Einigung beim Krisengipfel Die Blender von Brüssel

Griechenland darf nicht pleitegehen - das wollten die Euro-Länder mit dem neuen Rettungspaket vermeiden. Doch die erste Ratingagentur sagt: Der Zahlungsausfall kommt. Dabei kommen die Banken bei den Beschlüssen besser weg, als Merkel und Sarkozy beteuern. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Brüsseler Einigung und ihren Folgen.

Von Johannes Aumüller, Lutz Knappmann und Hans von der Hagen

Die Euro-Länder haben sich auf ein neues Rettungspaket für Griechenland geeinigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was hat der Sondergipfel konkret beschlossen?

Im Wesentlichen ein neues Hilfspaket für Griechenland. Dem klammen Staat wird ein Teil seiner insgesamt 350 Milliarden Euro Schulden erlassen. Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) tragen mit insgesamt 109 Milliarden Euro die Hauptlast, dazu kommen - angeblich - 50 Milliarden Euro von privaten Gläubigern. Darüber hinaus beschlossen die Staats- und Regierungschefs, die Aufgaben des Euro-Rettungsfonds EFSF zu erweitern, um ein Überschwappen der Krise auf andere Euro-Länder zu verhindern.

Hat Griechenland nun den formellen Zahlungsausfall - den berüchtigten "Default"?

Vor Veröffentlichung der Details des Rettungsplans ist unklar, ob am Ende hier eine einheitliche Bewertung geben wird. Die Beteiligung der Banken ist bislang als "freiwillig" deklariert worden. Ob sie tatsächlich freiwillig bleibt, ist offen. "Die praktische Umsetzung der Gläubigerbeteiligung könnte noch gewisse Unsicherheiten an den Märkten hervorrufen", warnte Bankenverbandschef Michael Kemmer. Es seien noch einige wichtige Variablen der Beschlüsse vom Euro-Gipfel zu klären. Die Ratingagentur Fitch preschte zwar vor und kündigte an die Anleihen Griechenlands mit der Bewertung "eingeschränkter Zahlungsausfall" zu versehen. Der Derivateverband ISDA sieht hingegen keinen Anlass für ein "Kreditereignis", also einen formellen Zahlungsausfall. Diese Einschätzung ist von großer Bedeutung, da ein Übergreifen der Krise auf den Markt für Kreditderivate wie Credit Default Swaps (CDS) verhindert wird. Eine verheerende Kettenreaktion wie nach der Lehman-Pleite, die seinerzeit auch durch die CDS ausgelöst worden war, scheint damit unwahrscheinlich zu sein.

Hat Griechenland mehr Zeit für die Rückzahlung von Schulden?

Ja. Die Laufzeit der Kredite des EFSF soll mindestens auf 15 Jahre verdoppelt werden - sie kann aber wohl auf bis zu 30 Jahre steigen. Verlängert werden auch die Laufzeiten der Griechenland-Hilfen, die direkt über die Nationalstaaten abgewickelt werden - in Deutschland etwa über die staatliche Förderbank KfW.

Wie hoch ist die Beteiligung der Privaten tatsächlich?

Sie ist wohl weitaus geringer, als es die Äußerung von Josef Ackermann ahnen lässt. "Das trifft uns hart", hatte der Deutsche-Bank-Chef die Beschlüsse des EU-Gipfels kommentiert. Doch diese Einschätzung teilen Juristen nicht: "Dieses Paket als Bankenbeteiligung zu verkaufen, ist schwer zu akzeptieren", kritisiert Udo Reifner, Professor für Wirtschaftsrecht an der Uni Hamburg und wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen. "Viel ehrlicher müsste man sagen: Das ist ein Bankenrettungspaket."

Das bislang vorgelegte Einigungspapier beziffert die Beteiligung des Privatsektors auf insgesamt 50 Milliarden Euro bis 2014. Darin enthalten sind 37 Milliarden Euro, die Banken und anderen privaten Gläubigern angeblich entgehen, wenn die Laufzeiten der Altschulden verlängert und die Zinssätze gesenkt werden. Hinzu kommen demnach knapp 13 Milliarden Euro, die Investoren verlieren, weil sie bei einem vorzeitigen Rückkauf einen Abschlag gegenüber dem Nennwert der Anleihen hinnehmen müssten.

Doch diese Zahlen sind reine Theorie. Details, wie die Bankenbeteiligung ausgestaltet werden soll, sind bislang noch offen. Ebenso unklar ist, wie die Garantien aussehen werden, mit denen der Rettungsfonds EFSF den Umtausch von Anleihen absichern will - und zu welchem Wert Griechenland tatsächlich eigene Staatsanleihen zurückkauft.

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