Dubai: Banken müssen zittern Monopoly des Größenwahns

Die Finanzprobleme Dubais könnten eine Eigendynamik entwickeln. Weltweit müssen die Banken hohe Abschreibungen befürchten - selbst deutsche Anleger könnten betroffen sein.

Von Tobias Dorfer

Die Nachricht schlug sofort auf die Aktienkurse durch. Als am Donnerstag bekannt wurde, dass das einst so schillernde Emirat Dubai in großer Finanznot steckt, kamen am Frankfurter Börsen-Parkett die Finanztitel ins Taumeln. Die Bilanz des Tages war desaströs: Deutsche-Bank-Titel verloren 6,4 Prozent, Commerzbank-Aktien 3,9 Prozent und die Postbank-Werte gaben um 2,7 Prozent nach. Im MDax brachen die Werte der Aareal-Bank um beinahe fünf Prozent ein. Am Freitag notierte der deutsche Aktienmarkt wieder positiver.

Auch wenn das finanzielle Engagement von Deutscher Bank und Commerzbank Finanzkreisen zufolge als vernachlässigbar gelten, so wurden die Institute am Donnerstag doch für die Bau-Exzesse Dubais und die leichtfertigen Investments vieler Geldhäuser in Sippenhaft genommen. Auch die eine oder andere deutsche Landesbank soll beim Wolkenkratzer-Monopoly mitgespielt haben.

Hohe Risiken

Sie reden nur nicht gerne darüber. "Kein Kommentar", hieß es auf Anfrage von sueddeutsche.de bei der Stuttgarter LBBW. Die krisengeplagte BayernLB bestätigte, sie sei in dem Emirat engagiert, allerdings nur mit einer vernachlässigbaren Summe. Die HSH Nordbank hat immerhin einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge eingeräumt, an Dubai-Projekten beteiligt zu sein. Helaba und die Landesbank Berlin gaben in dem Bericht zu Protokoll, nicht betroffen zu sein. Auch ein Sprecher der Aareal-Bank sagte sueddeutsche.de, das Institut sei in Dubai nicht engagiert.

Und dennoch: Die Schwäche des Größenwahn-Emirats birgt ein großes Risiko für die Banken weltweit. 80 Milliarden Euro Schulden soll Dubai inzwischen angehäuft haben, 22 Milliarden davon entfallen auf die Holding-Gesellschaft Dubai World, berichtet die Schweizer Crédit Suisse. Den Geldhäusern, die Milliarden in dem Glitzer-Emirat investiert haben, drohen hohe Abschreibungen. So zeigt eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs, dass die britische HSBC - eine der größten Banken der Welt - Ende Juni in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 15,9 Milliarden Dollar (10,7 Milliarden Euro) an Krediten und Darlehen engagiert war.

Ähnlich gefährlich sind der Studie zufolge die Risiken der britischen Bank Standard Chartered, ein Unternehmen, das vor allem in Asien und Afrika aktiv ist. Das Institut soll 12,3 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro) an Krediten in die Vereinigten Arabischen Emirate gepumpt haben. 1,7 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) sollen insgesamt an Immobilienkrediten in den Mittleren Osten und Südasien geflossen sein, 60 Prozent davon - so die Schätzung der Goldman-Sachs-Experten - davon in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Probleme für Hochtief

Taiwans viertgrößte Bank Mega Financial räumte inzwischen ein, sie erwarte einige Belastungen aus ihrem Dubai-Engagement. Das Haus versuche derzeit, die Gesamtsumme festzustellen, sagte Vorstandsmitglied Grace Lin. "Wir sind sehr besorgt. Wir haben gehört, dass auch noch andere taiwanische Banken betroffen sind."

Sorgen muss sich auch der deutsche Baukonzern Hochtief machen. Denn die australische Hochtief-Tochter Leighton ist an mehreren Dubai-Projekten beteiligt und sitzt daher auf zahlreichen unbezahlten Rechnungen. Allerdings sei die Situation nicht neu, sagte ein Sprecher.

Auch Privatanleger könnten durch die Probleme Dubais in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Zahlungsschwierigkeiten des Emirats würden das Klima an den Finanzmärkten weltweit "deutlich belasten", sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Ein Beispiel dafür seien die Daimler-Aktien, die am Donnerstag mehr als 4,5 Prozent ihres Werts verloren. Und auch am Freitag lagen die Papiere zeitweise im Minus - und das, obwohl bei Daimler nur das noch immer finanzpotente Abu Dhabi engagiert ist. Jedoch gehen Fachleute davon aus, dass die übrigen Emirate den schwächelnden Paradiesvogel Dubai mit ihren Öl-Milliarden stützen müssen.

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