Eigentumsförderung Wie Wohn-Riester zum Erfolg wird

Wer baut oder kauft, benötigt meistens einen Kredit. Wohn-Riester kann vor allem Familien mit Kindern helfen, das Darlehen schneller abzubezahlen.

(Foto: Alamy/mauritius images)

Das eigene Haus ist eine gute Anlage für das Alter. Der Staat fördert Käufer daher. Doch wer die Unterstützung nutzt, geht Verpflichtungen und Risiken ein.

Von Janis Beenen

Viele Deutsche haben schlechte Erfahrungen mit der Riester-Rente gemacht: Hohe Gebühren, kaum Rendite und extreme Verluste bei vorzeitiger Vertragskündigung. Diese Liste ließe sich problemlos fortführen. Die Ursache vieler Enttäuschungen liegt in den komplizierten Verträgen, die für Laien kaum zu durchblicken sind. Die Spezialform des Wohn-Riesters ist besonders komplex. Dennoch steigt die Zahl der abgeschlossenen Verträge kontinuierlich, mehr als 1,7 Millionen sind es aktuell. Im ersten Halbjahr 2017 gab es dabei ein Plus von 49 000 Verträgen. Damit sich die sogenannte Eigenheimrente lohnt, gilt es einiges zu beachten.

Wie funktioniert das Modell?

Der klassische Geld-Riester mit Fonds oder Banksparplänen soll im Alter einen monatlichen Zugewinn zur gesetzlichen Rente bringen. Der Wohn-Riester hingegen soll es ermöglichen, schuldenfrei in diese Lebensphase zu kommen. Der Staat hilft, den Kredit für ein Haus oder eine Wohnung abzubezahlen. Alexander Nothaft vom Verband der privaten Bausparkassen spricht von einem "Tilgungsturbo". Statt einer zusätzlichen monatlichen Rente gilt die eigene Immobilie und damit mietfreies Wohnen als Sicherheit für das Alter. Dabei unterstützt der Staat neben dem Bau oder Kauf eines Hauses auch Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. Der Erwerb von Anteilen an einem genossenschaftlichen Wohnprojekt wird ebenfalls gefördert.

Für wen lohnt sich das?

Grundsätzlich kann jeder die Grundzulage des Staates in Höhe von 154 Euro pro Jahr erhalten. 2018 steigt sie auf 175 Euro. Hinzu kommen steuerliche Vorteile. Um die volle Förderung zu bekommen, müssen die Sparer jährlich vier Prozent ihres Bruttoeinkommens auf ihr Riester-Konto einzahlen. Mit diesem Konto kann sowohl für das Eigenheim gespart als auch die Tilgung eines Darlehens oder der Anschlussfinanzierung gestemmt werden. In beiden Phasen beträgt die maximal geförderte Einzahlung 2100 Euro jährlich.

Welche Hilfen gibt es vom Staat?

Der Staat unterstützt den Kauf einer Immobilie mit zahlreichen Programmen - oft unabhängig vom eigenen Einkommen. Das kann Tausende von Euro bringen. Von Pia Ratzesberger mehr ...

Für Familien mit Kindern gibt es zusätzliche Anreize. Je Kind unter 18 Jahren fördert der Staat Riester-Sparer mit 300 Euro pro Jahr, zusätzlich zur Grundzulage. Für Kinder, die vor dem Jahr 2008 zur Welt gekommen sind, liegt der Zuschuss nur bei 185 Euro. Im Fall von Studium oder Ausbildung können die Zahlungen bis zum 25. Lebensjahr laufen.

"Daher kann sich Wohn-Riester besonders für Menschen mit vielen Kindern lohnen", sagt Hartmut Schwarz, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Die Kinderzulage gibt es anders als die Grundzulage nur einmal pro Paar, auch wenn beide einen Riester-Vertrag haben. Kinderlose Ehepaare mit überdurchschnittlichem Einkommen können ebenfalls profitieren, so Schwarz. Ihnen hilft der Steuervorteil. Die Sparer können ihre Beiträge absetzen. Das sind pro Person jährlich also bis zu 2100 Euro abzüglich der Zulagen. Menschen, die keines dieser Kriterien erfüllen, sollten nach Meinung der Experten vorsichtig sein.

Macht das Modell unflexibel?

"Wer mit dem Wohn-Riester vorsorgt, sollte eine feste Lebensplanung haben", sagt Schwarz. Denn die Eigenheimrente bindet Sparer an eine Immobilie. Das geförderte Haus muss selbst genutzt werden. Allerdings gibt es Ausnahmen. "Eine kurzzeitige Vermietung der Wohnung ist möglich", sagt Schwarz. Zum Renteneintritt müsse der Sparer sein Eigenheim aber wieder selbst bewohnen.

"Bei einem Umzug muss das Geld in ein anderes Riester-Produkt umgeschichtet werden", erklärt Schwarz. Nothaft ergänzt eine Option: "Wer eine mit Wohn-Riester finanzierte Immobilie verkauft, hat nach dem Auszug rund fünf Jahre Zeit, die geförderten Beiträge und Zulagen in ein neues Eigenheim zu investieren." Ein Förderberechtigter, der seinen Bausparvertrag nicht nutze, um später Eigentum zu erwerben, könne sich das Guthaben in Form einer klassischen Geld-Rente auszahlen lassen.

Wie beantrage ich die Hilfe?

In der Regel bieten Bausparkassen Wohn-Riester-Verträge an. Nicht alle sind gleich gestaltet. Ist das Eigenheim noch in Planung, spart der Verbraucher zunächst mit einem verzinsten Bausparvertrag. Später gibt es dann ein Darlehen. Die Förderung garantiert der Staat in Anspar- und Tilgungsphase. Schwarz rät zum Vergleich mit weiteren Sparprodukten: "Der einzige Vorteil dieses Modells ist, dass es Planbarkeit schafft." Denn bei Abschluss des Bausparvertrags wird bereits der Zinssatz für den folgenden Kredit festgelegt. "Wenn da eine eins vor dem Komma steht, lohnt es sich in der Regel", sagt Schwarz.

Es ist ebenfalls möglich, zum Hausbau oder Kauf mit der Riester-Vorsorge zu starten. In diesen Fällen ist ein Kombikredit üblich. Wenn ein Verbraucher zum Beispiel 50 000 Euro benötigt, erhält er ein tilgungsfreies Vorausdarlehen. Gleichzeitig wird ein Bausparvertrag über die gleiche Summe abgeschlossen. Ist der Vertrag ausreichend bespart, löst er das Vorausdarlehen ab. Dann müssen nur noch die Zinsen für das Darlehen abbezahlt werden. Diese Kombination aus zwei Produkten ist oft deutlich günstiger als ein einzelnes Darlehen, ergaben Untersuchungen der Stiftung Warentest. Im Übrigen kann auch ein klassischer Geld-Riester-Vertrag für ein Bauprojekt umgewandelt werden. Zudem können Riester-Darlehen mit anderen Kreditformen kombiniert werden.

Welche Risiken bestehen?

Die größte Gefahr für Sparer sind die komplizierten Verträge. "Die Verbraucher müssen auf Gebühren wie die Abschlusskosten achten", sagt Schwarz. Hinzu kommt die nachgelagerte Besteuerung der Einzahlungen. Grundlage ist das Wohnförderkonto, in dem das in der Immobilie gebundene Altersvorsorgekapital erfasst wird. Dort werden die jährlichen Beiträge von maximal 2100 Euro eingestellt und jeweils am Ende eines Jahres mit zwei Prozent verzinst. Bis zum 68. Lebensjahr muss das Konto spätestens aufgelöst sein. Auch der Kredit muss bei Renteneintritt abgezahlt sein.

Im Zuge der nachgelagerten Besteuerung haben die Förderberechtigten die Wahl: Sie können zwischen einer gleichmäßigen, jährlichen Verteilung der Steuerschuld bis zum 85. Lebensjahr und einer Einmalbesteuerung wählen. Wenn sie die Steuern auf einmal begleichen, erhalten sie einen Abschlag von 30 Prozent. "Wer 40 000 bis 70 000 Euro auf dem Förderkonto hat, muss mit einer Steuerpflicht im vier- bis fünfstelligen Bereich kalkulieren", sagt Schwarz. Deshalb gipfelt die Vorsorge mit dem Wohn-Riester für viele Sparer in einer Enttäuschung. Die Steuerlast frisst einen großen Teil der Förderung wieder auf. Daher sei eine gute Vorbereitung auf die Steuerpflicht notwendig, sagt Schwarz: "Die frühere Tilgung des Kredits muss genutzt werden." Nachdem keine Zahlungen für das Darlehen mehr fällig sind, sollten die ersparten Beiträge angelegt werden. "So kann die Steuerlast häufig abgefangen werden", sagt Schwarz.

Dennoch ist klar: Wohn-Riester ist kein Geschenk des Staates, sondern eine Entlastung in der Tilgungsphase und eine Belastung im Rentenalter. Letztlich muss jeder Sparer individuell Nutzen und Kosten des Riester-Vertrags mit einem klassischen Kredit vergleichen.