5. Gruppendenken
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Die Akteure der betroffenen Institutionen (Investmentbanker, Börsenaufsichten, Notenbanken) handelten nicht als Einzelne: Entscheidungen und Fehlentscheidungen wurden sehr oft in Gruppen getroffen. Gruppenprozesse haben aber die Eigenheit, dass es zu einem informellen Gruppendruck kommt, welcher Konformität einklagt und kritisches Querdenken unterdrückt. Auch wer durchaus Gefahrensignale sieht, passt sich dem Druck der Gruppe und der Notwendigkeit, geschlossen und gleichförmig zu handeln, an. Es kommt dazu, dass die Gruppe sich eine eigene Wahrheit gibt, sich für unanfechtbar hält. Die "Stars" der Gruppe entwickeln sich zu Gurus, die von sich überzeugt sind, dass sie ihre Spielregeln auch anderen oktroyieren können, zum Beispiel auch der Politik.
6. Verantwortungsdiffusion und pluralistische Ignoranz
Investmentbanken, Börsenaufsicht, Notenbanken, Behörden verschiedener Länder: Je mehr Institutionen und Personen an Entscheidungen beteiligt sind, umso mehr teilt sich Verantwortung - bis sich letztlich niemand verantwortlich fühlt und keine Institution die Aufgabe einer verstärkten Regulierung annimmt. Dadurch, dass es über Jahre kaum negative Vorfälle gab, kam es zu einer pluralistischen Ignoranz gegenüber dem Risiko: Dass alle im selben Strom mitschwimmen und trotz des potentiellen Risikos nichts passierte, wurde so interpretiert, dass es so gefährlich nicht sein könne.
7. Verdrängung von Inkompetenzgefühlen
Keineswegs war es so, dass die Investmentbanker, Verkäufer, Berater oder Kunden das, womit sie da handelten, im Kern verstanden hätten. Nur wenige hatten die Zivilcourage und das Selbstbewusstsein, es zu hinterfragen. Solange die Produkte sich verkaufen ließen und hohe Profite erzielten, neigten Experten und Laien dazu, sich keine Blöße geben zu wollen, etwas nicht zu wissen. Sie reichten das Produkt weiter und verdrängten diffuse Inkompetenzgefühle.
Es wäre vermessen zu sagen, wie unmoralisch die Akteure waren. Der sogenannte Markt, wo nichts reguliert wurde, wo es keine Kontrolle und keine Verantwortung für Ergebnisse gab, hat dies alles möglich gemacht. Diejenigen, die jetzt vorschnell Steine werfen, weil sich Akteure an der nächsten Generation versündigt haben und möglicherweise verantwortlich sind für eine große Wirtschaftskrise, mögen sich fragen, wie sie selbst sich als Kleinanleger verhalten haben. Dass kaum einer der Akteure nun persönlich haften muss und zur Verantwortung gezogen wird, ist psychologisch eine fatale Botschaft. Damit sind im Grunde die nächsten Missbrauchsszenarien - sie werden anders aussehen und andere Schwerpunkte haben - schon vorprogrammiert.
Zwar muss jeder Einzelne wissen, was moralisch vertretbar ist (und sei es dank Unterrichts in Schulen, Universitäten und den MBA-Programmen über ethische Grundsätze und verantwortungsvolles Verhalten). Doch angesichts menschlicher Fehlbarkeit scheint Folgendes genauso wichtig: Die Politik und die Gesellschaft müssen nun klare Spielregeln formulieren und Rahmenbedingungen setzen für ein vernünftiges Wirtschaften und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen von Mensch und Umwelt.
Oft braucht man Sputnik-Schocks, Tschernobyl-Katastrophen oder Finanzkrisen, bevor es zu tatsächlichen Verbesserungen in der Transparenz und Kontrolle kommt. Das Spiel am Rande des Abgrunds kann, so betrachtet, vielleicht auch heilsam gewesen sein und zu einer neuen, koordinierten und globalen Finanzordnung führen.
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(SZ vom 03./04.01.2009/mel)
Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
" Man verstärkt das Risiko, setzt quasi alles auf eine Karte, um durch mögliche Gewinne den entstandenen Verlust zu reduzieren." Genau, deshalb sprechen wir ja auch vom Casino-Kapitalismus. Weil eben die eigene Inkompetenz nicht erkannt wird - man könnte doch aber auch von Ignoranz sprechen - durfte es nie und nimmer zu der sogenannten " Freien Marktwirtschaft" kommen. Allerdings entspricht es offenbar unserer menschlichen Natur: Das immer höher schneller und weiter. Nun habe ich in Seminaren gelernt, wie wichtig es ist, seine eigene Tätigkeit ständig zu überprüfen. Das gilt sowohl für Erfolg wie Misserfolg. Das scheint aber heutzutage tabu zu sein. Es kommt ein wichtiger Aspekt hinzu, jedenfalls hierzulande. In den den (Dax-) Unternehmen ist es überwiegend so, dass Vorstände gleichzeitig oft auch Aufsichtsräte in anderen Unternehmen sind und umgekehrt. Das hat zur Folge, dass die Gruppendynamik zur Gruppen - Arroganz führt! Hieraus erfolgt eine Vetternwirtschaft, die es dringend zu kontrollieren gilt. Besser, weil effizienter, ist allerdings eine Beseitigung dieser Missstände. Das hat zur Folge, dass die Gruppendynamik zur Gruppen - Unverständlich ist indes, dass Revisionen, Wirtschaftsprüfer und Kontrollgremien im Bewusstsein dieser Verhaltensmuster ebenso versagen. Leider kommt man zu dem niederschmetternden Ergebnis, dass die den Bürgern als "Elite" verkaufte Klientel mit Elite nichts, aber auch gar nichts zu tun hat!
Woher diese starken Triebe ihre scheinbar unverrückbare, scheinbar ewig zeitliche Position, ihre Verankerung - - - - Die Frage, ob das wirklich der Mensch ist, der seinen Sozialauftrag, seinen Pflegeauftrag vergißt und sich der Raffgier hingibt.
Man sollte sich fragen, welche Kriterien wir zu lassen für den Marsch durch die Instanzen nach oben. Kann der Ellbogenmensch die Gesellschaft führen, wenn er insgeheim nur an sich denkt und nur für sich oder für seine ebenso egozentrisch gerichtete Gruppe / Herde handelt?
Eine gesunde Gesellschaft wird sich nicht benützen lassen. Eine kranke schon. Unsere Gesellschaft ist schwer erkrankt. Sie bringt es nicht fertig, die Kriminellen, sprich die Egozentrischen auszusondern. Sie läßt sie in ihren Reihen. Es geht nicht nur um den Finanzsektor. Es geht um alles. Es geht ums Überleben und um die Frage, was für ein Leben eigentlich das Kollektiv wirklich zu wollen hat. Und diese Frage hat das Grundgesetz längst beantwortet.
Man täte einem Sexualtriebtäter keinen Gefallen, würde man ihm sein Treiben durchgehen lassen.
Warum ist diese Haltung so schwer durchsetzbar gegenüber denen, die Menschen wie Du und Ich, die wegen ihrer oftmals gepflegten und sympathischen Erscheinung nicht als solche wahrgenommen werden?
Der Gleichheitsgrundsatz massiv verletzt: die Führung und der Betrieb eines K Z `s war scheinbar auch nur anonym möglich: vom willigen K Z Aufseher bis hinauf zu Entscheidungsträgern an Schreibtischen. Auch hier das Herdenverhalten, das obrigkeitliche, die Gruppendynamik.
Was entschuldigen wir noch alles?
Bei allen psychologischen Erklärungen: es gibt keine Entschuldigungsgründe - schon aus Gründen des Gesellschafts- und Staatsschutzes nicht.
Obiger Artikelschreiber verkennt das. Er schreibt allerdings ja auch selbst:
Dass kaum einer der Akteure nun persönlich haften muss und zur Verantwortung gezogen wird, ist psychologisch eine fatale Botschaft. Damit sind im Grunde die nächsten Missbrauchsszenarien - sie werden anders aussehen und andere Schwerpunkte haben - schon vorprogrammiert.
Die Gesellschaften der westlichen Welt wurden hinters Licht geführt (fm-tv.net). Und dafür hat es Urheber. Zwar sind es derer viele und vor allem insgemene und insgeheime. Es ändert jedoch nichts. Dass so viele Deutsche damals Hitler gefolgt waren, er die Durchsetzungsmittel in die Hand bekam, hat er der schreibenden und sich nicht in der Regel nicht wehrenden schreibenden Zunft zu verdanken. Die Maschinerie, die zu ihm hinführte, ist keine aus sich heraus. Die Deutschen mögen damals kollektiv dumm und blind gewesen sein. Sie sind es heute in der Regel ebenso.
Das Opfer rechtfertigt jedoch den Täter nicht. Es gibt keine Rechtfertigungs- und Enschuldigungsgründe. Es gibt die Pflicht zur Prävention!