Von Eike Schrimm

Gerade in der Stadt ist Grund und Boden teuer. Schließen sich aber mehrere Bauherren zusammen, ist der Traum vom eigenen Haus realsierbar.

Es ist eine Kostenfrage: Drei Zimmer in der Stadt auf der Etage oder vier auf dem Land mit eigenem Garten? Die meisten Familien entscheiden sich für die grüne Variante und ziehen raus in die Vororte. "Aber das müssen sie gar nicht. Wenn sich mehrere Bauherren zusammenschließen, gemeinsam ein Grundstück kaufen und bebauen, sparen sie Kosten und können sich dann auch in der Stadt mehr Platz leisten", sagt Gabriele Heinrich, Geschäftsführerin des Verbraucherschutz-Vereins "Wohnen im Eigentum".

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Wie funktioniert aber das Bauen in der Gemeinschaft? Über Zeitungsanzeigen, Architekten, kommunale Planungsämter oder über Firmen, die sich auf diese Bauform spezialisiert haben, finden Interessierte zusammen. In München wird zurzeit ein Internet-Forum aufgebaut, das Kontaktadressen nennt und aktuelle Bauprojekte vorstellt.

Haben sich mehrere Bauherren zu einer Baugemeinschaft zusammengeschlossen, planen sie mit einem Architekten, wie das Haus innen und außen gestaltet werden soll. Dabei wird berücksichtigt, wer lieber in einer Dachterrassenwohnung wohnen will, wer einen Garten bevorzugt. Mit dieser Planung bewirbt sich die Baugemeinschaft bei der Stadt, bei der Gemeinde oder bei einem privaten Verkäufer um das Grundstück. Da die Städte junge Familien nicht an Nachbargemeinden verlieren wollen, unterstützen sie das Konzept und bevorzugen sie bei der Vergabe.

Spätestens zum Bewerbungsverfahren muss jeder Bauherr eine Finanzierungszusage der Bank vorlegen, damit sicher gestellt ist, das sich jeder von ihnen das Vorhaben leisten kann. Bekommt die Baugemeinschaft den Zuschlag, wird das Grundstück anteilig nach der jeweiligen Wohnfläche gekauft und diese Aufteilung des Eigentums ins Grundbuch eingetragen.

Entweder organisiert dann die Gemeinschaft selbst den Bau oder sie geben diese Funktion an einen Dienstleister wie zum Beispiel an die Firma Bürgerbau AG weiter. "Wir beraten und organisieren das gesamte Bauvorhaben als zentraler Ansprechpartner. Wir kontrollieren, ob Termine, Kosten und Bauqualität eingehalten werden", sagt Christian Burghardt, Vorstand der Bürgerbau AG.

In einer Baugemeinschaft werden alle Bauleistungen grundsätzlich erst dann gezahlt, wenn sie erbracht und überprüft worden sind. Jeder Haushalt zahlt entsprechend der Wohnungsgröße monatlich die Rechnungen. Die Sonderwünsche innerhalb der eigenen vier Wände werden getrennt abgerechnet.

Wer eine fertige Wohnung kauft, muss weniger Zeit investieren, da ihm Verantwortung und Entscheidungen für den Bau abgenommen werden. Dafür hört seine Gestaltungsfreiheit an der Wohnungstür auf. In der Baugemeinschaft entscheiden die Bauherren gemeinsam, ob nur ökologische Materialien verbaut werden, welche Spielgeräte für die Kinder im gemeinsamen Garten angeschafft werden oder welche Fliesen im Hausflur ausgelegt werden. "Darüber haben wir hitzig diskutiert. Der eine wollte Granit, der andere Schiefer. Nun liegt Kalkstein", sagt Architekt Markus Borst.

Er und seine Familie haben auf der Münchner Theresienhöhe mit neun anderen Bauherren ein Mehrfamilienhaus gebaut. Zehn Mal vor dem Bau und sieben Mal während des Bauens hat sich Borsts Baugemeinschaft getroffen. In dieser Zeit haben sich die Bauherren sehr intensiv mit dem Gebäude beschäftigt, so dass am Schluss jeder das Gefühl hat: Das ist mein Haus. Außerdem entstehen schon in Planungs- und Bauphase lebendige, vertraute Nachbarschaften und beim Einzug sind feste Freundschaften geschlossen, keiner fühlt sich fremd oder isoliert.

Im Vergleich zum einzelnen Käufer, der eine fertiggestellte Wohnung kauft, kann die Baugemeinschaft schon beim Grundstückskauf Kosten sparen. Die Bauherren zahlen Notargebühren und Grunderwerbsteuer für die unbebaute Fläche. Beim Wohnungskauf hingegen beziehen sich diese Rechnungsposten auf das Grundstück mit der schlüsselfertigen Wohnung darauf. Zusätzlich kann die Baugemeinschaft auch günstigere Zinsen oder Preise verhandeln, wenn sie gemeinsam bei einer Bank ihre Darlehen finanzieren oder bei einem Hersteller das gesamte Material beziehen.

Trotz dieser Vorteile, schreckt es viele Kaufinteressenten ab, in der Gemeinschaft zu bauen. "Dabei verteilt sich doch das Risiko. Allein macht man schnell Fehler, weil man sich gar nicht überall auskennen kann. In einer Baugemeinschaft finden sich aber oft Architekten, Juristen, Banker und Handwerker zusammen. Diese Spezialisten bringen ihr Wissen ein und alle profitieren davon", sagt Architekt Borst.

Der Verein "Wohnen im Eigentum" veranstaltet am 25.10., 19 Uhr in München, Seitzstr. 8 einen Informationsabend zum Thema "Bauen in Gemeinschaft". Telefonische Anmeldung unter 0228 - 72 158 61. 5 Euro für Mitglieder, 10 Euro für Nicht-Mitglieder.

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