Sie stellten sogar jene Konflikte in den Schatten, die Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza, Jahrgang 1921, in seiner eigenen Kindheit erlebt hatte. Denn als "Heinis" Großvater, der Stahlbaron August Thyssen, 1926 starb, zerstritten sich dessen Nachkommen. Heillos.

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"Heini" selbst hatte 1947 geerbt, von seinem Vater, der in Ungarn die Baronin Margit Bormemisza geheiratet hatte, ein Firmenimperium und die Hälfte der Gemäldesammlung der Thyssen-Dynastie. Mit den Jahren baute er sie zu einer der wichtigsten Kunstkollektionen der Welt aus. Doch nicht nur alte Meister sammelte er, auch Frauen. Fünf Mal war er verheiratet, der adopierte Borja war schließlich sein fünftes Kind.

Wohl auch vor dem Hintergrund der verwinkelten Familiengeschichte und ihrer unkontrollierten Erbschaftskriege war es ihm ein besonderes Anliegen, die Aufteilung seines Vermögens noch zu Lebzeiten zu organisieren. Doch das misslang. Und zwar gründlich.

Die dunkle Hand der Stiefmutter

Teil dieses Versuches war die Gründung der Thyssen Bornemisza Group, einem undurchdringlichen Gestrüpp aus 300 Firmen, das 1983 auf den Bermudas entstand. Die Verantwortung dafür übertrug er in einem komplizierten Vertragswerk seinem ältesten Sohn Georg Heinrich. In dem Kontrakt waren auch die Erbansprüche geregelt, zudem die jährlichen Gewinnausschüttungen für "Heini".

Die Ruhe währte nicht lange, denn Heinrich Thyssen ließ sich von Tita dazu hinreißen, einen großen Teil seiner Gemäldesammlung von der Schweiz nach Spanien zu verlegen. Es war der Grundstock für das heutige Museum Thyssen-Bornemisza im Herzen Madrids, das als eine der besten Pinakotheken Europas gilt und mit 700.000 Gästen pro Jahr exzellent besucht ist.

Auch wegen dieser Aktivitäten wuchsen sich die Differenzen im Hause Thyssen zu einem sagenumwobenen, jahrelangen Rechtsstreit auf den Bermudas aus. Heinrich Thyssen fühlte sich vom Sohn hintergangen, der wiederum die dunkle Hand der Stiefmutter zu erspähen glaubte.

Familientreffen vor Gericht

Der Vater klagte, die Prozessakten machten mehr als 100.000 Seiten im Format DIN A4 aus. Im Januar 2001, nach einem 66-tägigen Eingangsstatement von Heinrichs Anwalt, warf der Richter, ein Schotte namens Denis Mitchell, entnervt die Brocken hin: "Mir reicht's." Da hatten sich die Anwaltskosten auf einen dreistelligen Millionenbetrag summiert.

Im Jahr 2002 schließlich vollbrachte es Heinrich Thyssen-Bornemisza, von Krankheit schwer gezeichnet, seine leiblichen Kinder um einen Tisch zu versammeln und den Krieg beizulegen, sein Erbe zu ordnen. "Pakt von Basel" wird die Übereinkunft genannt, als wäre sie ein Waffenstillstandsabkommen aus einem mittelalterlichen Krieg.

Ebendieses Vertragswerk ist nun Gegenstand des Streits zwischen Tita und Borja, zwischen der Mutter und ihrem einst heißgeliebten Sohn. Ausweislich der Klatschzeitungen lebte er auf zu großem Fuße, insbesondere aufgrund seiner Leidenschaft für schnelle Autos und hübsche Frauen, ehe er Blanca Cuesta heiratete und mit ihr seinen ersten Sohn zeugte.

Ende 2009, nachdem Tita angeblich einen Gentest von ihrem Enkel verlangt haben soll, klagte Borja in einem seitenlangen Interview mit der Regenbogen-Illustrierten ¡Hola!, seine Mutter habe ihm nicht nur den wahren Umfang des Erbes verheimlicht. Sondern alles.

"Sie hat mir immer gesagt, dass mir gar nichts zustehe; nur das, was sie mir geben wolle." Tita Cervera beschuldigte die Schwiegertochter, ihrem Sohn den Kopf verdreht zu haben. "Sie hat sein und mein Leben verändert", sagt sie - und fürchtet, ihre Kunstsammlung könnte zerfleddert werden.

Spaniens Staat wiederum fürchtet, Tita Cervera könnte sie ins Ausland schaffen. Der Pachtvertrag läuft kommendes Jahr aus. Zuvor allerdings dürften sich die Thyssens wohl noch einmal sehen: Nach bester Familientradition - vor Gericht.

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  1. Tarzans Witwe
  2. Sie lesen jetzt Kein Frieden trotz "Pakt von Basel"
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(SZ vom 24.07.2010/stl/pak)