dann wieder auf den Boden zurückholt, und zwar mit Äußerungen zu exakt dem selben Thema: Wie ist der Zustand der amerikanischen Wirtschaft?
Nervosität an der Wall Street
Vorige Woche lasen Aktienhändler und Analysten aus dem Kommentar der Notenbank zu ihrer Zinsentscheidung noch heraus, dass die Zinsen bald sinken könnten. Am Mittwoch sagte Bernanke vor einem Kongressausschuss aus - jetzt glauben plötzlich alle, dass die Zinsen doch so bleiben wie sie sind.
Das Hin und Her ist allerdings kaum dem mangelnden Kommunikationstalent des Fed-Chefs zu schulden. Der ist zwar immer noch relativ neu im Amt, aber er hat aus seinen ersten großen Pannen im vergangenen Frühjahr gelernt (damals hatte er bei einem Abendessen in Washington mit einer bekannten Fernsehjournalistin über Zinspolitik geplaudert) und sich um eine klare Sprache bemüht.
Amerikas Wirtschaft langsamer als deutsche
Ursache für die Nervosität an der Wall Street ist vielmehr die Unsicherheit in den USA über die ökonomische Zukunft des Landes. Die Wirtschaft wächst langsamer - nach Schätzungen der Fed werden es in diesem Jahr zwei Prozent werden, womit Amerika erstmals seit den frühen neunziger Jahren wieder hinter Deutschland liegen dürfte. Trotzdem sehen die Ökonomen der Notenbank immer noch Inflationsrisiken.
Die Investitionen der amerikanischen Unternehmen fielen zuletzt enttäuschend aus, der Auftragseingang im Februar war schwach, auch das Vertrauen der Verbraucher hat gelitten. Am gefährlichsten für die Konjunktur aber ist der Immobiliensektor.
Geplatzte Immobiolienblase
Dort ist die Spekulationsblase im vergangenen Herbst geplatzt. Die Korrektur ist zwar zunächst überraschend mild ausgefallen, trotzdem sinken die Preise für Häuser und Grundstücke in einigen Teilen des Landes kräftig.
Immer mehr Hausbesitzer können ihren Schuldendienst nicht mehr bezahlen, zwanzig kleinere Hypothekenbanken, die mit riskanten Darlehen an ärmere Hauskäufer Geld verloren haben, sind inzwischen pleite.
Bernanke glaubt, dass die Krise begrenzt werden kann. Einige Ökonomen sind sich in dieser Hinsicht aber nicht mehr so sicher: Sollte der Preisrückgang nicht gestoppt werden, könnte es weitere Finanzinstitute treffen.
Außerdem leidet jetzt schon die Bauindustrie, ein zentraler Sektor der amerikanischen Volkswirtschaft. Und schließlich hängt die Konsumkraft der amerikanischen Haushalte entscheidend davon ab, wie viel ihr Wohneigentum wert ist.
Zinsen lassen wie sie sind
In dieser unsicheren Situation macht die Notenbank das, was die Logik gebietet: Sie lässt die Zinsen so wie sie sind, sie versucht dem Publikum möglichst präzise zu erklären, wie sie die Lage einschätzt und macht klar, dass sie Risiken im Auge hat.
Hier liegt ein klarer Unterschied zwischen Bernanke und seinem Vorgänger Alan Greenspan: Ihm war es wichtig, die Märkte immer wieder im Unklaren über seine Gedanken zu lassen. So viel steht jedenfalls fest: Die Fed wird schnell mit Zinssenkungen reagieren, falls sich die Lage verschlechtern sollte.
An der Wall Street macht der Satz die Runde, Bernanke habe mit seinen Formulierungen einen "Put" an den Märkten platziert, also eine Verkaufsoption, die es den Händlern - im übertragenen Sinne - erlaubt, sich gegen mögliche Rezessionsgefahren abzusichern. Insofern ist Bernankes Position so klar, wie sie nach Lage der Dinge sein kann.
(SZ vom 30.03.2007)
Eurovision Song Contest
Soll man den Leitzins erhöhen, um die Inflationsgefahr einzudämmen, oder soll man die Zinsen senken, um die Wirtschaft anzukurbeln? Es gibt Momente, wo es am besten ist, zunächst gar nichts zu unternehmen. Wenn es ernst wird, kann man immer noch jederzeit eingreifen. Auch wenn das US-Wirtschaftswachstum die ursprünglich erwarteten 2,9 Prozent nicht erreicht, so liegt es immer noch höher als das deutsche.
...warum legen die Menschen in den USA ihr Schicksal immer noch in die Hände einer Privatbank (ja, die US-Notenbank ist eine Privatbank)
Die Kontrolle durch den Kongress ist doch eine Farce, denn gewählt werden nur die, die genug Wahlspenden bekommen. Und die gibt es nur bei geeigneter Ideologie.
Die Fed hat alles in der Hand, um die Wirtschaft in Konjunktur oder Rezession zu manövrieren und hat dies seit der Gründung 1913 schon einge Male getan.
Dazu der zeitlose Doku-Klassiker "Money Masters", immer wieder wichtig:
Teil 1
http://video.google.de/videoplay?docid=-8753934454816686947
Teil 2
http://video.google.de/videoplay?docid=-7336845760512239683