Deutsche Bank "Wir haben nicht nach dem Staat gefragt"

Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, hat in der Finanzkrise immer den starken Mann gegeben. Jetzt verliert sein Konzern so viel wie nie zuvor - von staatlichen Hilfen will er dennoch nichts wissen.

Von Martin Hesse

Lange waren Josef Ackermann und sein Finanzvorstand Stefan Krause sich in technischem Geplänkel ergangen. Sie hatten erklärt, warum die Deutsche Bank vergangenes Jahr 3,9 Milliarden Euro und damit so viel wie nie zuvor verlor. Allein 4,8 Milliarden Euro verbrannten im vierten Quartal. Sie hatten die hochkomplizierte neue Übernahmevereinbarung für die Postbank erläutert. Dann aber sieht man Josef Ackermann förmlich aufspringen an seiner Telefonanlage in der Konzernzentrale, an der Analysten und Journalisten aus aller Welt hängen, um den Chef der Deutschen Bank in die Enge zu treiben. Jemand hat die S-Frage gestellt.

Deutsche Bank:

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank: Milliardenverlust im vierten Quartal, Milliardenverlust im Geschäftsjahr 2008.

(Foto: Foto: dpa)

Kam nicht die Beteiligung der Post an der Deutschen Bank einem Einstieg des Staates durch die Hintertür gleich? Und hatte nicht Ackermann staatliche Hilfe immer abgelehnt? Der Bankchef wartet nicht ab, bis der Frager geendet hat. "Wir haben nicht nach dem Staat gefragt. Wir haben nie mit ihm gesprochen. Und wir haben auch nicht die Absicht, mit der Regierung über die Deutsche Bank zu sprechen", braust Ackermann auf.

Empörte Republik

Es ist der wunde Punkt. Zwei Monate zuvor hatte Ackermann vor Mitarbeitern gesagt, er würde sich schämen, müsste die Deutsche Bank Staatshilfe in Anspruch nehmen. Ein Aufschrei der Empörung war durch die Republik gegangen, hatte der in Deutschland so umstrittene Bankchef doch vorher mehrfach gefordert, der Staat müsse den Banken helfen.

Von Staatshilfe für die Deutsche Bank aber will Ackermann weiter nichts wissen. Auch der Einstieg der Post, an der die Regierung mit 31 Prozent beteiligt ist, sei so nicht zu verstehen. Schließlich werde der Logistikkonzern sich auch rasch wieder zurückziehen. Und selbst eine Bad Bank, also ein staatliches Spezialinstitut, bei dem Banken ihre faulen Kredite abladen könnten, brauche sein Haus nicht.

Ackermann selbst hatte auch dieses Kriseninstrument einst angeregt, jetzt sagt er nur: "Ich wüsste gar nicht, welche faulen Kredite die Deutsche Bank dort abgeben sollte." Schließlich habe sie fast alle ihre Altlasten im vierten Quartal abgebaut - ein Grund für den historischen Verlust.

Aber Ackermann kommt an diesem Mittwoch nicht aus der Defensive. Zu stark kontrastieren die katastrophalen Zahlen mit dem Bild, das Ackermann selbst von sich in der Krise gezeichnet hat und an dem sich die Prominenz von Bundespräsident Horst Köhler über Kanzlerin Angela Merkel bis zu Bischof Wolfgang Huber gerieben hatten.

Immer wieder hatte sich Ackermann im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahre der Öffentlichkeit vor allem als Krisenmanager präsentiert. Im Sommer 2007 gab er den Anstoß zur Rettung der Mittelstandsbank IKB. 15 Monate später war es wieder Ackermann, der eine Schlüsselrolle bei der Rettung der Hypo Real Estate spielte. Als buchstäblich nur noch Minuten die Immobilienbank und damit mutmaßlich den gesamten deutschen Bankenmarkt vor dem Zusammenbruch trennten, klingelte er Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Bett. Ohne Rückendeckung sagte er Milliardenhilfen der privaten Banken zu und machte den Weg frei für die - vorläufige - Rettung der HRE.

Als Laune des Schicksals kann man es betrachten, dass nun, da auch die Deutsche Bank die volle Wucht der Krise zu spüren bekommt, die Hypo Real Estate um ein drittes staatliches Rettungspaket ringt.

Die Ereignisse haben Ackermann in der Krise immer wieder überholt. Zwar wurde er nicht wie zahllose andere Bankchefs buchstäblich von ihr überrollt - doch niemand exponierte sich mit Kommentaren zur Krise so wie er.

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