Bezahldienst Paydirekt Banken starten Paypal-Konkurrenz

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Zunächst werden die Banken bei ihrem neuen Bezahlsystem wohl draufzahlen.

(Foto: imago/imagebroker)
  • Mit Paydirekt bringen die deutschen Banken einen eigenen Online-Bezahldienst an den Start.
  • Nun kommt es darauf an, ob der Dienst die kritische Masse an Kunden und Händlern für sich gewinnen kann, um etablierten Anbietern wie Paypal Konkurrenz zu machen.
Von Meike Schreiber, Frankfurt

Zur umsatzstärksten Zeit des Jahres kommen die Banken diesmal zu spät. Im Weihnachtsgeschäft sollte möglichst alles funktionieren: Die Schaufenster müssen geschmückt sein, die Ware greifbar und die Lager gefüllt. Die Technik, die all das bis zum Bezahlen verknüpft, muss reibungslos funktionieren. Auf Experimente mit einem neuen Bezahlverfahren im Internet lassen sich die Händler so kurzfristig lieber nicht ein.

Ehrgeiziges Großprojekt

Das neue Angebot der deutschen Banken - es heißt Paydirekt und erlaubt das Bezahlen über das eigene Online-Banking - ist daher nicht mehr rechtzeitig. Immerhin: Vergangene Woche ging es nach mehr als zwei Jahren Vorarbeit an den Start. Die ersten, die es nutzen konnten, waren Kunden der Hypo-Vereinsbank; die ersten Händler ein Online-Möbelhaus, ein Sportartikelhersteller und ein Süßwarenhändler. Erst in Kürze werden weitere Banken und Händler angeschlossen.

Zumindest zu Ostern werden die Kunden also wohl bei mehr als nur einer Handvoll Online-Shops bezahlen können. Dann wird sich zeigen, ob das ehrgeizige Gemeinschaftsprojekt von Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Privatbanken Erfolg hat. Mit Paydirekt wollen sie dem erfolgreichen US-Anbieter Paypal und anderen Tech-Firmen Konkurrenz machen. Gegen deren Angebote für das Bezahlen im Internet hatten die deutschen Banken jahrelang an Boden verloren. Nach all den Internet-Spionage-Skandalen wirbt Paydirekt vor allem damit, dass es sich um ein deutsches System handelt, wo die sensiblen Daten vermeintlich besser aufgehoben seien.

250 000 Nutzer in den ersten Monaten

Mit wie vielen Nutzern die Banken rechnen, daraus machen sie bislang aber ein Geheimnis. Martin Zielke, Privatkundenvorstand der Commerzbank, wagte nun als Erster eine Prognose: "Weil bei Paydirekt die gesamte Kreditwirtschaft mitmacht, können wir wirklich dafür sorgen, dass die Menschen am Ende mehr über das Internet einkaufen", sagte Zielke. In den ersten Monaten nach dem Start rechnet die Commerzbank mit mindestens 250 000 registrierten Nutzern, das wären knapp zehn Prozent der 2,8 Millionen Commerzbank-Kunden, die - das ist die Voraussetzung - ihr Onlinebanking bereits freigeschaltet haben.

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Die anderen Banken sagen nicht, wie sie kalkulieren. Würde man die Commerzbank-Prognose auf alle online-fähigen Girokonten in Deutschland hochrechnen, käme man für die ersten Monate auf ungefähr fünf Millionen Kunden. Das wäre sehr optimistisch geschätzt. Der US-Anbieter Paypal hat in Deutschland nach eigenen Angaben bereits 16 Millionen Kunden, die Paypal im Schnitt 1,7 Mal pro Monat nutzen, um etwas zu bezahlen.

Wettrennen um die Kunden

Laut Zielke geht es den deutschen Banken weniger darum, die Konkurrenz zu verdrängen. Der Markt fürs Einkaufen im Internet werde weiterhin so schnell wachsen, dass es Platz für mehrere Anbieter gebe. "Da ist noch sehr viel Potenzial, bislang laufen ja gerade mal weniger als drei Prozent aller Einzelhandelsumsätze über das Internet", sagte Zielke. "Der Markt ist daher noch lange nicht verteilt." Er habe bereits einen Sportartikel über Paydirekt gekauft - die Mitarbeiter einiger Banken konnten das System seit August testen.

Für die Commerzbank-Kunden hingegen wird das System irgendwann Ende des Jahres freigeschaltet, auch viele Volksbanken, Deutsche Bank, Postbank, Targobank oder Ing-Diba werden dann dabei sein. Bei den Sparkassen wird es noch bis Frühjahr dauern, weil sich die Institute der Initiative zu spät angeschlossen hatten. Weil vorerst jeder Kunde nur ein Girokonto für die Benutzung von Paydirekt freischalten kann, hat das Wettrennen um die Kunden bereits begonnen. Denn pro Kunde verdient nur eine Bank Geld an der Nutzung.

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Das Problem: die kritische Masse erreichen

Zunächst aber werden die Banken wohl draufzahlen: Der Onlinehandel erwartet, dass Paydirekt günstiger ist als andere Bezahlverfahren. Paypal kostet Händler durchschnittlich 1,8 Prozent des Umsatzes. Diese Kosten legen Händler in der Regel unabhängig vom individuell gewählten Bezahlverfahren auf die Kunden um oder belasten die eigene Gewinnmarge damit. Das muss Paydirekt unterbieten, ohne dabei das Kartellamt auf den Plan zu rufen. Die große Herausforderung zu Beginn: Zugleich eine kritische Masse an Händlern und Kunden gewinnen.

"Für mich ist es schlüssig, dass die deutschen Banken zumindest den Versuch machen, es mit Paypal aufzunehmen", sagt Sven Korschinowski, Experte für Bezahlsysteme bei der Beratungsgesellschaft KPMG. Ob er erfolgreich sein werde, müsse sich natürlich erst zeigen. Viele Experten sind skeptisch, ob das Thema Sicherheit ausreicht, genügend Kunden anzuziehen - denn auch die Konkurrenz legt darauf natürlich großen Wert.

Kunden, die Paydirekt ausprobieren wollen, müssen das Onlinebanking für ihr Konto freigeschaltet haben. Dann registrieren sie sich entweder auf der Seite der Bank, bei Paydirekt oder auf der Händlerseite, indem sie eine E-Mail-Adresse nennen und ein Passwort bestimmen. Nach der Eingabe erhält der Händler unmittelbar eine Bestätigung der Zahlung und kann die Ware verschicken. Die Zahlungen werden dann auf dem Kontoauszug angezeigt. Die Händler bekommen weder E-Mail-Adressen noch Bankdaten. Liefert der Händler nicht, kontaktiert ihn ein Reklamationsservice; kann der Händler nicht nachweisen, dass er die Ware verschickt hat, erhält der Käufer sein Geld zurück. Paydirekt gibt es auch als Smartphone-App, die eine Übersicht über die Käufe gibt. Zahlen kann man damit noch nicht. Aber vielleicht ja zu Ostern.

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