Der große Unterschied: Hermann Josef Abs, der berühmte Mann der Deutschen Bank, hatte verstanden, was Josef Ackermann erst noch lernen muss.
Von Hermann Josef Abs, dem legendären Chef der Deutschen Bank, ist ein Satz überliefert, wie ihn sich die Deutschen aus dem Mund eines jeden Unternehmers wünschen würden: "Gewinn ist gut, aber nicht alles", urteilte Abs im Jahr 1973.
Ackermann ist als Chef der Deutschen Bank nicht allein dem Shareholder Value verpflichtet (© Foto: AP)
Anzeige
So wie der Mensch nicht nur lebe, um zu atmen, schrieb Abs, so seien Unternehmen auch nicht nur dazu da, möglichst viel Geld zu verdienen. Es sei wichtig, fügte er hinzu, dass der Unternehmer "ein waches Gespür für die Regungen und Stimmungen in seiner gesellschaftlichen Umwelt mitbringt und sich in jeder einzelnen Entscheidung konsequent von seiner Gesamtverantwortung gegenüber der Gesellschaft leiten lässt".
So besehen hat Josef Ackermann, der achte Chef der Deutschen Bank seit Abs, zwei gravierende Fehler gemacht. Der erste: Gewinn war für ihn anfangs alles; wie kein anderer Manager in Deutschland stand er damit für den Wall-Street-Kapitalismus, der nun untergegangen ist.
Sein zweiter Fehler: Ackermann war fremd, dass er als Chef der Deutschen Bank nicht allein dem Shareholder Value verpflichtet ist, dem Wohl der Aktionäre, sondern auch für Land und Gesellschaft einstehen muss. Abs, der Berater der Regierung Adenauer, wusste das; der von der RAF ermordete Alfred Herrhausen, der sich für einen Schuldenerlass gegenüber den Entwicklungsländern starkmachte, wusste es auch; Ackermann musste dies erst mühsam lernen.
Symbol der Arroganz
Der Chef der Deutschen Bank ist damit zum bestgehassten Manager der Republik geworden, zum Feindbild für alle, die schon immer am Kapitalismus zweifelten. Er wurde zum Symbol der Arroganz - obwohl es wenige Banker gibt, die, wenn man ihnen gegenübersteht, derart zurückhaltend wirken.
Drei Dinge waren es vor allem, mit denen Ackermann seinen Ruf beschädigt hat: Er hat die Finger zum Victory-Zeichen erhoben, als es galt, im Mannesmann-Prozess etwas Reue zu zeigen; er hat verkündet, seine Bank wolle 25 Prozent vor Steuern verdienen, und zugleich 6000 Mitarbeiter entlassen; und er hat mit einer einzigen Bemerkung das 500-Milliarden-Rettungspaket madig gemacht, mit dem die Regierung die Banken retten wollte.
In der Weltwirtschaftskrise, in der Millionen Jobs verlorengehen, zeigt sich allerdings, dass man Abs auch anders interpretieren kann: Ohne Gewinn ist die Wirtschaft fast nichts; ohne Gewinn können Unternehmen nicht lange überleben; ohne Gewinn müssen Manager irgendwann Leute entlassen oder beim Staat um Hilfe betteln.
Josef Ackermann muss bislang niemanden um Milliarden anflehen. Die Deutsche Bank verdient auch in der schwersten Rezession, die die Bundesrepublik je erlebt hat, noch Milliarden. Man mag Ackermanns Renditestreben verdammen, man mag sein Ertragsziel von 25 Prozent vor Steuern als irrwitzig bezeichnen - aber mit ihrem Gewinn erspart die Deutsche Bank es dem Staat, noch mehr Milliarden in die Rettung von Banken zu stecken; Milliarden, die der Staat angesichts eines Heers von Arbeitslosen demnächst anderswo weitaus dringender benötigt.
Die Deutschen werden Manager wie Ackermann dennoch niemals lieben oder nur mögen. Denn sie leben in der schönen Illusion, ihr Land könne Konzerne von Weltgröße haben - aber Konzernlenker, die sich klein machen. Die Bundesbürger wünschen sich Unternehmen, die "Made in Germany" überall hin exportierten - und Manager, die nirgends auffallen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Bruce Springsteen in Frankfurt
@Eric Wallis, antworten und diskutieren ist besser, als rot markieren!
Gestern ein Artikel, in dem nur kritisiert wurde, dass Herr Ackermann keinen Nachfolger aufgebaut hat. Heute ein "er ist doch auch nur ein Mensch, versteht ihn doch endlich."
Wenn ich Advertorial schreibe, steht "Dauerwerbesendung" darüber =;)
Und zu den Milliardengewinnen: Wer hat denn so fleissig mit den Papieren gehandelt, die die Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs geführt haben?
Alles Gute
Kai
@Eric Wallis, kannten Sie Herrn Abs?
1. Ich kannte Herrn Abs persönlich und 2. ich stamme aus einer Anti-Nazi-Familie und vertrete Anti-Nazi-Standpunkte.
Wahrscheinlich fällt es mir wegen 2. leichter zu differenzieren
eines "Weiter so wie zuvor"!
Und da - wie die DeBa zeigt - ist keinerlei Regulativ der Politik erkennbar. Denn: Die Banker-Welt kennt nur eines: maximale Gewinnmaximierung. Und wenn die näxte Strategie genauso in die Hose geht wie es aktuell der Fall ist: wie will die Regierung beim näxten mal sagen "Nee, nochmal können wir euch nicht retten!" ? Die - vermeintlichen - Zwänge, ein kaputtes System künstlich am Leben zu erhalten, sind dann nämlich weiterhin die selben.
Das Ackermann-Signal auf Rendite-Hatz war das völlig falsches. Allerdings ein aufrechtes: JA hat verdeutlicht, dass diese Krise nicht dazu genutzt wird, damit die Wirtschaft wieder dem Menschen diene. Eine vertane Chance (die ja in jeder Krise steckt).
Das gesamte Bankenwesen ist miteinander verwoben, nur so konnten faule Papiere von Institution zu Institution weitergereicht werden. Da drängt sich die Frage auf, warum aus dem fetten DEBA-Gewinn nichts in den Rettungsfond fließt. Ist doch für einen "guten" Zweck: den Erhalt des Bankengeflechts - und somit einer Macht, an der nicht gerüttelt wird. Wg. Systemrelevanz. In einem Ausbeutungssystem...
Da soll ich jetzt Beifall zollen? Oder doch lieber auf die Straße gehen um meinem Unmut über ein verhängnisvolles Weiter so!" zu dokumentieren...
Herr Schäfer ist schon wieder nicht im Stoff. Ackermann strebt eine Rendite von 25 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital an, nicht auf den Umsatz. Das ist nicht nur eine für die Wirtschaft recht harmlose Größe, sondern jeder Privatmann sucht doch auch für seine Kapitalanlage möglichst hohe Renditen (siehe die schönen Desaster mit dubiosen Anlagen wie zuletzt bei der Kaupthing-Bank) und findet das alles andere als obszön - wie aber doch offenbar die SPD. Die will anscheinend lieber ganz viele pleitegegangene Banken und arbeitslose Bankangestellte als erfolgreiche Institute, wenn man Joachim Poß, den stellvertretenden SPD-Bundestagsfraktionschef, hört.
Paging