"Effizenzhaus Plus" Gute Schule

Vorzeigeprojekt in Hockenheim: die Louise-Otto-Peters-Schule.

(Foto: Dorothea Burkhardt)

Bildungsbauten haben große Energiepotenziale. Ein erstes Projekt macht vor, wie man diese Potenziale am besten nutzt: die Louise-Otto-Peters-Schule in Hockenheim .

Von Lars Klaaßen

Die Louise-Otto-Peters-Schule (LOP) in Hockenheim sieht aus wie viele Einrichtungen dieser Art: ein sachlicher Zweckbau mit zwei Geschossen ohne Schnick-Schnack. Unter dem Flachdach des Neubaus, der am 13. Oktober eingeweiht wird, sind drei Schulformen vereint. Für die Berufsvorbereitung, ein berufliches Gymnasium und die Ausbildung im Bereich der Altenpflege und des Erzieherberufs bietet das Haus künftig insgesamt 280 Schülern Raum. Der Neubau ist ein "Effizenzhaus Plus", das mehr Energie produziert, als es verbraucht. Es ist damit ein Vorreiter, das erste im Förderprogramm "Effizienzhaus Plus Bildungsbauten" finanzierte Projekt. Der Bund hat dafür 447 000 Euro investiert.

"Im Segment Bildungsbauten schlummern große Potenziale, die wir aktivieren sollten", betont Monika Thomas, Leiterin der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). "Nicht nur, dass viele Schulen ohnehin saniert werden müssen, solche Bauten bieten sich auch durch die Art ihrer Nutzung für eine ambitionierte energetische Ertüchtigung an." Vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser wurden hierzulande im Energie-Plus-Standard errichtet. Im Gegensatz zu solchen Typen haben Bildungsbauten zwei Vorteile: Erstens wird Energie dort vor allem tagsüber verbraucht, wenn etwa Photovoltaik-Anlagen bei gutem Wetter auf Hochtouren laufen. Energieverbrauch und Input durch Erneuerbare wie Sonnenkraft verlaufen in größerem Maße parallel als bei Wohnhäusern. Zweitens ist der Stromverbrauch in Bildungsbauten anteilig zur Gesamtfläche und zur Nutzerzahl geringer als im Wohnbereich. "Ein neuer Schulbau lässt sich also mit verhältnismäßig überschaubarem Einsatz zum Plus-Energie-Haus machen", sagt Thomas. Bis zum Jahr 2050 soll der Gebäudebestand Deutschlands nahezu klimaneutral werden. Dieses Ziel hat sich zumindest die Bundesregierung im Rahmen der Energiewende gesetzt. "Um das zu erreichen", sagt Thomas, "benötigen wir solche Plus-Energie-Häuser als Ausgleich für all jene Gebäude, die bis dahin noch nicht effizient genug sind."

Um die LOP-Schule zum Energieproduzenten zu machen, wurden bewährte Instrumente eingesetzt: eine gute Dämmung und effiziente Energieerzeugung. Die Gebäudehülle der Effizienzhaus-Plus-Schule überschreitet deutlich die Anforderungen der Energieeinsparverordnung. Eine Wärmepumpe in Kombination mit Eisspeichertechnologie, die auch für die sommerliche passive Kühlung eingesetzt wird, arbeitet besonders energieeffizient. Auf das städtische Nahwärmenetz muss zukünftig nur noch in Spitzenlastzeiten zurückgegriffen werden. Eine Photovoltaik-Anlage dient als "Kleinkraftwerk". Mit dem Neubau werden bis zu 65 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber einem Standard-Neubau eingespart, erwarten Experten.

"Die Herausforderung bei solch einem Projekt besteht darin, die einzelnen Bausteine aufeinander abzustimmen", erläutert Thomas. Der Alltagsbetrieb wird über zwei Jahre wissenschaftlich begleitet - funktioniert das System, wird es vor Ort richtig gesteuert, Verhalten die Nutzer sich wie erwartet, lässt sich das System optimieren? Die wissenschaftliche Begleitung des zweijährigen technischen Monitorings in Hockenheim übernimmt die ina Plannungsgesellschaft, die Gesamtauswertung der Effizienzhäuser Plus Bildungsbauten läuft über das Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau (IRB).

"Dass junge Menschen durch diese Projekte im Schulalltag für die Energiewende sensibilisiert werden, gibt dem Thema Klimaschutz zusätzlichen Rückenwind", ist Thomas überzeugt. Hinzu kommt das quantitative Potenzial, die große Zahl dieses Gebäudetyps - im Schuljahr 2015/2016 gab es hierzulande allein 33 547 allgemeinbildende Schulen.