Szenen wie im Dschungelcamp: Beim Streit um das Erbe des Großindustriellen Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza geht es um Kunst, Geld und eine Frau, die schon früh Männer betörte.
An diesem Samstag wird Borja Thyssen 30 Jahre alt, und wenn alles gut für ihn läuft, wird sich sein Konto wieder um etliche Millionen Euro füllen. Ließe er sich die Summe in gar nicht mal so kleinen Scheinen auszahlen, könnte er sich sogar seinen alten Kindheitstraum erfüllen: in Banknoten zu baden. So wie Onkel Dagobert, dessen Abenteuer er als Bub immer auf Video anschaute.
Bild vergrößern
Unzählige Kunstwerke: Die Sammlung von Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza ist nur ein Teil des Erbes, um das gestritten wird. (© ag.ap)
Anzeige
Alle paar Jahre wollte ihm seine Mutter Maria del Carmen "Tita" Cervera, 67jährige Witwe des im Jahr 2002 gestorbenen Kunstmäzens und Großindustriellen Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza, einen Teil seines Erbes auszahlen. So war es mal ausgemacht.
Doch ob er in diesem Jahr wirklich die einst angedachte Rate bekommt, ist ungewiss. Denn um das unkalkulierbare, weitverwinkelte Erbe, das die Thyssen-Dynastie im Laufe von Jahrzehnten angehäuft hat, tobt ein unheilvoller Krieg. Wieder einmal. Oder immer noch, wie man gerade will.
Dschungelcamp für reiche Erben
Schon seit über einem Jahr haben Mutter und Sohn kein Wort mehr miteinander gewechselt. Zumindest nicht mehr auf direktem Wege. Sie verkehren vielmehr per Anwalt, Notar und Gerichtsdienern miteinander. Vor allem aber: über alle erdenklichen Klatschkanäle aus Spaniens Presse, Funk und Fernsehen. Es geht so abstrus zu wie in der Fernsehserie Dschungelcamp.
Der Grund: die Entfremdung von Mutter und Sohn, die just in dem Moment einsetzte, da dieser eine Frau ehelichte, die ihr, der Mutter, nicht gefällt. Die Frau: Blanca Cuesta, ein Fotomodell, das mitunter nackt posierte. So wie sie, Tita Cervera, einst nackt posiert hatte. Damals, kurz bevor sie "Heini" kennenlernte, aber schon längst in ihrer spanischen Heimat eine nationale Größe geworden war.
Im Jahr 1961, als in Spanien noch der bleierne Klerikalfaschismus herrschte, schrieb sie Geschichte als erste "Miss España". Seither sind autorisierte und vor allem nicht autorisierte Biografien erschienen, die ihr, der heutigen Kunstmäzenin und High-Society-Figur unverblümt vorwerfen, ihre angeblich bescheidene Herkunft frisiert zu haben. Von wegen Ingenieur: Mechaniker sei ihr Vater gewesen, ihre Mutter hingegen diejenige, die sie darauf drillte, reiche Männer zu becircen.
Kein Glück mit dem Playboy
Unbestritten ist nur, dass sie Lex Barker in einem Flugzeug kennenlernte, nachdem sie ihm auf dem Weg nach Zürich um ein Autogramm gebeten hatte, mit ihm ins Gespräch kam und dieser ihr nicht nur das Souvenir, sondern 1965 auch das Ja-Wort gab. 1972 starb Barker, angeblich am Vorabend der Scheidung.
Tita Cervera wurde für die Spanier zu "Tarzans Witwe" und erbte unter anderem das Anwesen, dass der Hollywood-Schauspieler an der Costa Brava erbaute. 1975 ehelichte sie einen venezolanischen Playboy, doch als sich herausstellte, dass dieser schon anderweitig verheiratet war, wurde die Ehe annulliert. Am 24. Juli 1980 wurde sie schließlich die ledige Mutter Borjas.
Wer dessen biologischer Vater war, war lange ein Geheimnis. Klar war nur sehr früh, dass es nicht Heinrich Thyssen-Bornemisza gewesen sein konnte. Den nämlich lernte sie erst 1981 kennen, auf einem Kreuzfahrtschiff, das Tita eigentlich nicht besteigen wollte; 1983 erst tauchten Fotos des "Barons" mit seiner letzten großen Liebe auf.
Turtelnd waren sie bei einer Yacht-Tour auf dem Mittelmeer von Paparazzi abgeschossen worden. Auch Borjas blonder Kleinkind-Schopf war auf den Fotos zu sehen, 1985 folgten in New York Hochzeit, Taufe und Adoption von Borja durch Thyssen - in einer einzigen Zeremonie, die den Keim für Erbstreitigkeiten von beispiellosen Dimensionen legte.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Die großen Erbfälle RSS
- Die großen Erbfälle: Geld - Macht - Hass Alle Macht für Friede 18.07.2010
- Die großen Erbfälle: Geld - Macht - Hass King of Cash 11.07.2010
- Die großen Erbfälle: Geld - Macht - Hass Alles für ein Linsengericht 09.07.2010
- Die großen Erbfälle: Geld - Macht - Hass Einfach nur kafkaesk 09.07.2010
- Die großen Erbfälle Leben und erben lassen 27.02.2011
- Die großen Erbfälle: Geld - Macht - Hass Wenn sie streiten, fällt in Indien der Strom aus 20.02.2011
- Die großen Erbfälle Der Held und sein Geld 13.02.2011