Deutsche Bank: Kasino in Las Vegas Ganz und gar unartig

Endlich Smaragd-Banker sein: In der Finanzwelt wird zwar prächtig verdient, doch sie ist so fürchterlich grau. Jetzt entflieht die Deutsche Bank nach Las Vegas, betreibt dort ein Kasino - und versenkt wohl gleich mal eine Milliarde Dollar.

Von Hans von der Hagen

Das Schöne an der Börse sei, lobte einst Altmeister André Kostolany, dass sich dort tausend Prozent gewinnen, aber nur hundert Prozent verlieren ließen. Genauso funktioniert das auch in den Kasinos dieser Welt, dort verschwindet aber das Geld zumindest mit Glamour.

Es ist verständlich, dass die sich so prachtvoll fühlende, aber doch nur im schnöden Frankfurt beheimatete Deutsche Bank an diesem Glanz teilhaben möchte, darum verbindet sie grau mit Glitzer: Zu Weihnachten beschenkt sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit einem Kasino in Las Vegas.

Vier Milliarden Dollar hat das Institut in das "The Cosmopolitan Resort and Casino" gesteckt - es ist eines der teuersten Projekte in der Geschichte der Wüstenstadt.

Ein Traum natürlich, das legt zumindest ein Werbespot nahe, der den Zuschauer in eine bacchantisch-bizarre Welt entführt, in der schöne Frauen, überladene Tische, mächtige Kandelaber, ratlose Tiere und provozierende Kellnererotik selbstverständlich zu sein scheinen. Es ist das Paralleluniversum, in das sich bonibeladene Banker sehnen, auf der Suche nach - wie es das Cosmopolitan nahelegt - "Just the Right Amount of Wrong". Endlich einmal ganz korrekt unartig sein.

Luxus gegen Muff

Gut, ursprünglich wollte die Deutsche Bank das Projekt lediglich finanzieren, weiß das Wall Street Journal. Das Geldhaus mit den zwei mächtigen Bürotürmen habe zunächst eine Milliarde Dollar ist das Projekt mit den zwei markanten Bettentürmen gepumpt.

Doch Bauträger Ian Bruce Eichner - das Cosmopolitan war sein Baby - habe schon 2008 die Zinsen nicht mehr zahlen können. Er schied aus, die Immobilie ging in die Zwangsversteigerung und die Deutsche Bank kaufte es. Da sie keinen neuen Investor finden konnte, führte sie das Vorhaben alleine weiter. "Die beste Entscheidung war, es selbst zu bauen und zu betreiben", soll Thomas Fiato, der bei der Deutschen Bank für Projekte zuständig ist, die nicht zum Kerngeschäft der Bank zählen, den Aufsichtsbehörden des Bundesstaates Nevada gesagt haben. Längst haben sich offenbar Topmanager der Bank für eine Kasino-Lizenz beworben, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg schon vor längerem.

Die Frankfurter warfen die ursprünglichen Pläne über den Haufen, heuerten neue Experten an - und bauten ein Kasino nach eigenem Gusto. Mittlerweile hat die Deutsche Bank offenbar weitere drei Milliarden Dollar in das Projekt gesteckt - eine Milliarde Dollar, berichtet das WSJ, musste allerdings schon abgeschrieben werden. Die Deutsche Bank erwähnt das Projekt zwar in ihren Geschäftsberichten, sagt ansonsten aber nichts weiter dazu.

Entstanden ist eine Welt des Luxus für alle jene, denen Las Vegas ansonsten zu muffig ist. Jetzt müssen die 83 Spieltische, 1474 Spielautomaten und knapp 3000 Betten nur noch Profit abwerfen.

Das ist schwierig, denn das Cosmopolitan muss seine Kundschaft erst noch gewinnen. Entsprechend nervös ist die Konkurrenz: Die befürchtetet, dass die neue Spielhölle vor allem über den Preis kämpfen wird.

Andererseits: Mit dem Börsenkasino hat die Deutsche Bank schon einige Erfahrung. Die sollte ihr in der Wüstenstadt helfen. Was sind schon 100 Prozent Verlust im Vergleich zu 1000 Prozent Gewinn?

Und wenn das Projekt Las Vegas gar zu desaströs ausgeht, bleibt für die Buße die Wellness-Oase "Sahra Spa & Hammam" im Cosmopolitan. Sie ist, so verheißt die Werbung, "durch die Wüste inspiriert".

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