Von Catherine Hoffmann

Der Chef der US-Notenbank warnt vor den Folgen einer schwachen Währung - und Ökonomen erwarten mittlerweile eine Trendwende am Devisenmarkt.

Eigentlich hätte klar sein müssen, dass der Tiefpunkt des Dollar nicht mehr fern ist, wenn selbst Gisele Bündchen die amerikanische Währung schmäht. Das am besten verdienendste Model der Welt verlangte im November 2007, dass ihre Gagen fortan in Euro gezahlt werden - und nicht in US-Dollar.

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Der Greenback war am 22. April so wenig wert wie nie seit Einführung des Euro Anfang 1999. 1,60 Dollar mussten an jenem Tag für einen Euro gezahlt werden - viel zu viel, glaubt US-Notenbankchef Ben Bernanke. Der oberste Währungshüter warnte jetzt vor den Risiken eines schwachen Dollar und brach mit der lange gewahrten Tradition, dass sich die Fed nicht zu Wechselkursen äußert.

Der Dollar habe zu einem "unerfreulichen Anstieg der Importpreise und Lebenshaltungskosten" geführt. "Wir achten aufmerksam auf die Folgen der Wechselkursschwankungen für die Inflation", so Bernanke. Der Dollar gewann daraufhin gegenüber dem Euro binnen Minuten zwei Cent. Der Ölpreis fiel überraschend auf 126 Dollar und der Goldpreis brach um 18 auf 875 Dollar ein.

"Das Pendel schlägt um"

Noch vor wenigen Wochen schien der Verfall des Dollar unaufhaltsam. 71 Prozent büßte er seit Anfang 2002 gegenüber dem Euro ein. Besonders dramatisch war der Kursrutsch in den vergangenen Monaten.

Der Greenback stand auf den Verkaufslisten der Devisenhändler ganz oben. Politiker und Ökonomen in aller Welt fürchteten im Extremfall den Zusammenbruch des westlichen Wirtschafts- und Finanzsystems, in dessen Zentrum die USA stehen. Doch jetzt scheint sich der lange schwächelnde Dollar zu fangen. Laut Umfragen denkt die Mehrheit der Börsianer, dass der Dollar inzwischen extrem unterbewertet ist.

Steht die US-Währung vor einem Comeback? "Das Pendel schlägt um zugunsten des Dollar", sagt David Bloom, Währungsstratege bei HSBC. "Während sich die Wirtschaft in den USA erholt, trübt sich die Lage in Europa ein." Ironischerweise wird die Genesung der Konjunktur gerade durch den günstigen Dollar erleichtert, der amerikanische Exportwaren im Ausland verbilligt und dafür sorgt, dass sich die Hotels in New York mit europäischen Touristen füllen. Außerdem lockt er Unternehmen wie Ikea und Toyota in die USA, die dort neue Läden und Fabriken eröffnen.

Helfen wird der Wirtschaft auch Bernankes großzügige Geldpolitik - dem Dollar hat sie allerdings geschadet. Um 3,25 Prozentpunkte hat der Fed-Chef die Leitzinsen seit vergangenen September gesenkt - auf nur noch zwei Prozent, um dem Land aus der Finanzkrise zu helfen. Für den Dollar war das verheerend. Wer will sein Geld schon zu Minizinsen anlegen, wenn er andernorts mehr bekommt? Während die Fed die Zinsen aggressiv kürzte, hielt die Europäische Zentralbank an ihrer Geldpolitik fest und ließ den Leitzins bei vier Prozent.

Verschnaufpause eingelegt

Doch mit der Niedrigzinspolitik der USA könnte Schluss sein - so zumindest wurden Bernankes Äußerungen interpretiert, die Inflation und den Wert des Dollar im Blick zu haben. Ölpreisanstieg und Dollarverfall gehen seit Monaten Hand in Hand - schließlich wird der begehrte Rohstoff in Dollar bezahlt. Stabilisiert sich die US-Währung, bremst das die Inflation bei den Rohstoffen.

Ein stärkerer Dollar ist aber wohl nur mit höheren Zinsen zu bekommen. "Die Fed kann die Geldpolitik nicht weiter lockern, wenn sie sich um den Dollar sorgt", sagt Stephen Jen, Leiter der Devisenstrategie bei Morgan Stanley. "Die neue Rhetorik ist ein Grund mehr zu glauben, dass der Dollar seinen Tiefpunkt erreicht hat."

Folgen den Worten Taten und hört die Fed auf, die Welt mit billigen Dollar zu fluten, könnte es zu einer Trendwende am Devisenmarkt kommen. Werden die gewaltigen Wetten, die an den Terminbörsen gegen den Dollar und zugunsten der Rohstoffe laufen, aufgelöst, dürfte der Dollar steigen.

Eugen Keller, Devisenexperte beim Bankhaus Metzler, rechnet aber erst nach den US-Wahlen mit Zinserhöhungen, dann aber in kurzer Folge. Um die negativen Konsequenzen für die Konjunktur abzumildern, werde die Regierung ein üppiges Ausgabenprogramm auflegen. "Expansive Fiskalpolitik und restriktive Geldpolitik - das wäre positiv für den Dollar", sagt Keller.

Einiges spricht dafür, dass der Dollar auf dem Weg nach unten zumindest eine Verschnaufpause eingelegt hat. Ob er tatsächlich langfristig an Stärke gewinnt, hängt von Bernankes Kurs und der Frage ab, ob die USA die Finanzkrise tatsächlich schon überstanden haben.

"Rutscht der Dollar noch ein gutes Stück tiefer, nimmt die Wahrscheinlichkeit von Interventionen am Devisenmarkt zu", glaubt Jens Nordvig, Währungsstratege bei Goldman Sachs. Der letzte Eingriff der USA am Devisenmarkt ist 13 Jahre her. Und im Jahr 2000 haben die G7-Länder Euro gekauft, um den Kursabschwung der jungen Währung zu bremsen.

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(SZ vom 05.06.2008/hgn)