Zwielichtige Inkasso-Firmen drohen angeblichen Schuldnern. Diese haben manchmal gar keine offenen Rechnungen und zahlen trotzdem - aus Furcht vor unangenehmen Konsequenzen.
Der Brief aus Neu-Isenburg ist so formuliert, dass ein Missverständnis ausgeschlossen ist. Der Empfänger des Schreibens solle innerhalb von einer Woche die "Schuldsumme" von 138,61 Euro begleichen. Falls er der Forderung nicht nachkomme, droht der Verfasser des Briefs mit einer Reihe unangenehmer Maßnahmen: Zwangsvollstreckung, Pfändung und Eintragung in entsprechende Schuldnerverzeichnisse.
Inkasso-Büros stellen Forderungen auf, die mit der Drohung von unangenehmen Maßnahmen begleitet werden. Doch davon sollte man sich nicht einschüchtern lassen. Es ist nicht das erste Mal, dass Inkasso-Unternehmen mit falschen Forderungen angebliche Schuldner unter Druck setzen. (© Foto: iStock)
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Der Absender des Drohbriefs ist die Proinkasso GmbH aus Neu-Isenburg. Sie gibt vor, für die Firma "Tipp House" eine offene Forderung einzuziehen.
So weit, so üblich für ein Unternehmen, das im Auftrag von Gläubigern Geld bei säumigen Schuldnern eintreibt. Und eigentlich nicht weiter der Rede wert, wäre da nicht ein Problem: Die Empfänger des Briefs haben gar keine Schulden bei "Tipp House", einem sogenannten Gewinnspieleintragungsdienst.
Verbraucherschützer warnen deshalb vor dem Gebaren der Geldeintreiber aus Hessen. "Inkasso-Büro klingt nach Ärger und hohen Kosten, viele Bürger fühlen sich daher genötigt zu zahlen", sagt Dirk Weinsheimer von der Verbraucherzentrale Thüringen.
Genau das sollten die Empfänger des Briefs aber auf keinen Fall. Und schon gar nicht sollten sie die im Inkasso-Schreiben vorgeschlagene Ratenzahlungsvereinbarung unterschreiben. "Wer das tut, erkennt die Vereinbarung an und verliert die Möglichkeit sie zu bestreiten", warnt Weinsheimer.
Falsche Forderungen an angebliche Schuldner
Es ist nicht das erste Mal, dass Inkasso-Unternehmen mit falschen Forderungen angebliche Schuldner unter Druck setzen. Die Branche hat einen fragwürdigen Ruf. Kein Wunder also, dass das Verwaltungsgericht Lüneburg kürzlich dieses Urteil fällte: Dem Chef der Firma "Inkasso Team Moskau" sei zu Recht das Gewerbe untersagt worden.
Nach einer Verurteilung wegen Nötigung und Falschaussage fehle dem Geschäftsführer die nötige Zuverlässigkeit, urteilte das Gericht. Außerdem werde gegen ihn wegen gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt.
"Inkasso Team Moskau" stand seit Jahren im Visier der Staatsanwälte, weil es Schuldnern mit unterschwelligen Drohungen und einschüchternden Briefen Angst gemacht haben soll. Die Firma warb in Zeitungsanzeigen mit dem Spruch: "Ihr Schuldner muss kein Russisch können - er wird uns auch so verstehen."
Und wenn man mit Leuten spricht, die mit "Inkasso Team Moskau" zu tun hatten, dann haben sich die Geldeintreiber auch so verhalten. Mit rüden Mahnbriefen, die teilweise in Moskau abgesendet wurden, übten die Inkasso-Spezialisten massiven Druck aus. Half das alles nichts, überfielen sie die Schuldner mit unangenehmen Hausbesuchen.
Schadet der Branche
"Solche Firmen schaden unserer Branche", sagt Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmer (BDIU). Die 540 im Verband organisierten Firmen werben damit, sie würden einen Qualitäts- und Verhaltenskodex einhalten und trotzdem mit Erfolg Schulden eintreiben. Für die etwa 200 anderen Inkasso-Büros in Deutschland könne er nicht sprechen, sagt Körner.
Auch die Proinkasso GmbH aus Neu-Isenburg sei einmal Mitglied beim BDIU gewesen, erzählt er, "2005 wurde das Unternehmen aber von unserem Verband ausgeschlossen, weil es gegen unser positives Leitbild verstoßen hatte". So rücksichtslos wie "Inkasso Team Moskau" geht Proinkasso nicht vor. Auf der Internet-Seite des hessischen Unternehmens steht lediglich das Versprechen: "Wir sorgen dafür, dass zahlungsunwillige Schuldner begreifen, dass sich schlechte Zahlungsmoral nicht lohnt."
Solange Schuldner tatsächlich schuldet
Das Gewerbe der Schuldeneintreiberei hat Konjunktur - gerade jetzt, in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise. "Die Zahlungsmoral hat in der Krise deutlich nachgelassen", sagt BDIU-Geschäftsführer Körner. Es sind vor allem Handwerksbetriebe, die Inkasso-Büros engagieren.
Sie hoffen, dass offene Rechnungen mit Hilfe der Geldeintreiber beglichen werden. Auch Ärzte, deren Patienten nach fünffacher Mahnung noch immer nicht die Rechnung bezahlen oder Architekten, die schon mehrere Monate auf ihr Honorar warten, übergeben ihre Forderungen immer häufiger Inkasso-Unternehmen.
Die sollen dann wenigstens einen Teil ihrer Außenstände wieder hereinholen. Verbraucherschützer sind sich einig: All dies ist nicht verwerflich, solange der angeschriebene Schuldner auch tatsächlich Schulden hat. Nur dann sollte er den Inkasso-Brief ernst nehmen und die Rechnung begleichen.
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(SZ vom 29.01.2010/cmue/pak)
Diese Fälle sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem alltäglichen Betrug(sversuch). Eine Zeitlang bekamen Kollegen und ich ständig Briefe, die amtlich aussahen und "Gebühren" für irgendwelche angeblichen Firmen(register)eintragungen verlangten.
Dann wurden ständig angeblich wundersamerweise fast ewig haltende Tonerbehälter per Telefon angepriesen, oder es gab Pseudoumfragen, am Telefon, per Post und per eMail, zum Beispiel von österreichischen Bettenherstellern. Überhaupt das Telefon... Ein bisschen besser ist es geworden, seit es endlich mal ein wirkliches gesetzliches Verbot der "cold calls" gibt.
Pseudoumfragen machen auch gern (ansonsten seriöse) Zeitschriften- und Zeitungsverlage; in Wirklichkeit handelt es sich um Reklame für Abonnements. Ich wurde schon von Leuten angesprochen, die mir ein SZ-Probe-Abonnement aufschwatzten, mit der schönen ehrlichen Begründung, dass ich doch einfach mehrmals hintereinander Gratis-Probeabonnements nehmen soll, weil der Vertreter dann jedesmal eine Prämie bekommt und ich so gratis die Zeitung lesen kann.
Wie treibt die SZ ihre Außenstände ein? Hat sie damit Erfolg?
Ich kenne Leute, die als Arzt oder Tierarzt arbeiten und die ziemlich oft um ihr Entgelt betrogen werden, weil die Patienten/Kunden entweder nie Geld hatten oder gar nicht vorhaben zu bezahlen.
Die Wirtschaft treibt eben seltsame Blüten.
Glücklicherweise sind die allermeisten Leute doch recht anständig, sonst gäbe es überhaupt keine Wirtschaft mehr. Oder nur noch Vorkasse.
stimme mit den beiden vorkommentatoren ueberein, dass die SZ fuer diesen Artikel keinen Preis fuer innovativen Journalismus bekommen wird.
Auf dem Gebiet des getricksten Geldeintreibens bekommen die Bundesbuerger aber insgesamt ganz schoen viel "unsaubere" Post. Da mal ein bisschen zu warnern, und Tipps zu geben, wie man Problemen entgeht ist unterm Strich doch sinnvoll und lobenswert.
Was will uns der Artikel sagen?
Man wurstelt zwei unseriöse "Inkassomaschen" zusammen und mache einen Artikel raus.
Die zuerst beschriebene "Inkassomasche" - man schicke einfach mal unberechtigte Forderungen - hat wenig mit der zweiten "Inkassomasche" - man treibe berechtigte Forderungen mit Gewalt ein - zu tun.
Was also will uns die SZ mit dem Artikel sagen?
Wird man für solche Allgemeinplätze bei der SZ bezahlt?