Das Problem des Ineinanderfallens von Renditeverfall, Zukunftsängsten, Krisenstimmung und der Identitätskrise gerade der um Identität bemühten Großbauten betrifft nicht nur BMW - oder andere deutsche Autohersteller, die vor einer Krise stehen, "die alles übertrifft, was wir bisher kennen" (BMW-Konzernchef Norbert Reithofer). Es gilt natürlich auch für alle anderen Branchen - exakt in der Reihenfolge, in der die Wirtschaftskrise als Systemkrise um sich greift. Und dementsprechend gilt es für all die Branchen-Statussymbole, die bevorzugt architektonischer Natur sind.
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Auch andere Kulturbereiche werden derzeit vom Sog der sich auftuenden schwarzen Löcher, in denen Phantasie-Beträge und Maßstäblichkeit verschwinden, erfasst. Aber der Architektur als natürlichem Produzenten räumlich wirksamer Abbilder und zugleich als natürlichem, nicht fiktionalem Verbündeten der Realwirtschaft, fällt in diesem Reigen wiederum die Rolle der Zeichenhaftigkeit zu. Die Architektur der Marken handelt mit Zeichensystemen und den Mitteln der Rhetorik: Sie wäre deshalb nicht nur wegen in Zukunft fehlender Geldmittel betroffen - sondern auch als Zulieferbranche der Symbolik selbst.
Bildmächtige Häuser
Es ist aber auch deshalb so bezeichnend, dass nun gerade die Auto-Branche in Bedrängnis geraten ist, weil ihr zu verdanken ist, dass sich das weltweite Phänomen der Signet-Bauten auch in Deutschland etablieren konnte. Für Porsche haben gmp (von Gerkan, Marg und Partner) gebaut, für Mercedes Ben van Berkel - und von Zaha Hadid stammt ein spektakulärer BMW-Appendix in Leipzig. Im Zuge dieser Entwicklung (die sogar einen eigenen Namen hat: "Carchitecture") werden aber auch alle anderen Status-Konstrukte betroffen sein: all die Häuser, die so erstaunlich, formradikal oder auch nur telegen und medientauglich sind, dass sie selbst wie Marken wirken. Wie Marken, bei denen es fast schon egal ist, um welches Produkt es sich handelt.
Übersetzt in die Sphäre der Baukultur: Es geht um Häuser, die so bildmächtig geworden sind, dass man nicht mehr danach fragt, was sie kosten, was sie wollen oder wozu man sie eigentlich erdacht hat. Und: Ihre Existenz ist untrennbar mit einer gleichfalls recht jungen Erfindung verbunden - mit jener des sogenannten Star-Architekten.
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Verfassungsrichter rügen Billig-Professuren
Ich kritisiere das Primat der Unverwechselbarkeit schon seit Beginn meines Berufslebens. Bei jeder Ausschreibung, bei jedem Wettbewerb, scheint es nur noch zu zählen, daß alle snoch nie dagewesen ist.
Langfristige Dienstbarkeit, Spiel mit Bewährtem in einer Umgebung, die den späteren Nutzen vertraut sein soll und Identifikations und Geborgenheit anbieten und ermöglichen soll, überhaupt die Frage: Für wen ist es? - das wurde seit 20 Jahren zunehmend als unkreativ erachtet und in Wettbewerben und Planungen landesweit abgestraft.
Architetken und andere PLaner (Städtebauer, Landschaftsarchitekten) müssen sich wieder mehr in den Dienst der Gesellschaft stellen, anstatt narzißtische Künstler zu sein. Um Bauherrn wirklich beraten zu können, bedarf es dazu auch wieder einer umfassenden Bildung, die über das Fach hinausgeht. Kunst, Ethik, Philosophie, Soziales - dies darf dem Planer nicht gering erscheinen.
Wir planen unsere Umwelt - für Menschen, letztlich für Menschen, auch wenn es ein Krötentunnel ist. Was mich wirlich von anderen unterscheidet, streicht sich am besten heraus, wenn ich einfach meine Hausaufgaben mache, ohne mich viel unterscheiden zu wollen. Das ist dasselbe, wie wenn ich Sonaten von Beethoven spielen und mich dabei nur von anderen abheben will - das geht in die architektenschwarze Bundfaltenhose.
So - und jetzt wieder an die Arbeit...
wenn man aufgrund amngelnder Finanzmittel sich wieder auf eine Baukunst besinnen könnte, in der die geistigen Fähigkeiten des Planers mehr Anteil bekommen als die präsentatorischen und die Hybris. Denken kostet kein Geld. UNd wo die Idee den Scheck erstzt, kann oft besseres entstehen, als wir es in den letzten Jahren erlebt haben, wo Manier und Manieriertheit zunehmend jeden Stil verdrängt haben, wo der ursprünglich gute Gedanke des Corporate Desogn sich auswuchs zu einem Hype an Plakat-Protz-Bauten.
Wenn das "Sich-Abheben-Wollen" allein den Architekten/Bauherrn anleitet, ist das Ende des Städtebaus und der Baukunst bald erreicht.
Wo sich alle unterscheiden, fällt keiner mehr auf.
Also: Etwas weniger Geld für Material und Hype - dafür mehr Geld und Kompetenz für die Planer. Das kann zu Besserungen führen. Hoffentlich auch dazu, daß Architekten und Landschaftsarchitekten wieder die PLanungshoheit erhalten und nicht GUs und Komplett planer, wo nur noch die Praktikanten und Volontäre CAD-PLäne der letzten Projekte replizieren und recyclen.
anno 1400, als Großbauten von Bürgergemeinschaften mit patriotischer Begeisterung getragen wurden. Ehre, wer viel geben kann!
Heute kassiert der Staat erst mal alles ab und verteilt voller Sachkompetenz via Bauminister bis Finanzbauamt alles irgendwohin. Dann zahlt irgendwas der Bund, irgendwas das Land, irgendwas der Bezirk und die Kommune auch noch drauf... zum Schluß steht da ein Krankenhaus.
Keiner ist irgendwie verantwortlich, ausgesucht hat ein Preisgericht, das Kostenkompetenz von statistischen Werte ableitet. Weil dann doch wieder undichte Flachdächer drauf sind, drum herum nackte Betonwände (bald voll mit Graffiti), astronomische Unterhaltkosten (wer putzt das denn?) mit Folge Verdreckung- ja weil der Bürger mit dem ganzen Zirkus nichts mehr zu tun hat, kann da kein Gemeinschaftsgeist entstehen.
Und weil das meiste Zeug visionär aber technisch nicht ausgereift ist, wird bald die Totalsanierung fällig, wegen Fördermitteln von Bund und Land und Bezirk entscheiden sich dann die Stadträte (mit "kleinbürgerlicher" künstlerischer Unbildung) für einen Neubau (weg mit dem oidn Zeig) und wissen sich Eins mit den Wählern, die das Betonzeug nie verstanden haben und wieder mal die Hoffnung haben, daß Architekten endlich was bauen, was irgendwer (außerhalb des Preisgerichts) "schön" findet.
Ein gelungener Verriss zum richtigen, gerade eben den Kulminationspunkt der maximalen Vermessenheit von Kapitalwachstum überschreitenden Zeitpunkt.
Bezeichnenderweise wurde das Empire State Building justament zum epochalen Börsencrash 1929 von einem daran nicht unwesentlich beteiligten Börsenspekulaten grundsteingelegt. Scheints ist der Hang zur Großbaustelle in der Finalphase des Erfolges am Ausgeprägtesten. Die BMW-World stelle ich mir künftig ausgerechnet(!) als Vogelnest vor, wo dutzende Studentenbuden freischwebend in der Dachkonstrution eingehängt werden und sich nonchalant im postpopanzen Nisten üben.
P.S. will auch so einen Elektromini