Die jüngere Geschichte der emblematischen Bauten beginnt bei Frank Gehrys Guggenheim-Dependance für Bilbao und endet vorläufig bei Prestige-Vorhaben wie der Elbphilharmonie in Hamburg (Herzog & de Meuron). Es gibt, zumal in Deutschland, auch ältere Vorläufer des Phänomens: etwa die Fagus-Werke von Walter Gropius oder die AEG-Turbinenfabrik von Peter Behrens. Aber der mediale Kurzschluss, der aus Architektur einen Werbeträger seiner selbst macht, hat sich erst jetzt ereignet. Als Zaha Hadid mit dem Bau der Innsbrucker Bergisel-Sprungschanze beauftragt wurde, musste sie nach dem Willen der Stadt zusichern, etwas "Unverwechselbares" zu errichten.
Anzeige
Auch Städte bedienen sich der Signature-Buildings. Aber auch den Städten (wie den Bauherren großer Museen oder Opern) wird das Geld dafür in Zukunft fehlen. Ein Schaden muss das allerdings nicht in jedem Fall sein. Denn die extrem teuren Vorzeigebauwerke sind zumeist autistischer Natur, sie fühlen sich keiner Geschichte und keinem Ort verpflichtet. Sie können selten in Würde altern und sind wegen ihrer hochspezifischen, möglichst skulptural wirksamen Architektur auch nicht umnutzbar.
Es sind Dinosaurier - vom Aussterben bedroht. Wenn das zugunsten eines alltagstauglicheren Bauens geschieht, vollzieht sich nichts anderes als die Evolution am Bau. Die Spektakel, Schauwerte und Superlative wären dann letztlich nur eines: zu schwach.
Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3
- Corporate Architecture Visitenkarten aus Stein 31.07.2008
- Puschkin-Museum Frischzellenkur benötigt 29.08.2008
- Neues Hochhaus in Paris Dreieck in der Cité 07.10.2008
- Hafencity in Hamburg Die Herkulescity 01.10.2008
- Hamburger Elbphilharmonie Chefplaner geht 18.09.2008
(SZ vom 06. 11. 2008/als)
Rekord in Deutschland
Ich kritisiere das Primat der Unverwechselbarkeit schon seit Beginn meines Berufslebens. Bei jeder Ausschreibung, bei jedem Wettbewerb, scheint es nur noch zu zählen, daß alle snoch nie dagewesen ist.
Langfristige Dienstbarkeit, Spiel mit Bewährtem in einer Umgebung, die den späteren Nutzen vertraut sein soll und Identifikations und Geborgenheit anbieten und ermöglichen soll, überhaupt die Frage: Für wen ist es? - das wurde seit 20 Jahren zunehmend als unkreativ erachtet und in Wettbewerben und Planungen landesweit abgestraft.
Architetken und andere PLaner (Städtebauer, Landschaftsarchitekten) müssen sich wieder mehr in den Dienst der Gesellschaft stellen, anstatt narzißtische Künstler zu sein. Um Bauherrn wirklich beraten zu können, bedarf es dazu auch wieder einer umfassenden Bildung, die über das Fach hinausgeht. Kunst, Ethik, Philosophie, Soziales - dies darf dem Planer nicht gering erscheinen.
Wir planen unsere Umwelt - für Menschen, letztlich für Menschen, auch wenn es ein Krötentunnel ist. Was mich wirlich von anderen unterscheidet, streicht sich am besten heraus, wenn ich einfach meine Hausaufgaben mache, ohne mich viel unterscheiden zu wollen. Das ist dasselbe, wie wenn ich Sonaten von Beethoven spielen und mich dabei nur von anderen abheben will - das geht in die architektenschwarze Bundfaltenhose.
So - und jetzt wieder an die Arbeit...
wenn man aufgrund amngelnder Finanzmittel sich wieder auf eine Baukunst besinnen könnte, in der die geistigen Fähigkeiten des Planers mehr Anteil bekommen als die präsentatorischen und die Hybris. Denken kostet kein Geld. UNd wo die Idee den Scheck erstzt, kann oft besseres entstehen, als wir es in den letzten Jahren erlebt haben, wo Manier und Manieriertheit zunehmend jeden Stil verdrängt haben, wo der ursprünglich gute Gedanke des Corporate Desogn sich auswuchs zu einem Hype an Plakat-Protz-Bauten.
Wenn das "Sich-Abheben-Wollen" allein den Architekten/Bauherrn anleitet, ist das Ende des Städtebaus und der Baukunst bald erreicht.
Wo sich alle unterscheiden, fällt keiner mehr auf.
Also: Etwas weniger Geld für Material und Hype - dafür mehr Geld und Kompetenz für die Planer. Das kann zu Besserungen führen. Hoffentlich auch dazu, daß Architekten und Landschaftsarchitekten wieder die PLanungshoheit erhalten und nicht GUs und Komplett planer, wo nur noch die Praktikanten und Volontäre CAD-PLäne der letzten Projekte replizieren und recyclen.
anno 1400, als Großbauten von Bürgergemeinschaften mit patriotischer Begeisterung getragen wurden. Ehre, wer viel geben kann!
Heute kassiert der Staat erst mal alles ab und verteilt voller Sachkompetenz via Bauminister bis Finanzbauamt alles irgendwohin. Dann zahlt irgendwas der Bund, irgendwas das Land, irgendwas der Bezirk und die Kommune auch noch drauf... zum Schluß steht da ein Krankenhaus.
Keiner ist irgendwie verantwortlich, ausgesucht hat ein Preisgericht, das Kostenkompetenz von statistischen Werte ableitet. Weil dann doch wieder undichte Flachdächer drauf sind, drum herum nackte Betonwände (bald voll mit Graffiti), astronomische Unterhaltkosten (wer putzt das denn?) mit Folge Verdreckung- ja weil der Bürger mit dem ganzen Zirkus nichts mehr zu tun hat, kann da kein Gemeinschaftsgeist entstehen.
Und weil das meiste Zeug visionär aber technisch nicht ausgereift ist, wird bald die Totalsanierung fällig, wegen Fördermitteln von Bund und Land und Bezirk entscheiden sich dann die Stadträte (mit "kleinbürgerlicher" künstlerischer Unbildung) für einen Neubau (weg mit dem oidn Zeig) und wissen sich Eins mit den Wählern, die das Betonzeug nie verstanden haben und wieder mal die Hoffnung haben, daß Architekten endlich was bauen, was irgendwer (außerhalb des Preisgerichts) "schön" findet.
Ein gelungener Verriss zum richtigen, gerade eben den Kulminationspunkt der maximalen Vermessenheit von Kapitalwachstum überschreitenden Zeitpunkt.
Bezeichnenderweise wurde das Empire State Building justament zum epochalen Börsencrash 1929 von einem daran nicht unwesentlich beteiligten Börsenspekulaten grundsteingelegt. Scheints ist der Hang zur Großbaustelle in der Finalphase des Erfolges am Ausgeprägtesten. Die BMW-World stelle ich mir künftig ausgerechnet(!) als Vogelnest vor, wo dutzende Studentenbuden freischwebend in der Dachkonstrution eingehängt werden und sich nonchalant im postpopanzen Nisten üben.
P.S. will auch so einen Elektromini