Jetzt ist es amtlich: Mit einem Billionen-Dollar-Paket unterstützt die US-Regierung private Investoren, die Banken faule Papiere abkaufen.
Im Kampf gegen die schlimmste Bankenkrise seit mehr als 70 Jahren hat US-Finanzminister Timothy Geithner seinen neuen Rettungsplan für die Branche vorgelegt.
Mit dem neuen Programm zur Stützung der Banken solle die Krise schnell und effektiv beendet werden (auf dem Bild: Finanzminister Timothy Geithner). (© Foto: AFP)
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Mit bis zu einer Billion Dollar (737 Milliarden Euro) will die US-Regierung den Kauf von riskanten Wertpapieren fördern. Damit soll das angeschlagene Finanzsystem unterstützt werden, teilte das US-Finanzministerium mit.
Das "Public-Private Investment Program" soll mit einem Startkapital von 75 bis 100 Milliarden Dollar ausgestattet werden. Die Mittel stammen aus dem im vergangenen Oktober beschlossenen Rettungspaket für das Finanzsystem. Durch das Programm soll zunächst der Kauf von bis zu 500 Milliarden Dollar an Wertpapieren ermöglicht werden. Das Programm könnte im weiteren Verlauf verdoppelt werden.
Die Gesellschaft solle an das Finanzministerium an die staatliche Einlagensicherungsgesellschaft Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) angelegt werden. Vorgesehen ist ein gemeinsames Vorgehen mit privaten Investoren, die mit Hilfe des Staates heute praktisch wertlose Anleihen - sogenannte Giftpapiere - kaufen sollen.
Verhängnisvolles Misstrauen
Geithner hatte zuvor in einem Beitrag für das Wall Street Journal geschrieben, mit dem neuen Programm solle die Krise schnell und effektiv sowie zu geringen Kosten für den Steuerzahler beendet werden.
Hintergrund ist das Misstrauen der Banken untereinander, die sich seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers kaum noch Geld leihen. Der Markt für Anleihen, die in Verbindung mit Immobilienkrediten stehen, brach danach in sich zusammen.
Dies belastet die Bilanzen der Bankhäuser. Erste Informationen zum Rettungsplan stellte Geithner schon am 10. Februar vor. Damals reagierten die Finanzmärkte angesichts fehlender Details und des unsicheren Auftritts des Finanzmarktexperten mit starken Kursverlusten.
Nach Angaben der Regierung besteht das Programm aus drei wichtigen Punkten:
- Privatinvestoren sollen mit Hilfe der Regierung faule Wertpapiere aufkaufen. Für jeden Dollar von ihnen soll ein Dollar von der Regierung kommen. Gewinne sollen ebenfalls geteilt werden. Das Geld soll aus dem bestehenden 700-Milliarden-Rettungsplan für Banken kommen.
- Ein weiteres bestehendes Programm stellt Investoren Kredite zur Verfügung, um Anleihen aufzukaufen, die mit Verbraucherkrediten abgesichert sind. Dieser Plan im Umfang von einer Billion Dollar soll jetzt ausgeweitet werden, um faule Wertpapiere zu kaufen.
- Um die Käufe der Papiere zu unterstützen, soll auch die Einlagensicherung FDIC genutzt werden.
Geithner will private Investoren auch gewinnen, um Preise für die faulen Wertpapiere festzulegen. Weil der Markt dafür zusammengebrochen ist, war dies bislang fast unmöglich.
Angst vor einem zweiten Fall AIG
Die Regierung befand sich in einem Dilemma: Hätte sie die Papiere zu einem zu hohen Preis gekauft, wären Milliarden Steuergelder vernichtet worden. Mit einem zu niedrigen Preis hätte sie den ohnehin strauchelnden Banken noch mehr Probleme bereitet, weil sie riesige Abschreibungen zu verzeichnen hätten.
Zusätzlich zu dem Programm will der Finanzminister am Dienstag seine Pläne für die Reform des US-Bankensystems vorstellen, womit eine ähnliche Krise in Zukunft verhindert werden soll.
Ein wichtiger Punkt dabei ist ein Recht der Regierung, systemrelevante Finanzinstitute übernehmen zu dürfen, wenn sie die Stabilität der Branche gefährden.
Der Staat soll das Recht bekommen, im Notfall Zahlungen an Gläubiger eines Unternehmens zu begrenzen und Gehaltskürzungen bei Managern durchzusetzen. Damit soll ein zweiter Fall AIG verhindert werden. Bei dem Versicherungskonzern konnte die Regierung nicht entsprechend eingreifen, was für große Empörung sorgte.
Die Ideen für eine Reform des Finanzsystems will die Regierung noch vor dem G-20-Gipfel am 2. April in London zusammengetragen haben. Dort soll über eine Neuordnung des Sektors und insbesondere über eine schärfere Überwachung diskutiert werden. Mehrere europäische Staaten werfen den USA vor, mit einer zu laxen Kontrolle die derzeitige Krise ausgelöst zu haben.
(sueddeutsche.de/AP/dpa/hgn/tob)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Eine nette Geschichte. Sie stimmt aber nicht. :-)
Bei ihrem Beispiel macht der private Investor 22.000 Dollar Verlust.
@ Tinus77, Balldieb, Stimphi
Nehmen wir mal an, dass eine amerikanische Familie im Jahr 2000 ein Haus für 200.000.- Dollar kaufte und 2008 wegen der Arbeitslosigkeit des Mannes wieder verkaufen musste, dann hat die Familie bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 5,5 Prozent in diesem Zeitraum etwa 78.000.- Dollar Zinsen und 56.000.- Dollar Tilgung an die Bank bezahlt. Das sind 134.000.- Dollar insgesamt. Somit ist der Kredit für die Bank zu einem großen Teil zurückbezahlt. Nachdem nun die Fed vielen Banken mit großzügigen Geldbeträgen unter den Arm gegriffen hat, ist davon auszugehen, dass die Immobilie voll bezahlt ist. Dies erklärt auch, dass Geld für großzügige Boni vorhanden ist. Den Hausbesitzer drücken jedoch noch immer etwa 144.000.- Dollar Schulden.
Nun bekommt der private Investor diese toxischen Papiere zu einem Preis von 144.000.- Dollar, von denen er nur 72.000.- Dollar selbst bezahlen muss, da die andere Hälfte ja von der Fed kommt. Ich gehe einmal davon aus, dass der größte Teil der Amerikaner sich nicht so einfach mit einer under water-Mail aus der Verantwortung stehlen können und die Restschuld begleichen müssen. Da die Immobilie wohl für 50 Prozent des ehemaligen Preises verkauft werden kann, erhält der neue Eigentümer der toxischen Papiere einen Gewinn von etwa 44.000.-, wenn zusätzlich nach dem Immobilienverkauf der ehemalige Besitzer die Schuld bei 2 Prozent Tilgung nach 10 Jahren getilgt hat. Von einer Immobilienkrise kann für die Banken und sonstige Nutznieser keine Rede sein.
Da es in den USA anders als bei uns keinen ausgeprägten Mietmarkt gibt und die Menschen praktisch in Eigentum gezwungen werden, ist davon auszugehen, dass die wenigsten ihre Immobilien Tilgen, sondern über die Zinsen hier quasi lediglich zur Miete im eigenen Haus wohnen. Die hohe Eigentumsquote von 69 Prozent im Vergleich zu 43 Prozent bei uns, spricht hier eine deutliche Sprache. Darüber hinaus erklärt sich auch der hohe Konsum der Amerikaner. Wer Tilgen würde, hätte dafür viel weniger Geld zur Verfügung.
Nicht vergessen werden darf in dieser Geschichte, dass die Amerikaner teure Kriege in der Welt führen, die auch ihren Preis kosten. Es würde mich nicht wundern, wenn mit der angeblichen Bankenkrise ein Szenario ausgearbeitet worden ist, dass deren Finanzierung sichert.
Wer in den USA 1990 für 200.000 USD ein Haus gekauft hat ist fein heraus und hat dort keine Schwierigkeiten. Die Immobilienblase um die es geht, entwickelte sich zwischen 2000 und 2008.
In diesen 8 Jahren steigt das Bruttosozialprodukt (BSP) (amtl. Zahlen) der USA durchschnittlich um 2,4% (wie bei uns!) also kumuliert um etwa 1/5; die durchschnittlichen Häuserpreise steigen aber um 11%, d.h. kumuliert um ca. 130%.
Na und - aus hiesiger Sicht? Nicht aber aus amerikanischer. Denn dort wurde die Differenz zwischen BSP und Steigerung der durchschnittlichen Immobilienpreise verkonsumiert. Das war möglich, weil die Bank die virtuelle Wertsteigerung der Immobilie in gewünschte zusätzliche Konsumentenkredite für die Haushalte ummünzte. Das nennt man wohl über die Verhältnisse leben.
Was dann passierte, ist nur zu verstehen, wenn man die US-Gepflogenheiten bzgl. eines immobilienbesicherten Darlehens sich vor Augen führt. Hierzulande haften sie lt. Notarvertrag bekanntlich mit ihrem ganzen Vermögen. Dort nicht. In den USA schicken Sie ein "jingle mail oder letter" bzw. sind "under water" und tschüss Bank.
Die Bank sitzt nun auf dem Haus und den ggf. mehrmals erweiterten Kredit, der durch den Wert der Immobilie nur zum kleinen Teil gedeckt ist, bringt nicht mehr los und ist klamm.
Es handelt sich also um eine US-Immobilien-Systemfehler.
Besonders schlimm trifft es natürlich diejenigen, die ab etwa 2003/2004 gekauft haben, weil durch die Krise die durchschnittlichen Häuserpreise bis etwa auf diesen Stand gefallen sind und der verkonsumierte Kredit ja weg ist.
Und jetzt der hoffentlich ganze Beitrag:
Eine Frage an die WiWi-Experten hier: Wenn es für diese Papiere (gebündelte Immobilienkredite?) keinen Marktpreis gibt, d. h. es will keiner diese Papiere kaufen, ist der Marktwert dieser Papiere nicht gleich Null?
Anders gefragt: Wenn diese Papiere irgendeinen Wert grüsser 0 hätten, hätte sich nicht irgendwer finden lassen sollen, der diese Papiere auch kauft?
0 hätten, hätte sich nicht irgendwer finden lassen sollen, der diese Papiere auch kauft?
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